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Thailands schmaler Grad zwischen Historie und Blamage

Frauen-WM 2015 Thailand vs Papua-Neuguinea (März 2015)

Thailand vs Papua-Neuguinea
Bild: © thai-fussball.com

Nur noch wenige Stunden sind es bis zu Thailands geschichtsträchtigem Auftritt bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der erste Gegner wird Norwegen sein, gefolgt von dem so wichtigen Spiel gegen die Elfenbeinküste. Das dritte und letzte Gruppenspiel findet dann am 15. Juni gegen Deutschland statt.

Druck? Nein. Den hat Thailand wirklich nicht. Die Spielerinnen um Trainerin Sathongwien haben in den letzten Jahren alles erreicht, was im Rahmen des Möglichen ist und mit der Teilnahme an der WM in Kanada, dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Der - immer noch - amtierende Gewinner der SEA-Games und frischgebackene Südostasienmeister hatte eine durchwachsene Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft an deren Anfang die  0:7-Niederlage gegen die Niederlande im Februar stand, und am Ende der Gewinn der AFF-Meisterschaft im Mai.

Dazwischen gab es Licht und Schatten. Es konnte eigentlich fast nur auf dem Kunstrasen des LEO-Stadions von Bangkok Glass trainiert werden, der aber mit jenen in Kanada nicht wirklich viel zu tun hat. Es gab zwei Testspiele gegen Papua-Neuguinea, welche beide klar gewonnen werden konnten, und die Elfenbeinküste simulieren sollten. Dazu noch eine Partie gegen Myanmar im Vorfeld der AFF-Meisterschaft. Doch das war es dann auch schon an offiziellen Testspielen. Etwas mehr wäre hier sicherlich wünschenswert gewesen. Verglichen mit den meisten Teilnehmern der WM ist dies doch eher dürftig. Trotz eines 4-wöchigen Trainingslagers in den Niederlanden und dem Turnier um die Krone Südostasiens.

Vor allem, und nicht zuletzt, um die zu erwartenden Ergebnisse zum Auftakt gegen den Weltmeister von 1995, Norwegen, und gegen die aktuelle Nummer 1 der Welt, Deutschland, zum Abschluss der Gruppenphase wenigstens in halbwegs erträglichem Rahmen zu halten. Dass Thailand sich anzupassen weiß, haben sie mit dem 2:1-Sieg gegen die SGS Essen gezeigt. Aber man muss natürlich auch ständig auf so einem Niveau testen. Da hilft es auch nicht, mal aller Nase lang bei den Asienmeisterschaften gegen Gegner wie China oder dem amtierenden Weltmeister Japan anzutreten.

Und so wird sich Thailand zwar versuchen teuer zuverkaufen. Ohne großen Druck. Aber eine hohe Niederlage gegen Norwegen und eine noch wesentlich höhere gegen Deutschland, werden Fans und Mannschaft ertragen müssen. Das Problem dabei, Thailand muss aufpassen, dass es dabei nicht zur Lachnummer der WM verkommt. Die Deustchen mit Popp, Sasic und Leupolz, sofern sie denn gegen Thailand auflaufen, werden aus der Abwehr und mit Boonsing im Tor - ohne Federlesen - Hackfleisch machen.

So toll Erfolge wie in der Vorbereitung gegen Essen auch sein mögen. Eine Fußball-WM ist noch einmal ein ganz anderes Level. So wird man dann vermeintlich auch zu hören bekommen, dass Thailand nichts bei einer Frauen-WM zu suchen hat. Dies mag in Anbetracht der zu erwartenden Resultate dann auch nicht weiter verwundern. Und dies, obwohl Thailand aktuell auf Platz 29 der Weltrangliste steht. Doch, wenn sich einem schon Mal in Abwesenheit von Nordkorea die Chance bietet sich zu qualifizieren? Hätten die Damen dann einfach sagen sollen: "Och nö lass mal"?

Immerhin gilt es am Freitag dem 12. Juni das Eigentliche, das Wichtigste, Spiel zu bestreiten. Nämlich das gegen die Elfenbeinküste. Problem an der Sache. Niemand weiß sie so wirklich einzuschätzen. Legt man nur die Weltrangliste zugrunde, könnte es für die Thais ein Leichtes werden. Doch die Elfenbeinküste scheint physisch sehr stark und die Spielerinnen extrem schnell. Mit Trainerin Clementine Toure hat man zudem jemanden auf dem Chefsessel, die vor 4 Jahren bereits Äquatorialguinea zur WM in Deutschland geführt hatte.

Allerdings lief die Vorbereitung, wohl auch aus finanziellen Gründen, alles andere als optimal und noch wesentlich schlechter als bei Thailand. So steht nur ein einziges, offizielles Länderspiel seit der Afrikameisterschaft 2014 (die auch als Quali zur WM galt) zu buche. Gegen WM-Teilnehmer Kamerun verlor man im Mai zuletzt 2:3.

Ein Tor für den Asienmeister von 1983 gegen die Elfenbeinküste wäre natürlich historisch. 3 Punkte gar ein Traum. Und wer weiß. Vielleicht springt am Ende für Sritala und Co. doch ein Platz im Achtelfinale heraus. Als eine der besten drittplatzierten Mannschaften. Aber egal wie es auch für Thailand kommen wird. Wir werden es sportlich nehmen und uns auf jedes Spiel und über jede positive Aktion der Thais freuen. Auf einen Ritt zwischen möglicher Blamage, und einem historischen Auftritt.
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