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Teil 2: Mit Muang Thong Big in Japan - Tokyo rockt!

Abseits des Platzes - Report Saitama-Stadion

Im Saitama-Stadion
Bild: © thai-fussball.com

Einer unser Autoren machte sich im März auf nach Japan um das Erste große Auswärtsabenteuer seines Klubs Muang Thong United in der AFC Champions League zu begleiten. Hier ist nun der zweite Teil seines Reiseberichts.

Der zweite Tag sollte endlich das seit 3 Monaten erwartete Spiel gegen Urawa bringen. Vorher machte ich mich aber nach Shimokitazawa auf, einem unter jungen Japanern, die alternativen Lifestyle lieben und sich nicht die teuren Mieten in der City leisten können, angesagten Viertel. Da es warm war, konnte man in den Cafés hinter Plastikplanen in der Sonne sitzen, also fast wie Open Air.

Die Gassen waren viel weniger von Schaulustigen belagert, wie noch tags zuvor in Harajuku und luden zum längeren Verweilen ein, aber nach Nudelsuppe und Kaffee wurde es langsam Zeit, sich nach Saitama aufzumachen. Die Fahrt dauerte ca. 1 Stunde und mein Herz schlug gleich höher, als ich die ersten Urawa-Fans mit roten Schals und roten Shirts in den Zug steigen sah. Jawohl, hier war ich richtig.

Gleich am Bahnhof gab es zwei Fan-Shops von Urawa sowie einen vom kleineren Nachbarklub Omiya Ardija, deren Spitzname wie bei Roi Et United „The Squirrels“ ist und von denen sich auch einige Supporter mit in unseren Fanblock gesellten. Der Weg zum Stadion, das für die WM 2002 gebaut worden war, zog sich allerdings ein ganzes Stück, aufgelockert von beeindruckenden Fotos verschiedener Urawa-Fan-Choreographien. Am Stadion hatten es sich schon an die 20 MTU-Fans bequem gemacht und wir begrüßten einander per Handschlag. Jeder war froh, den anderen zu sehen. Das Einsingen aufs Spiel ging denn auch schon lange vor dem Spiel vorm Stadion los, als die Fans eintrafen, die die vom Klub organisierte Reise gebucht hatten. Das ganze bekamen auch schnell die Pressefotografen mit und so gab es zum Gesang noch eine fast 30-minütige Fotosession.

Insgesamt dürften wir um die 80 Fans gewesen sein, darunter ein paar Japaner sowie Thais, die in Japan arbeiten. Da wir wussten, dass die Urawa-Fans von Zeit zu Zeit aufhören zu singen, waren wir natürlich ganz besonders motiviert, MTU wie gewohnt über 90 Minuten anzufeuern und legten nochmal 100% drauf, wenn wir hörten, dass es auf der Gegenseite ruhig wurde. Muang Thongs Stürmer Roland Linz meinte denn auch ein paar Tage später, dass er uns sehr wohl auf dem Platz gehört hätte.

Für die Gesänge waren zwei Leute mit Megaphonen dabei. Einer stand zwischen den Sitzreihen auf einer kleinen Mini-Leiter, um nicht auf den Klapp-Sitzen stehen zu müssen, was dem etwas älteren Security-Männeken direkt neben uns gar nicht gefiel. Vielleicht hätten wir ja ein rotes Warnhütchen danebenstellen sollen... Jedenfalls einigte man sich und die Leiter durfte weiterhin benutzt werden Was hätten die Sicherheits-Leute auch machen sollen?

Trotzdem wir also manchmal im ganzen Stadion zu hören waren, war es aber auch beeindruckend, das wehende Fahnenmeer auf der Urawa-Seite zu sehen, wenn die Japaner ins Tor trafen, wozu wir bei 4 Gegentoren reichlich Gelegenheit hatten. Ich für meinen Teil war schließlich mit dem Ehrentreffer zum 1:4 zufrieden, konnten wir doch dann den Urawa-Fans mal den Poznan vorführen.

Auch das Stadion war mal was anderes, als die anonsten doch eher heruntergekommenen Stadien in Thailand, an die ich mich mittlerweile so sehr gewöhnt habe. Keine Stolperfallen rings ums Stadion, weiträumig war alles übersichtlich ausgeschildert, die Toiletten sauber und quantitativ ausreichend. Auch drin war alles pikobello. Beim Rasen musste man zweimal hinschauen, dass es Naturrasen ist, so extrem gut sah der aus. Einzig die Ränge fand ich nicht so gelungen, da sie zu flach sind. Steilere Ränge find ich wesentlich besser, da dann auch die hinteren Reihen näher am Geschehen dran sind. Da das Stadion aber ein reines Fussball-Stadion ist, also ohne Laufbahn auskommt, ist das noch zu entschuldigen. Dafür gibt es zwei riesige Bildschirme, auf denen man auch aus 150 Metern alles lupenrein erkennen kann, wenn das Spiel mitläuft.

Fußball Museeum in Japan

Das Fußball Museeum in Japan
Bild: © thai-fussball.com

Am Tag darauf gingen mir dann die Ideen zum Sightseeing schon fast aus. Zwar hätte ich gerne mal den Fuji gesehen, war mir aber nicht sicher, ob man z.B. vom Tokyo Tower aus eine gute Sicht auf den heiligen Berg hat. Stattdessen fuhr ich in den Stadteil Yanaka, wo es nette Künstler-Cafés geben sollte. Allerdings ließ ich diese aus und beschloss nach einer Friedhofsbesichtigung das „Museum of Western Art“ zu besuchen, was sich als absoluter Fehler herausstellen sollte.

Statt der erwarteten neueren europäischen Kunst gab es bis auf 7 oder 8 Werke von Picasso, Renoir etc. nur alte Breughel oder Cranach und viele mir unbekannte Künstler vornehmlich der Renaissance und die dann alle auch nur mit ihren, zumindest nach meinem Dafürhalten, zweit- oder drittklassigen Werken. Viele kannte ich zudem auch noch zum Teil aus meiner Kindheit vom Kunstunterricht. Also machte ich, dass ich schnellstens wieder rauskam. Die Tate in London oder auch der Louvre sagen mir da wesentlich mehr zu… In Tokyo sollte man sich für neuere Kunst eher die Museen und Galerien nördlich vom Kaiserpalast vornehmen.

Anschließend musste erstmals mein kleiner, kostenloser Stadtplan herhalten, wo es als nächstes hingehen könnte und dabei strich mein Auge wie zufällig über das Wort „Football“… Das ganze ergab „Japan Football Museum“ - ein Wink der Vorsehung?
Der Punkt auf der Karte war auch nur 2 Wohnviertel von der nächsten S-Bahn-Station entfernt und also gut zu Fuß erreichbar. Das Museum ist in einem 11-stöckigen Bürogebäude untergebracht, wo auch der japanische Fussball-Verband sein zu Hause hat. Kein Vergleich zum Thai-Verband, der in ein paar in die Jahre gekommenen, viel zu engen Räumlichkeiten am Supachalasai-Stadion „residiert“.


Schon der Eingangsbereich macht gleich etwas her, mit richtigem Empfang und so und Hinweisschildern, in welcher Etage was zu finden sei. Der Weg zum Museum im Untergeschoss führte an einem gut sortierten Shop vorbei, in dem man Trikots von J-League-Teams kaufen kann sowie verschiedene Souvenirs des Nationalteams vom Trikot bis hin zu Spielkarten. Noch bevor es ins Museum ging, gab es außerdem eine ganze Wand voller Devotionalien japanischer Klubs sowie Fußprints und Unterschriften berühmter japanischer Spieler.

Gleich an einer der ersten Tafeln im Museum hängt eine Widmung von Sepp Blatter, beginnend mit der typischen Blatter-Anrede „My dear friends“, wobei ich direkt mit Grinsen anfangen musste…

Das Museum ist vor allem geschmückt mit Erinnerungsstücken von der WM 2002, was etwa ein Drittel der ganzen Ausstellung ausmachen dürfte. Neben signierten Trikots, Mannschaftsaufstellungen und Bildern von erinnerungswürdigen Momenten, gibt es in einer Vitrine auch ein Stück Rasen vom Finalspiel. Leider nimmt die historische Sektion keinen allzu großen Platz ein, andererseits hat Japan vor Einführung der J-League auch keine nennenswerte Historie vorzuweisen. Dennoch gibt es zum Beispiel umfangreiche Fotobände mit den Reisen zu den Far East Asian Games in Manila 1934, wo man noch mit Dampfer unterwegs war, oder zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936.

Neben der J-League und dem Futsal-Team Japans wird auch den japanischen Fußball-Damen mit einem Extra-Raum gehuldigt. Neben Origamis, den Papierkranichen, finden sich auch Grüße und Wünsche von Japanern an ihre Spielerinnen zur WM 2011 in Deutschland, als man erstmals Weltmeister werden konnte. Recht groß sind die beiden Trophäen-Schränke im Museum, doch speziell in ersterem befinden sich hauptsächlich Fair-Play-Pokale von verschiedenen Weltmeisterschaften. Einen eigenen Platz nimmt natürlich auch der Weltpokal für Klubmannschaften (bzw. mittlerweile die FIFA Klub-WM) ein, der seit 1980 in Tokyo ausgetragen wird und durch den ich schon in der Kindheit mit Namen wie Flamengo, Santos oder Boca Juniors vertraut wurde.

Ganz am Ende der Ausstellung gibt es außerdem eine Hall of Fame. Als einziger Nichtjapaner neben dem englischen Diplomaten William Haigh, ist dort auch der Name von Dettmar Cramer verewigt, der durch sein Engagement Anfang der 60er Jahre den modernen Fussball in Japan ganz entscheidend beeinflusst hat. Draußen in der Vorhalle angekommen, beginnt gerade noch einmal das Spiel vom Vorabend in einer Aufzeichnung, aber bevor es Abend wird, will ich lieber noch einmal nach Shibuya. Dort entdecke ich den mehrstöckigen offiziellen Store der UEFA Champions League, in dem es neben Trikots und Schals ebenfalls zahlreiche Ausstellungstücke gibt, wie einen signierten Schlips von Zidane oder signierte Schuhe von Ronaldo und Rooney.

Dettmar Cramer Relief im Museum

Dettmar Cramer Relief im Museum
Bild: © thai-fussball.com

Bevor es am nächsten Abend zurückgeht, nutze ich den Tag dann noch für einen Ausflug nach Akihabara, was gar nicht weit weg vom Fussball-Museum ist. Dort befindet sich die Elektronik-Meile von Tokyo sowie riesige Sex-Shops und der Stadtteil ist auch die erste Anlaufstelle für Manga-/Anime-Fans. Passend zum Schulmädchenschlüpfer, der genau in Augenhöhe im erstbesten dieser Manga-Shops, in den ich rein stolpere, aufgespannt ist, gibt es natürlich auch die entsprechenden Comic-Heftchen. Auf den Straßen dort sieht man außerdem viele junge Mädchen in Cosplay-Kleidung, die Werbung für Maid-Cafés machen, wo die meist niedlichen Bedienungen in Dienstmädchen-Kleidung herumlaufen. Wer das „crazy Japan“ kennenlernen will ist in Akiba genau richtig…

Zurück in Shibuya macht dann mein Herz noch einen Hüpfer, denn auf einem Programmhaft entdecke ich meine japanische Lieblingsband Guitar Wolf, die ausgerechnet an diesem Abend ein Konzert gibt. Meine Synapsen sausen sofort per Kavalierstart auf Highspeed, wie ich das mit meinem Abflug noch bewerkstelligen kann, doch 2 Minuten später erklärt mir jemand, dass das Konzert ganz unten im Süden Japans stattfindet.

Nach 4 großartigen Tagen bleibt mir nur zu hoffen, dass Muang Thong nächstes Jahr erneut in der Championsleague spielt und erneut ein Team aus Tokyo zugelost bekommt, denn die Stadt ist allemal einen Trip wert und die Kneipen und Bars im Stadtteil Roppongi wollen ja auch noch erkundet werden...

Tokyo ich komm wieder.


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