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Winfried Schäfer: Habe Thailand in mein Herz geschlossen

Abseits des Platzes - Interview Winfried Schafer

Winfried Schäfer
Bild: © Thananuwat Srirasant

Unserem ersten Interview mit Thailands Cheftrainer Winfried Schäfer im Juli 2011 folgt nun endlich ein weiteres. Schäfer, anno 2013 mit anderem Hintergrundwissen ausgestattet und nach dem bisher Erlebten, hat sicher eine Menge zu sagen. Über seine Elf und wie er über den Fußball in Thailand denkt.

Nach dem ersten Teil unseres Interviews mit Winfried Schäfer nun der zweite Teil. Dieser kann getrost unabhängig von Teil 1 gelesen werden, doch jeder, der sich dafür interessiert, was der deutsche Nationaltrainer über den Fußball in Thailand und seine Entwicklung denkt, sollte es dennoch nicht versäumen, ihn zu lesen. Im zweiten Teil, der sehr kurzweilig, interessant und auf den Punkt daher kommt, spricht Schäfer darüber, was ihm die Fans in Thailand bedeuten, er zieht einen Vergleich zu seiner Arbeit mit dem Verband in Kamerun und warum er es sich vorstellen kann zu bleiben. Als Trainer in der Thai Premier League.

thai-fussball.com: In den letzten zwei Monaten wurde viel über deinen Vertrag spekuliert und darüber, ob man sich von dir trennt oder nicht. Was genau sagt der Vertrag mit der FAT eigentlich aus bezüglich der Laufzeit? 

Winfried Schäfer: Über Vertragsinhalte möchte ich öffentlich nicht sprechen. Mein Vertrag entspricht in jeder Hinsicht den FIFA Statuten. Ich habe es schon oft gesagt und geschrieben und sage es noch einmal - trotz aller Probleme bin ich sehr, sehr gerne der Nationaltrainer Thailands. Die Arbeit mit den Spielern ist wunderbar und die Menschen Thailands sind fabelhaft. Alleine die Begeisterung der Fans hat mir sehr viel Kraft gegeben. Ich fühle mich sehr wohl und möchte meinen Vertrag erfüllen. Die Laufzeit endet 2014.

thai-fussball.com: Warst du eigentlich im letzten Jahr wirklich kurz vor dem Absprung und wenn ja, welche Rolle haben die Fans gespielt, als du deine Entscheidung getroffen hast zu bleiben?

Winfried Schäfer: Wie ich schon gesagt habe, die Fans spielen hier für mich eine ganz erhebliche Rolle. Ich spüre hier einen Rückhalt und eine Aufbruchsstimmung wie ich es noch nicht kannte. Ich möchte schon alleine deshalb hier bleiben, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir gemeinsam viel, sehr viel erreichen können. Die Fans und wir das Team.

"In afrikanischen Ländern gibt es natürlich auch eine ganz andere Motivation, einen anderen Leistungsdruck."

thai-fussball.com: Was glaubst du ist der Grund, dass der Großteil der Fans offensichtlich hinter dir steht?

Winfried Schäfer: Die Fans sind ja erst einmal Fans des National Teams. Und wir bieten doch anerkennenswerten, ansehnlichen Fußball. Ich muss es noch einmal betonen, im Moment ist die Kritik laut, aber der Suzuki Cup war sehr erfolgreich. Der Titel konnte nicht geholt werden. Aber was haben wir für einen Fußball gesehen? Mitreißend, ehrlich und kampfstark. Ich bin mir sicher, die Fans erkennen sehr genau, ob ehrlich gearbeitet wird und wir arbeiten ehrlich.

Wir geben alles und stemmen uns gegen Widerstände. Ich bin den Fans sehr, sehr dankbar für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung und ich hoffe, dass beides auch damit zusammen hängt, dass die Fans wissen, wie sehr ich Thailand in mein Herz geschlossen habe.

thai-fussball.com: Mit Kamerun gab es viele Probleme wie berichtet wurde, wie bewertest Du das im Vergleich zu Thailand? Die Liga in Kamerun schätzt man als Außenstehender ja auch eher gering ein, warum hat es dort aber Weltstars wie Samual Eto´o und Thailand nicht?

Winfried Schäfer: Der Vergleich ist völlig unpassend. Die Liga Kameruns ist ja nicht entscheidend, entscheidend sind die jungen, wirklich ganz jungen Talente, die ihre Fähigkeiten dann doch meist im europäischen Ausland vervollkommnen. Die großen afrikanischen Spieler sind doch nie lange in ihrer Heimat geblieben sondern früh von europäischen Vereinen verpflichtet worden. In afrikanischen Ländern gibt es natürlich auch eine ganz andere Motivation, einen anderen Leistungsdruck. Dort spielt nahezu jeder kleine Junge Fußball, einfach weil der Sport die eine große Möglichkeit bietet, ein besseres Leben zu leben.

Spieler wie Adebayor, Eto´o, Drogba gehören zu den reichsten Menschen ihrer Heimatländer und das nur, weil sie Fußball spielen konnten und entdeckt wurden. Jeder Junge und jede Familie in Kamerun oder anderen schwarzafrikanischen Ländern weiß das und dementsprechend hat sich eine Fußballkultur entwickelt, die es in asiatischen Ländern so nicht gibt. Was das bewirkt, sieht man ja auch an den afrikanischen Spielern, die hier in der TPL spielen. Das sind keine Weltstars oder herausragende Talente, sondern eher der Durchschnitt dessen, was man in Afrika finden kann. In Ordnung, aber nicht gut genug für Europa.

Charyl Chappuis

Thai-Schweizer: Charyl Chappuis
Bild: © Thananuwat Srirasant

Die Probleme die wir, das Team und ich, mit dem Verband Kameruns hatten waren eher politisch. Organisation und Struktur waren nicht ideal. Aber das wurde dadurch relativiert, dass die meisten Spieler bei top Clubs in Europa spielten. Eine Ähnlichkeit zu Thailand besteht da eigentlich nicht. Beispielweise misstrauten die Spieler dem Verband und auch heute noch gibt es regelmäßig massive Auseinandersetzungen zwischen Spielern und Verband. Meist geht es um ausstehende Prämien etc. Die Spieler fühlen sich ausgenutzt und übervorteilt, vom Verband nicht gut behandelt und gewürdigt. Das gibt es in Thailand nicht.

thai-fussball.com: Wie siehst Du aus heutiger Sicht den Trikot-Streit  mit der FIFA?

Winnie Schäfer: Unsere ärmellosen Trikots … Den Streit habe ich damals nicht verstanden und den verstehe ich noch heute nicht.
Wir sahen prima aus, die Jungs liebten die Trikots und die Leute waren total begeistert. Puma verkaufte niemals wieder so viele Trikots, wir haben Puma zu einer Trendmarke gemacht. Da hätte die FIFA nachsichtig sein können und etwas Mut beweisen können. Ein bisschen Chic ist doch nicht schlecht.

thai-fussball.com: Es hat den Anschein, dass die Thai-Klubs international besser aufgestellt sind als die Nationalmannschaft. Könnte das an den Ausländern liegen? Im AFC Cup haben die Klubs ja mittlerweile keine Probleme mehr, wenigstens ins Viertel- oder Halbfinale zu kommen.

Winfried Schäfer: Gute, charakterstarke Ausländer sind wichtig für jede Liga. Wie eben schon erwähnt, ist es bereichernd, den eigenen Horizont zu erweitern. Die jungen Spieler können von den Ausländern lernen, nicht nur wie man spielt, sondern wie man sich professionell verhält und lebt. Wie gesagt – Charakterstärke ist enorm wichtig. Die Ausländer tragen in jedem Fall viel zum Erfolg im internationalen Geschäft bei. Das lässt sich ja leicht ersehen. Trotzdem denke ich, wir sind auf einem guten Weg, die Nationalspieler so stark zu machen, dass sie den Ausländern langfristig den Rang ablaufen werden.

thai-fussball.com: Was denkst Du über das Probetraining von Teerasil bei Atletico ?

Winfried Schäfer: Ich denke, es war der falsche Zeitpunkt, nach Madrid zu gehen. Nach der strapaziösen Saison und nach dem Suzuki Cup war er müde. Vielleicht war es auch der falsche Verein. Sehr robustes, körperbetontes Spiel. Ich bin aber sicher, dass er das Potenzial hat, in Europa zu spielen. Im Übrigen war es vielleicht auch gut für ihn, mal zu sehen, wie in Europa gearbeitet wird.

thai-fussball.com: Man sagt im Allgemeinen, dass Spieler, die in der TPL spielen wollen, wenigstens das Niveau der dritten deutschen Liga haben sollten. Wie siehst du die Chancen der Neuzugänge bei Buriram (Dennis Buschening, Charyl Chappuis, C. Xaysensourinthone), die in Europa großgeworden sind in Bezug aufs Nationalteam? Was könnten sie dort vielleicht einbringen?

Winfried Schäfer: Ich sehe das positiv. Erst einmal sind neue Eindrücke und Einflüsse immer gut. Es ist immer gut, über den Tellerrand zu schauen und den eigenen Horizont zu erweitern. Außerdem haben sehr, sehr viele Länder hervorragende Erfahrung mit solchen Hintergründen gemacht. Man schaue auf die Leistungsträger in Deutschland, Frankreich, England oder Holland.

"....einen Club zu übernehmen und in zwei Jahren Angst und Schrecken in Asien zu verbreiten.."
thai-fussball.com: Was muss die nächste Stufe in der Entwicklung des Fußballes in Thailand sein, was muss angegangen werden? Welche konkreten Pläne hast Du dafür und wie wurden bisherige Pläne umgesetzt?

Winfried Schäfer: Ohne jeden Zweifel muss eine funktionierende, professionell organisierte Jugendliga her. Am besten eine U14, U16 und U18 Liga, die sinnvoll nach Regionen gegliedert wird, damit die Reisezeiten nicht zu umständlich sind. Sinnvoll wäre es hier, die Schulen mit einzubeziehen, die ja zum Teil eine großartige Arbeit leisten. Man denke nur an das Bangkok Christian College. Mein Team und ich stehen mit Plänen bereit und wir brennen drauf zu helfen, loszulegen, zu gestalten…

thai-fussball.com: Eine Zusammenarbeit mit dem DFB wurde erwähnt. Was für Möglichkeiten gibt es da?

Winfried Schäfer: Mein Sohn hat den ersten Schritt gemacht. Er hat sich mit den Verantwortlichen des DFB getroffen. Man hat sich ausführlich darüber unterhalten, was Thailand braucht und weshalb Thailand für Deutschland sehr, sehr interessant wäre. Uns schwebt eine Partnerschaft vor, wie der DFB sie in diesem Teil der Welt sonst nur mit Japan und China hat. Hauptaugenmerk auf Jugendtrainerausbildung, Hilfe bei Etablierung einer Jugendliga und Schiedsrichterausbildung. Jetzt muss die FAT den Ball aufnehmen. 

thai-fussball.com: Könntest du dir auch, nach dem du so lange hier bist, eine Karriere als Trainer in der TPL vorstellen?

Winfried Schäfer: Darüber habe ich tatsächlich schon ein paar Mal nachgedacht. Das ist ja auch natürlich. Ich habe die Jungs für eine Weile, wir arbeiten gut miteinander, ich sehe was sich entwickelt und dann muss ich sie wieder gehen lassen… Das ist jedes Mal so, als ob man eine Familie auseinander reißt. Außerdem hat man als Nationaltrainer ja nur wenige Spiele. In Thailand besonders wenig…

Die Vorstellung hier zu bleiben, mit meinem Team einen Club zu übernehmen, diesen aufzubauen und in zwei Jahren Angst und Schrecken in Asien zu verbreiten, weil wir Favorit der Champions League sind… das wäre sehr, sehr reizvoll. Dann den ersten Spieler schweren Herzens, aber voller Stolz nach Europa zu verkaufen… Das reizt mich sehr, aber die Bedingungen müssten stimmen und seitdem ich hier bin, weiß ich sehr genau welche Bedingungen.

thai-fussball.com: Vorausblick für die neue Saison. Wer wird Meister?

Winfried Schäfer: Ich denke Muang Thong und Buriram werden darum kämpfen. Ich hoffe, dass noch ein drittes Team mitmischt um das ganze etwas interessanter zu machen. Muang Thong muss sich allerdings nun in der Champions League beweisen. Wenn man so souverän Meister wird, ist der Druck groß und seien wir ehrlich, mit dem Potenzial muss die zweite Phase geschafft werden.


Anmerkung des Autors: Das Gespräch wurde im "Du" geführt was uns von Seiten Herrn Schäfer erlaubt wurde.
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