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Trotz Niederlage gegen Norwegen; guter Auftakt zur WM

Frauen-WM 2015 Waraporn Boonsing

Spielerin des Spiels: Boonsing
Bild: © thai-fussball.com

Das erste Spiel einer thailändischen Frauenmannschaft bei einer Fußball-WM ist Geschichte. Mit 0:4 unterlag Thailand am Sonntagabend gegen den Vize-Europameister aus Norwegen. Und zog sich dabei am Ende besser aus der Affäre als angenommen.

Wie erwartet schickte Thailands Trainerin Nuengruethai Sathongwien eine sehr defensive Formation aufs Feld mit der es hauptsächlich darum ging die Anzahl der Gegentore in Grenzen zu halten, und vorne mit der schnellen Kanjana, den ein oder anderen, Nadelstich zu setzen. Am Ende wurden es gar ein paar Nadelstiche mehr als zu erwarten waren und Thailand hätte durchaus auch ein Tor erzielen können.
Nationalhymnen vor einem Spiel bei einer WM oder EM sind ja durchaus immer etwas Besonderes. Erhabenes. Ein besonderer Moment. Der Moment am Sonntag, als die "Phleng Chat Thai" zum ersten Mal bei einer Fussball-WM erklang war dies auch. Und mehr. Wer in die Gesichter mit einem seligen Lächeln der 11 Spielerinnen blickte, konnte förmlich spüren, wie sie vor Stolz fast zerplatzt wären. Und dabei wird mancher Mannschaft ja schon mal nachgesagt nicht gewinnen zu wollen, wenn sie die Hymne nicht mitsingt.

Und so wie Thailänderinnen bei der Hymne vor Energie und Stolz trotzten so gingen sie auch ins Spiel. Sie ließen den Gegner kommen, standen hinten sicher, gingen in jeden Zweikampf und lauerten auf gute Gelegenheiten zum Konter. Nach fünf Minuten hatte man schon fast, und unerwartet, den ersten Torschrei auf den Lippen.

Thailands Starlet Intamee die im defensiven Mittelfeld spielte, fing einen Pass tief in der eigenen Hälfte ab, passte weiter auf Kanjana, die ihrerseits die erfahrene Nora Holstad düpierte und mit ihrer Schnelligkeit an der Linie einfach mal bis in den Strafraum davonzog. Interessant: Intamee hatte unmittelbar nach Ballabgabe an Kanjana sofort zum Spurt über 50 Meter bis in den Strafraum angesetzt. Dort erreichte sie den Pass ihrer Mitspielerin, vermochte den Ball aber nicht zu kontrollieren und einen Schuss aufs Tor von Hjelmseth zubringen. Hätte an ihrer Stelle Nisa Romyen gestanden, die auf der Bank saß - wer weiß. Aber alleine das fast blinde Vertrauen in die Schnelligkeit von Kanaja, das Intamee offensichtlich voraussetzte, war bemerkenswert.

Drei Minuten später hatte Thailand einen weiteren Torschuss zuverzeichnen. Es sollte der Letzte für eine längere Zeit sein. Etwa ab der 10. Minute fand Norwegen besser in sein Spiel und Thailand hatte erst mal nicht mehr ganz so viel Raum. Und Raum ist, was Thailand für sein Spiel braucht.

Durch eine Standardsituation gingen die Norwegerinnen nach 15 Minuten in Führung. An dem Freistoß von Kapitänin Trine Rønning gab es für Boonsing kaum etwas zu halten. Die Mauer, und insbesondere Pikul Khueanpet, hätten hier gerne etwas Luft zwischen ihre Füße und dem Kunstrasen bringen dürfen. So senkte sich der Ball an Boonsing vorbei ins Tor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Thailand immerhin 60% der Zweikämpfe für sich entscheiden können. Selten galant, oft im für Thailands Frauen typischen Stil, aber durchaus effektiv.

Die bis dahin vielbeinig agierende Abwehr der Thais vermochte dann aber in der 29. Minute das Gegentor von Herlovsen nicht zuverhindern. Fünf Minuten später war es erneut Herlovsen, diesmal per Kopf, die auf 3:0 erhöhte. Das stetige Bearbeiten der linken Seite Thailands machte sich hier bezahlt. Mit drei Toren Rückstand ging es in die Kabine und es war erneut Thailand, das gleich nach der Pause eine gute Gelegenheit hatte. Doch der Schuß von Kanjana landete in den Armen von Hjelmseth. Ein weiterer Fernschuss (58.) markierte den nächsten Schussversuch auf das Tor Norwegens. Diesmal aber nach einer kurz ausgeführten Ecke.

Bei einem Konter Norwegens in der 56. Minute, der fast zu einem weiteren Treffer geführt hätte, zeigte sich, dass Sunisa Srangthaisong auf der linken Abwehrseite nicht die schnellste ist.

In der 75. folgte dann der Auftritt von Waraporn Boonsing. Nach einem Handspiel von Kapitän Sritala im Strafraum parierte Boonsing mit Bravour den Elfmeter von Mjelde. Es war der erste verschossene Elfmeter einer norwegischen Elf bei einer WM. Thailands Torhüterin krönte damit ihre, über das gesamte Spiel hinweg, mehr als gute Leistung. Oft von uns gescholten für ihre Leistungen muss man ihr für die Partie ein großes Lob aussprechen. Sie agierte konsequent, sicher und selbstbewusst. An allen vier Toren traf sie nicht wirklich Schuld. Überhaupt kann man der gesamten Mannschaft kaum einen Vorwurf an den Gegentreffern machen. Wie auch an dem toll herausgespielten Treffer in der 68. zum 4:0-Endstand.

Wer dachte Thailand würde sich jetzt aufgeben hatte weit gefehlt. In den letzten 5-10 Minuten der Begegnung drehte Thailand noch mal auf. Etwas was die Elf immer auszeichnet: Egal wie hoch man in Rückstand ist, bis zum Ende sucht man die Chance auf einen Treffer. Und so klang die Partie mit einem Lattentreffer der ehemaligen Kapitänin der Futsal-Nationalelf, Srimanee, und einem weiteren Distanzschuss kurz vor Abpfiff aus.

Vor der WM war die Rede davon, dass sich Thailand so teuer wie möglich verkaufen wolle. Nach der ersten Partie muss man festhalten, dass das Versprechen gehalten wurde. Das Ergebnis gegen die Elf von Pallerud fiel niedriger aus als erwartet. Nicht zuletzt wegen des unermüdlichen Einsatzes aller Spielerinnen und einer Mannschaft, die als Einheit auftrat. Immer wieder störte man Norwegen im letzten Angriffsdrittel erfolgreich und versuchte sich spielerisch nach vorne zuarbeiten.

Bei seinem ersten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft hat Thailand, das im Rahmen seiner Möglichkeiten, Beste getan. Natürlich sollte man auch berücksichtigen, dass bei Norwegen teilweise noch Sand im Getriebe war und das Ergebnis hätte höher ausfallen können. Das wollen wir hier nicht verschweigen.

Was an manchen Stellen im Spiel der Thais auffiel, dass man Probleme hatte, die Bewegungen des Gegners zu antizipieren. Das verwundert aber auch nicht weiter, wenn man fast ständig nur gegen die gleichen Gegner aus Südostasien aufläuft und deren Spielweise gewohnt ist. Die Europatour der Elf Thailands ist immerhin auch schon wieder ein paar Monate her und zuletzt traf man bei der AFF-Meisterschaft schon wieder auf drei Teams aus der Region.

Auf die Leistung gegen die Skandinavierinnen aber lässt sich aufbauen und wir sind gespannt, in welcher Form und Formation Thailand gegen die Elfenbeinküste am Freitag auflaufen wird. Offensiv? Oder doch eher wieder defensiv kompakt? Wir werden es bald wissen.
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