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Worawi wiedergewählt - Zwei weitere Jahre Stillstand?

Thailändischer Verband FAT-Wahl

Der Wahltatort in Bangkok
Bild: © thai-fussball.com

Am 17. Oktober fanden die Wahlen des thailändischen Fussballverbands statt. Dabei wurde der bisherige Präsident Worawi Makudi mit 42:28 Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Dem vorausgegangen war ein mehrmonatiges Durcheinander aus Ratifizierung neuer Fifa-Statuten, Reduzierung der Wahlstimmen, möglicher Wahl eines zweiten Präsidiums und damit Abspaltung bis hin zu Drohungen der Fifa, Thailand von allen Wettbewerben auszuschließen. Am Ende hat sich zwar der Lieblingskandidat der Fifa und Exekutivkomitee-Mitglied Worawi Makudi durchgesetzt, der überwiegende Teil der Fussballanhänger in Thailand möchte aber seit Jahren einen Wechsel an der Spitze und dürfte sich nun erneut verschaukelt fühlen.

Das Vorspiel

Obwohl es den Fifa-Mitgliedsverbänden freisteht, ihre Wahlen nach eigenem Gutdünken zu organisieren, solange dies transparent und nach überschaubaren Regeln geschieht, mischte sich die Fifa in diesem Jahr massiv in die Belange der FAT ein, dabei völlig außer Acht lassend, dass sie damit auch in thailändisches Recht eingreifen würde.

Neben der nachvollziehbaren Statuten-Angleichung, dass der Präsident für 4 Jahre gewählt werden sollte, wurde auch die Reduzierung der Wahl-Stimmen von 180 auf 72 gefordert. Weil man sich nicht einig werden konnte, wie denn nun zu verfahren sei, weilten mehrfach Fifa-Delegationen zu Gesprächen in Thailand. Dabei wurde man den Verdacht nicht los, dass die Stimmverteilung zugunsten Makudis neu verteilt werden sollte, damit das Exko-Mitglied weiterhin Verbandschef bleiben kann.

So gab es zwischendurch auch eine Gruppierung von 108 der bisher 180 Wahlberechtigten, die sich mit einer Petition ans Sportministerium gewandt hatte, selbständig Wahlen durchzuführen. Aus Angst vor Sanktionen der Fifa, ließ man aber die Sache auf sich beruhen. Wenn diese 108 Mitglieder alle Virach gewählt hätten, wäre dies also eine deutliche Mehrheit für ihn gewesen.

Nach vielem Hin und Her und Anhörungen beim Sportministerium, der die FAT ja unterstellt ist, meldete sich am Ende auch noch Burirams Präsident Newin Chidchob zu Wort. Seine Quellen hätten verlauten lassen, dass Worawi, der einen Posten im Handelsministerium bekleidet, auch von einigen Politikern unterstützt würde, wodurch bei den Klubs der Eindruck entstehen solle, dass hinter all dem der ehemalige Ministerpräsident Thailands, Thaksin Shinawatra, stecken würde. Er selbst verwahre sich gegen jegliche politische Einmischung in den Fussball, dabei wohlweislich nicht erwähnend, dass er nach wie vor de facto Chef der oppositionellen Bhum Jai Thai-Partei ist und die vormals mit ihm koalierenden Parteifreunde in Chonburi sogar den Kulturminister in der derzeitigen Regierung stellen. Newin Chidchob, der den Kandiaten Virach unterstützte, war bei der Wahl vergangene Woche selbst nicht anwesend.

Worawi Makudi

Worawi Makudi trifft ein
Bild: © thai-fussball.com

Unter diesen Vorzeichen war klar, dass es eine harte Abstimmung werden würde und so einigten sich beide Bewerber darauf, eine entsprechende Wahlkommission zusammenzustellen. Zwei der fünf Mitglieder der Wahlkommission wurden von Worawi ausgewählt, drei von Virach. Für die dreiköpfige Berufungskommission wählte Worawi zwei und Virach ein Mitglied aus. Dennoch kam es im Vorfeld zu Unstimmigkeiten, als bis kurz vor der Wahl noch sechs Vertreter stimmberechtigter Mitglieder ausgeschlossen waren, da die Nachweise fehlten, dass sie auch für die Klubs arbeiten, für die sie wählen sollten und die Worawis Wahlzirkel zugerechnet wurden. So verfügte die Berufungskommission, in der Worawi die Mehrheit hatte, kurzfristig doch noch die Zulassung zur Wahl. Ein Schelm wer arges dabei denkt.

Dadurch kam es auch zu einer zweistündigen Verzögerung, bis schließlich der anwesende Fifa-Wahlbeobachter die Entscheidung als rechtmäßig einstufte. Allerdings war dies direkt nach der verlorenen Wahl Anlass für den Verlierer, von Betrug zu sprechen und von seinen Anwälten prüfen zu lassen, ob man die Wahl anfechten werde, was von der Wahlkommission mittlerweile schon getan wurde.

In seiner Zeit als Sportfunktionär musste Worawi schon mehr als genug Korruptionsvorwürfe über sich ergehen lassen und dass er einer nach vorne gerichteten Entwicklung im Wege steht, sodass er eigentlich nicht mehr für dieses Amt tragbar ist, ist hinreichend bekannt. Genauso wie man weiß, dass er sich immer wieder aus den verschiedenen Skandalen herauswinden konnte und in Kreisen der Fifa, aber auch der thailändischen Regierung über Rückendeckung verfügt.

Zuviel Politik, zu wenig Inhalt und Programm

Dass der Sieg für ihn am Ende vergleichsweise klar ausfiel, lag allerdings nicht nur an der Schützenhilfe der Fifa und dem einen oder anderen Kniff, sondern auch am Gegenkandidaten Virach Charnpanich selbst. Seine Erfolge als Team Manager der Nationalmannschaft liegen schon an die 15 Jahre zurück, als die Thais fünfmal die SEA-Games gewinnen konnten. Damals gab es eine goldene Generation von Spielern, die einen Großteil der  heutigen Trainergilde Thailands stellt. Nach den umfangreichen Veränderungen, die im weltweiten Fussball in den 90er Jahren stattfanden, war dies auch die letzte Generation Fussballer, die mit einem Freizeitbackground Erfolge auf (südost-)asiatischer Ebene feiern konnte.

Als Kandidat von Chonburi und Buriram das Gegenstück zu Worawi sein zu wollen, war daher einfach zu wenig, zumal er sein Programm mehr oder weniger von einem dritten Mitbewerber abgekupfert hatte. Khun Pinit von der Fangruppierung "Cheerthaipower" hatte sich schon vorher von der Kandidatur zurückgezogen (hinterher war ihm auch die ganze Wahl zuwider, da es viel zu sehr um Politik als um Fussball ging).

Das Nationalteam zu stärken ist im Thai-Fussball sicherlich eine wichtige Aufgabe, aber nur Eliteförderung würde den Bedingungen in Thailand nicht gerecht werden, wo spürbar immer mehr Klubs bzw. Provinzen mit den teilweise geringen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sich nach oben zu arbeiten. Hier hätten Ideen ausgearbeitet werden müssen, wie man regionale Nachwuchs-Leistungszentren einrichten kann, wie regionale Jugendwettbewerbe organisiert werden können und wie man dafür regionale Verbände z.B. nach dem Vorbild der Chonburi FA schafft, die sich auch um Trainer- und Schiedsrichterausbildung kümmern.

Zwar liegt uns das genaue Programm Virach´s nicht vor, doch soweit wir das anderen Publikationen entnehmen konnten, enthielt es merkwürdigerweise nichts zu Futsal und Damenfussball. Obwohl niemand aus diesen beiden Bereichen wahlberechtigt war, ist das bei einem Kandidaten, der von Chonburi unterstützt wird, nur schwer nachvollziehbar. Gerade dort hat Chonburi eigentlich Kernkompetenzen vorzuweisen, man denke nur an Chonburi Bluewave, die erst vor ein paar Wochen den kontinentalen Titel für Klubmannschaften gewinnen konnten.

Als Wahl-Versprechen das Ziel Teilnahme an der Fussball WM 2022 auszugeben, mag zwar beim Mann auf der Straße gut ankommen, ist aber für die Vereine, die vor allem finanzielle und auch anderweitige Unterstützung vom Verband brauchen, höchstens zweitrangig.
Wie auf Pfiff konterte Worawi denn auch gleich, dass es ja auch schon lange sein eigenes Ziel sei, sein Land zur WM zu führen.
Virach´s Aussage „wenn sich der Fussball entwickeln soll, muss man genau das Gegenteil von dem machen, was Worawi macht“ mag zwar richtig sein, ist aber letzten Endes wenig konkret.

Udonpan Jantaraviroj

Chiang Mai Präsident Jantaraviroj
Bild: © thai-fussball.com

Bei all den Verschachtelungen des thailändischen Fussballs mit der Politik (weit über die Hälfte aller Klubs wird von Politikern geführt) ist es natürlich auch fraglich, ob der Verband unter Virach wirklich transparenter geworden wäre. Fraglich ist auch, ob Virach wirklich ein geeigneter Mann gewesen wäre oder doch nur eine Marionette in Händen Newins. Wie dem auch sei, vermutlich hätte es aber die Einführung von Nachwuchsligen gegeben, sowie schrittweise Verbesserungen in der Saison-Planung, damit das Nationalteam endlich seine Länderspiele zu den Fifa-Matchdays bekommt. Wobei man nicht wissen kann, ob sich die TPL, an der Worawi die mehrheitlichen Anteile hält, nicht einer FAT unter Virach gegenüber quergestellt hätte.

Wahlkampf war indes auch bei Worawi kaum zu bemerken. Dafür ist Mr. Mega-Teflon ein Meister der salbungsvollen Worte, verfügt über ein riesiges Netzwerk aus Macht und gegenseitigen Gefälligkeiten und ist wohlvertraut mit Lobbyarbeit. So versprach er den Regionalliga-Klubs, dass er sich beim Sportministerium für höhere jährliche Zuschüsse einsetzen wolle. Davon ab war es thailandtypisch leider auch mehr eine politische Wahl gewesen statt einer Wahl, die sich den Sachzwängen in Fussballfragen unterordnet.

Zwei weitere Jahre Stillstand?

Wenn Worawi so wie bisher weitermacht, muss man auf Veränderungen wahrscheinlich wiederum 2 Jahre warten. Der blanke Hohn am Wahltag für jeden Fan, der sich Veränderungen herbeisehnt, war denn auch die Veröffentlichung der neuen Fifa-Weltrangliste, bei der sich Thailand nur auf Platz 143 wiederfand. Immerhin 9 Plätze besser als im Dezember 2012, wo man die bisher niedrigste Platzierung erreichte, aber auch 100 Plätze schlechter als im September 1998, damals mit Virach als Team Manager.

Auf jeden Fall wird die Zusammensetzung des 72-köpfigen Wahlgremiums nur vorübergehend Bestand haben und dürfte bereits zur nächsten Wahl wieder anders aussehen. In Zukunft sind Schiedsrichter, Futsaler, Fussballfrauen und Beachsoccer aufgefordert, eigene Verbände zu gründen, die dann der FAT unterstellt werden und die dann eigene Wahlleute haben werden.

Und dann fehlt ja auch noch die Anpassung nationaler Sportgesetze, damit der FAT-Vorstand in Zukunft für 4  Jahre gewählt werden kann. Dass es nun wieder nur 2 Jahre sind, lässt immerhin der Hoffnung freien Raum, dass sich in der Zwischenzeit eine starke Opposition bildet, um Worawi 2015 Paroli bieten zu können.

Natürlich kann man spekulieren, was passiert wäre, wenn Chonburi z.B. den unabhängigen Kandidaten Pinit unterstützt hätte, statt den vorbelasteten Virach. Mit so einer Personalie hätte man Stellung beziehen können. Dass man es wirklich ernst meint mit einem Neuanfang, endlich weg will von den alten Seilschaften und wirklich Interesse hat, den Fussball in Thailand zu entwickeln. Solange die Handelnden aber nicht gewillt sind, über ihren Schatten zu springen bleibt solch ein Arrangement leider Utopie. So ließen auch die Listen der beiden Kandidaten für ihr 19-köpfiges Präsidium keinen Zweifel aufkommen, wie sich die beiden Lager die Zukunft vorstellen, denn auf beiden Listen fanden sich fast ausschließlich Politiker und hochgestellte Polizei- und Armeeangehörige wieder.

So bleibt am Ende wieder nur die große Enttäuschung und die sich vertiefende Erkenntnis, dass die Kluft zwischen den einzelnen Gruppierungen im thailändischen Fussball immer größer wird. Außerdem verstärkte sich der Eindruck, dass es wahrscheinlich egal ist, wer die Geschäfte der FAT leitet, weil sich die Thais gegenseitig im Weg stehen und man nicht bereit ist, um ein Miteinander zu ringen und Kompromisse einzugehen. Von daher muss man wohl kein Prophet sein, dass die Fussball-Fans in Thailand wahrscheinlich auch noch in 20 Jahren von der WM-Teilnahme träumen werden.

Worawi wiedergewählt - Zwei weitere Jahre Stillstand?

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