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Tony über Fussball in Palästina

Abseits des Platzes - Interview
Nur noch wenige Stunden bis zum ersten Qualifikationsspiel von Thailand zur WM 2014. In den beiden Partien gegen Palästina geht es um den Einzug in die nächste Runde.

Über den Fussball und die Nationalelf Palästinas ist nur wenig bekannt. Doch gibt es einen Deutschen Jungen welcher in einem Blog über den Fussball und die Nationalmannschaft berichtet. Um etwas mehr über den Gegner Thailands zu erfahren, haben wir uns mit ihm zu einem Gespräch verabredet. Dabei verrät er uns mehr über die Probleme, mit denen die Nationalspieler zu kämpfen haben.

thai-fussball.de: Tony, kannst du uns kurz etwas über dich erzählen?

Tony:
Ich bin Tony, 17 Jahre alt. Ich lebe in Dortmund und besuche momentan die 12. Klasse eines Gymnasiums. Ursprünglich stammen meine beiden Elternteile aus Palästina.

thai-fussball.de: Bist Du BVB-Fan?

Tony:
Nein, Schalke.

thai-fussball.de: Echt jetzt?

Tony:
Ja.

thai-fussball.de: Manche halten uns von thai-fussball.de ja schon für verrückt, aber wie bitte kommt man darauf einen Blog über den Fussball in Palästina zu betreiben?

Tony: Ich selbst habe vor einiger Zeit noch verzweifelt nach Informationen zum palästinensischen Fußball gesucht und geriet schnell an meine Grenzen, da ich die arabische Schriftsprache nicht beherrsche. Ich kam letztlich anderweitig an Informationen und dachte mir, ich teile diese mit allen Interessierten. Ich habe außerdem gehofft, Leute für den Fußball in Palästina begeistern zu können und auf die miserable Situation aufmerksam machen zu können, die beispielsweise bei Ein- und Ausreisen der Nationalspieler herrscht.

thai-fussball.de: Ersteres kommt mir sehr bekannt vor und Letzteres ebenso. Es ist ja sicher nicht nur eine Belastung für eure Spieler sonder auch für den Gegner. Thailand wird vermutlich ungefähr 24 Stunden unterwegs sein. Die strapaziöse Anreise des Gegners ist als nicht nur ein Vorteil für euch?

Tony: Für unsere Spieler herrschen ja noch schlimmere Verhältnisse. Sofern sie nicht im Gebiet wohnen, indem gespielt wird. Beim Auswärtsspiel unsererseits wird Thailand den Vorteil haben, dass es bei den Palästinensern noch länger dauern wird, anzureisen. Da man erst Probleme mit den Israelis haben wird und dann noch die Reise nach Thailand antreten muss. Außerdem ist nicht sicher, ob alle Spieler auch in Thailand ankommen, so wurde z.B. einer unserer Spieler beim Qualifikationsspiel in Runde eins nicht nach Afghanistan gelassen. Beim Heimspiel werden manche Spieler außerdem sicher auch bei der Einreise festgehalten werden. Einzig unsere Legionäre werden eine vergleichbare Reise nach Thailand antreten wie die Thailänder nach Palästina.

thai-fussball.de:
Wo spielen denn eure Legionäre? Zumindest die, welche dabei sind?

Tony:
Unser bester Mann, Imad Zatara durfte nicht mitreisen. Ansonsten spielt Omar Jarun, der dabei ist, bei Arka Gydnia in der zweiten polnischen Liga. Außerdem dabei ist Mohammed Samara, der bei den Arab Contractors in der ersten ägyptischen Liga spielt. Die anderen Legionäre sind alle nicht mitgereist. Abujazr, einer unserer Spieler, durfte scheinbar nicht nach Dubai reisen, wo wir unser Trainingslager abhielten. Auf seine Ankunft wartet man derzeit in Thailand. Nähere Informationen gab es allerdings noch nicht.

thai-fussball.de:
Winfried Schäfer rechnet mit einer schweren Partie für uns. Zwar haben wir nach Elfmeterschießen das Spiel in der Olympiaqualifikation gewonnen, doch Ihr habt den Sieg am grünen Tisch zugesprochen bekommen. Wie siehst Du eure Chancen und wie viele der U-23 Spieler aus der Partie werden jetzt dabei sein?

Tony: Ursprünglich nominiert waren 5 Spieler aus dem Olympia-Kader, welcher letztlich ganz bitter an Bahrain scheiterte. Allerdings wurde der Kader nach dem Trainingslager um 6 Spieler verkleinert, wovon zwei Spieler dem Olympia-Kader enstammen. Das waren Abuhabeeb, der Spieler der Saison (West Bank Premier League) sowie Khaled Salem, der Goalgetter des Olympia-Kaders. Unsere Chancen stehen meiner Meinung nach gar nicht so schlecht. Es ist eine klare fortschrittliche Entwicklung zu erkennen. Es geht bergauf mit dem palästinensischen Fußball. Zwar fehlen eine Reihe extrem wichtiger Spieler, wie beispielsweise unser Torwart und Kapitän Ramzi Saleh da er noch nicht wieder fit ist, oder unsere Legionäre (Zatara, Bishara, Keshkesh etc.), aber der jetzige Kader sollte in der Lage sein, die Thais zu schlagen.

thai-fussball.de:
Könnte der Kunstrasen im Faisal-Al-Husseini-International-Stadion ein Vorteil für euch sein?

Tony: Ich schätze nicht, denn unser Team hat kaum dort gespielt.

thai-fussball.de: Welche Taktik bevorzugt euer Trainer und auf welchen Spieler sollte man deiner Meinung nach besonders achten?

Tony: Man wird sehen, wie Trainer Bezaz taktisch vorgehen wird. Man wartet noch ab, ob unser fehlender Verteidiger, Abujazr, noch eintreffen wird, und dann wird man entscheiden, wie man auftritt. Besonders aufpassen sollte man wohl auf Murad Alyan, der eine hervorragende Torquote vorweist. In bisher 5 Spielen traf er 5 Mal.

thai-fussball.de: Es gibt auch einen englischen Blog über den palästinensischen Fussball, mit dem hast du aber nichts tun oder?

Tony: Das ist sozusagen unsere Partnerseite. Ab und zu werden Informationen ausgetauscht. Die sind etwas näher am Geschehen dran als ich.

thai-fussball.de: Das Qualispiel für Olympia war das erste offizielle Spiel im Faisal-Al-Husseini-International-Stadion für Palästina. Wie wichtig war, oder ist das für euch? Welche Bedeutung hat es für euch?

Tony: Das war ein wichtiger Schritt für dieses Land. Endlich wurde ein Pflichtspiel auf eigenem Boden ausgetragen. Der Verband ist seit 1998 offizielles Mitglied der FIFA, konnte aber nie daheim spielen. Natürlich geriet der Fußball im eigenen Land so etwas ins Abseits. Außerdem hatte man bei Spielen keinen Heimvorteil und war auf andere Länder angewiesen.

thai-fussball.de: Ohne zu politisch zu werden, könntest Du Dir ein Spiel zwischen Israel und Palästina vorstellen?

Tony: Grundsätzlich schon, allerdings würde es sicherlich zu Ausschreitungen kommen, würde es nicht auf neutralem Boden stattfinden. In der israelischen Liga werden Palästinenser beispielsweise gnadenlos ausgepfiffen. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist angespannt, auch im Fußball.

thai-fussball.de:
Sehr schade eigentlich bedenkt man dass Fussball auch verbinden kann.

Tony: Eben, aber da von israelischer Seite versucht wird, den palästinensischen Fußball zu behindern, ist hier genau das Gegenteil der Fall. Es ist schade, dass dies so ist und das auch vonseiten der FIFA nichts unternommen wird.

thai-fussball.de: Abschließend, wie lautet Dein Tipp für die beiden Spiele?

Tony: Ich tippe mal ganz euphorisch auswärts auf ein 1:1 und dann auf einen 2:0 Heimsieg der Palästinenser.

thai-fussball.de:
Da wir Winnie gerne noch etwas länger hätten, verstehst Du sicherlich, das wir auf einen anderen Ausgang hoffen.

Tony: Selbstverständlich. Auf zwei spannende, faire Spiele! Möge der Bessere gewinnen.

thai-fussball.de: So ist es. Vielen Dank Tony. Vor allem für den kleinen Einblick in die Probleme des Fussballs in Palästina.

Tony: Gerne doch!

Tony über Fussball in Palästina

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