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Tapferes Thailand verliert 0:4 gegen Deutschland

Frauen-WM 2015 Melanie Leupolz

Melanie Leupolz
Bild: © thai-fussball.com

Am Ende stand es zwar 0:4 für Deutschland. Aber eben auch nur. Wie schon gegen Norwegen zeigte Thailand noch einmal seine Krallen und ärgerte das vermeintlich beste Team der Welt und seine Trainerin Neid so gut und so lang es eben ging. Und das war immerhin fast eine knappe Stunde lang.

Silvia Neid hatte ihre Mannschaft gleich auf sieben Positionen verändert. Um Spielerinnen eine Pause zu gönnen und jungen Spielerinnen eine Chance zu geben. Die Aufstellung beinhaltete dennoch eine Menge an Qualität. Und wenn Deutschland mal eben sieben Spielerinnen austauscht, ist das qualitativ immer noch eine andere Hausnummer, als wenn Thailand dies machen würde.

Taktisch gesehen trat Thailand diesmal sogar etwas offensiver auf als zum Beispiele noch gegen Norwegen. Neben Kanjana Sungngoen als einzige echte Spitze agierte Doppeltorschützin Srimanee direkt hinter ihr als, Halbspitze, wenn man so will. Hinten machte Thailand dicht mit zwei 4er-Ketten und versuchte aber dennoch immer wieder Offensivakzente zu setzen. Dies gelang eigentlich recht gut, auch wenn nicht wirkliche Torchancen heraussprangen. Andererseits war es auch nicht unbedingt so, als ob Thailand nur in seiner Hälfte verharrt hätte.

Nach drei Minuten musste Torhüterin Boonsing, die am Ende vielleicht Thailands beste Spielerin des Turniers sein könnte, mit einer Parade ihr durchaus vorhandendes Können zeigen. Nach der anschließenden Ecke konnte Sunisa Srangthaisong grade noch so den Ball von der Linie klären.

Anders als gegen die Elfenbeinküste wirkte Thailand aber das gesamte Spiel über keineswegs nervös sondern agierte in der Abwehr, für seine Möglichkeiten und Verhältnisse ruhig und abgeklärt.

In der 18. Minute, beim bemerkenswerten Zwischenstand von 0:0, hatte Thailand die Chance auf die Führung. Und wieder war es die Pfeilschnelle Kanjana, die wie schon gegen Norwegen für den Höhepunkt in der Offensive sorgte. Annike Krahn unterlief an der Mittellinie ein Stoppfehler. Kanjana schnappte sich den Ball und zog mit ihrer unbändigen Geschwindigkeit in Richtung Angerer.

Angekommen im Strafraum, noch gut Vorsprung vor den deutschen Verteidigerinnen, entschied sie sich aber für einen Cut nach innen. Es waren Bruchteile von Sekunden aber die Abwehr der deutschen war inzwischen zur Stelle und blockte ihren Schussversuch. Vielleicht war die Thailänderin hier einfach nur dem Gedanken erlegen, durch den Cut in eine bessere Schußposition zu geraten.

Nach 26 Minuten ging Deutschland nach einer Ecke in Führung. Kapitän Sritala (1.59 m) verlor das Kopfballduell gegen Melanie Leupolz (1.73 m) vom FC Bayern und diese setzte mit einem Kopfball in Form einer Bogenlampe den Ball ins Netz. Da konnte dann auch Srangthaisong auf der Linie nichts mehr machen. Kurze Zeit später hatte Deutschland die Gelegenheit um ein Tor zu erhöhen. Sasic wurde jedoch wegen Abseits, zu unrecht, zurückgepfiffen.

Nachdem Maroszan in der 44. an Boonsing scheiterte ging es beim Stand von 0:1 in die Pause. Bis dahin verteidigte Thailand sehr gut und zeigte gute Ansätze von Kombinationsfußball in dem man versuchte den Ball meist flach zu spielen. Wurde doch mal der ein oder andere weite und hohe Ball nach vorne gespiet, landete dieser meist direkt wieder beim Gegner.

Während die Thailänderinnen recht zufrieden in ihre Kabine gingen, muss es dort für die Spielerinn von Frau Neid wohl ein ziemliches Donnerwetter gesetzt haben. Zur Halbzeit wurden bei Deutschland Sasic und Marozsan durch Petermann und Mittag ersetzt und die Deutschen agierten jetzt auch etwas gewitzter und schienen die Schwächen Thailands jetzt auch stärker für sich auszunutzen. Ein Doppelschlag, der eingewechselten Petermann, in der 55. und nach einer Ecke in der 57. sorgten für das 0:3. Eine Viertelstunde vor Ende erhöhte Däbritz zum 0:4-Endstand.

Natürlich hat es Thailand auch der teils haarsträubenden Chancenauswertung Deutschlands zu verdanken, dass es nur mit vier Toren Unterschied verlor. Das Spiel aber darauf, auf sieben Neue und eine schwache erste Halbzeit von Deutschland zu reduzieren würde der durchaus guten Leistung Thailands nicht gerecht. Wie schon gegen Norwegen kämpften die Thailänderinnen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Und diese sind nun mal im Vergleich zu so einer Top-Mannschaft wie der von Silvia Neid aktuell eher limitiert.

Immerhin versuchte Thailand das Spiel weit weniger defensiv zu gestalten als noch zum Auftakt. Wenn auch nicht wirkliche Chancen heraussprangen und Nadine Angerer einen ruhigen Nachmittag erlebte.

Ein großes Lob geht an ihr Gegenüber, Waraporn Boonsing. Nach ihrer eher schwachen Vorstellung gegen die Elfenbeinküste knüpfte sie wieder an die Leistung gegen Norwegen an. Unter dem neuen Torwahrtrainer scheint sie tatsächlich ihre Strafraumbeherrschung verbessert zu haben. Insbesondere bei hohen Bällen die sie inzwischen schon sehr souverän herunterpflückt. Das war, in den vergangenen Jahren, nicht immer der Fall.

Für Thailand bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft an die Leistungen der WM anknüpfen kann. Dass man endlich einmal näher an die fünf Großen in der AFC heranrückt und diesen vielleicht auch Mal auch ein Bein stellen kann. Lehren und Analysen gibt es schließlich viele von diesen drei Spielen bei der WM mitzunehmen.
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