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WM-Quali: Ausrufezeichen ohne Punkt

Thai Nationalmannschaft

Bild: © thai-fussball.com

Ohne Punkt musste Thailand aus Saudi-Arabien abreisen. Gerechnet hatte damit eigentlich ohnehin jeder. Doch nach den ersten gespielten 90 Minuten der letzten Qualifikationsrunde zur WM in Russland, fühlte man sich eher wie Sarach Yooyen nach Abpfiff.

Weinend und mit hängenden Schultern verlies die Nummer 6 Thailands nach Spielende den Rasen des King-Fahd-Stadions in Riad. Wenige Sekunden zuvor hatte Sarach, nach Schlusspfiff, vom Leiter der Partie seine zweite Gelbe Karte gesehen. Zu vehement waren dem offiziellen aus China wohl die Proteste des enttäuschten Spielers, der die Niederlage mit seinem Foul in der 83. Minute einleitete. 

Bis dahin war Thailand absolut ebenbürtig, kämpfte aufopferungsvoll und hatte sich ein Unentschieden reichlich verdient. Und dies mit einer Tugend, die man den Thais nicht unbedingt zugetraut hätte, die sich aber über die letzten Partien der Nationalmannschaft hinweg bereits andeutete. Nämlich das Verteidigen. Wer die thailändische Liga regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass das Wort "verteidigen" dort, oftmals ein Fremdwort ist.

Auch in den ersten Monaten unter Nationalmannschaftstrainer Kiatisuk Senamuang war dies durchaus gang und gäbe. Ein offensiver Tiki-Taka-Hurrastil stand da auf der Tagesordnung. Dies hat sich inzwischen geändert, und Thailand ist unter Kiatisuk inzwischen durchaus in der Lage gegen stärkere Gegner zu verteidigen. So eben auch am Donnerstag gegen den Favoriten und Gastgeber Saudi-Arabien.

Natürlich muss man festhalten, dass die Hausherren unter Trainer Bert van Marwijk schon auch erschreckend, oder vielleicht auch eher enttäuschend schwach waren. Im Angriff wirkte man teilweise sehr ideenlos, und wenn doch mal was ging, war die gut organisierte Abwehr der Thais da. Große, klare Chancen, hatten die Saudis kaum. Am gefährlichsten waren sie meist nach Ecken.

Zwar konnte Thailand nur selten sein Angriffsspiel durchsetzen, es war aber auch deutlich zu sehen, dass das Hauptaugenmerk auf einer kompakten Defensive lag. Dies aber keineswegs ohne die Offensivbemühungen zu vernachlässigen. Als Erste von beiden Mannschaften hatte Thailand in der 7. Minute sogar einen Torschuss für sich verbuchen können. Im Laufe der Partie konnten die Thais immer wieder Nadelstiche setzen und kamen zu Chancen. Auch wenn das Thai-Tiki-Taka nur in seltenen Fällen im Angriffsdrittel des Gegners wirklich zum tragen kam.

Um die 15. Minute herum kam es zu einem ersten Aufreger. Nach einer Ecke für Thailand stand Teerasil auf Höhe des Elfmeterpunktes im eins zu eins gegen Osama Hawsawi und erwartete die Hereingabe von Teerathon. Mit dem Rücken zum Ball sprang Hawsawi Teerasil frontal an und verhinderte eine Bewegung des thailändischen Stürmers auf den Ball zu. Hier hätten der chinesische Unparteiische und sein Assistent, die beide gute Sicht auf die Situation hatten, durchaus auf Elfmeter entscheiden können.

Nur wenige Minuten später die nächste fragwürdige Situation. Ein langer Ball erreicht Thailands Nummer 10. Begleitet von Osama Hawsawi eilt Teerasil auf den Strafraum zu und wird von Torhüter Yasser Al Mosailem gestoppt. Der thailändische Superstar geht, etwas theatralisch, zu Boden und Al Mosailem erhält die Gelbe. In der Folge gibt es Freistoß für Thailand an der Strafraumgrenze. Nach mehrmaligen betrachten der Szene in Zeitlupe mag man dem Schiedsrichter Fu Ming aus China durchaus rechtgeben. Al Mosailem hatte Teerasil nahezu kaum berührt und konnte den Ball klären. Je nach Kameraperspektive aber, konnte man das Foul entweder auf die Linie des Strafraums oder aber kurz davor verorten.

Beim Stand von 0:0 ging es in die Halbzeitpause. Einziger Schwachpunkt bis dahin war Mongkol von Chiang Rai United, der auch als Erster in der 2. Halbzeit ausgewechselt wurde. Auf seiner rechten Seite blieb er blass und vertändelte oft den Ball. Insgesamt änderte sich, trotz Wechsel in der zweiten Halbzeit nur wenig am Gesamtbild des Spiels. Mal war die eine Seite etwas drückender, mal die andere. Durch einen Kopfball von Teerasil Dangda hatte Thailand am Ende sogar die beste Chance der Partie. Doch Yasser Al Mosailem im Tor der Saudis tauchte gerade noch rechtzeitig ab.

Und dann. Dann kam die 83. Minute. Fahad Al-Muwallad dringt in den Strafraum ein, wodurch nicht wirklich eine gefährliche Situation entsteht. Im selben Moment sieht man Sarach Yooyen, wie er sich auf seinen Gegenspieler zubewegt, und denkt sich: Nein, tu es nicht. Dann war es auch schon zu spät. Unglücklich trifft er im Zweikampf das Standbein seines Gegenspielers. Elfmeter. Die Folgen sind bekannt.

Bemerkenswert, im gesamten Spiel, einschließlich des Elfmeters, hatte Thailand nur 2, respektive 4 Fouls zu verzeichnen. Je nachdem, welche Statistik man bemüht. Dennoch ein beachtenswerter Wert, den Jogi Löw sehr feiern würde. Umso trauriger aber, wenn eben eines der wenigen Fouls im Spiel, am Ende spielentscheidend ist. Aber so ist Sport, und so ist Fußball.

Trotz der Niederlage und der Tränen von Sarach Yooyen, konnte Thailand erhobenen Hauptes den Rückweg in die Heimat antreten. Ein gefühltes Unentschieden ist mehr als, was man erwarten konnte. Ein Ausrufezeichen ohne Punkt, dass in Asien nicht unbemerkt bleiben werden wird.
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