Pinit Ngarmpring
Bild: © thai-fussball.com
Unter dem Motto „New Life Thai Football“ fand am 24. Dezember in Bangkok eine Pressekonferenz statt, auf der ein 10-Jahresplan zur Entwicklung des Fußballs in Thailand vorgestellt wurde. Organisiert wurde diese aber nicht, wie man vermuten könnte, vom Fußballverband des Landes oder der Liga, sondern von einer Fangruppierung, die sich „Cheerthai-Power“ nennt.
Erstmals machte diese Fan-Initiative bereits im Rückspiel des AFC-Championsleague-Finales von BEC Tero gegen Al Ain auf sich aufmerksam, als man den Rücktritt des damaligen FAT-Präsidenten Vijitr Getkaew forderte. Das war 2003, doch allzu viel hat sich seitdem nicht geändert, sieht man davon ab, dass der Verband auf Druck der AFC hin 2009 eine professionelle Liga eingeführt hat.
Nach wie vor gibt es beim Verband keine Konzepte, um den Fußballsport zu entwickeln. Man verlässt sich auf den Zufall, dass man vielleicht Glück hat und Spieler wie Teerasil Dangda oder Kawin Thamasatchanan heranwachsen. Dennoch sollen natürlich alle erdenklichen Titel abgeräumt werden, aber ohne dafür zu investieren. Ein Titelgewinn wäre in diesem Fall zwar sehr effektiv, brächte dem Land langfristig gesehen aber kaum etwas, zumal sich Thailand nicht losgelöst vom Rest der Fußballwelt bewegt. Von globalen Entwicklungen im Spitzenfußball mal abgesehen, sind es gerade auch die Länder in der Region, die langsam erwachen.
Dabei scheitert man in Thailand selbst an scheinbar einfachsten Dingen, wie die Einführung einer Reserve-Liga oder die Weiterführung der Damen-Liga oder sie werden auf die lange Bank geschoben. Man habe gerade kein Geld, heißt es in solchen Fällen meist. Wie auch, wenn die Liga nur 6 Gesellschafter hat, die deckungsgleich mit den Mitgliedern im FAT-Vorstand sind. So muss sich der Verband und speziell dessen Präsident Worawi Makudi auch immer wieder Intransparenz bei ihren Geschäften nachsagen lassen. Trotz aller Vorwürfe konnte das umtriebige FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied bislang aber immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, wohl auch, weil er in der Fifa und auch im politischen Thailand von oben Rückendeckung bekommt.
Als Beispiel für seine Machtfülle sei nur die erste Abstimmung zum neuen FAT-Präsidenten vor 2 Jahren genannt, die er kurzerhand abblasen ließ, als er im Vorfeld bemerkte, dass die Chancen für seine Wiederwahl schlecht standen. So weht ihm von Seiten der Fans nach wie vor ein starker Wind entgegen. Diese organisierten bereits Ende 2010/ Anfang 2011 Proteste gegen Worawi. In einigen Stadien tauchten daraufhin „Sicherheits-Leute“ auf, die den Fans die Plakate wegnahmen und die Protestwelle ebbte danach zumindest in der Öffentlichkeit ab.
Nun gibt es also den 10-Jahres-Plan, ein 57-seitiges Programm, mit dem der Gründer der Cheerthai-Power Group, Pinit Ngarmpring, auch selber zu den Wahlen zum FAT-Präsidenten antreten will. Die wesentlichen Punkte sind verbessertes Management und Transparenz auf Verbandsebene, die technische Entwicklung, was die Spieler angeht, sowie die Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit durch Nutzung der FIFA-Spieltage durch das Nationalteam aber auch durch Entwicklung von Infrastrukturen sowie marketingtechnische Maßnahmen, um den Sport noch populärer zu machen. Ziel ist es, dass Thailand am Ende dieser 10 Jahre zu den Top 5-Nationen in Asien gehört.
Die drei Phasen des 10-Jahres-Plan
Khun Pinit stellt sein Programm vor
Bild: © thai-fussball.com
Die 2. Phase von 2015-2017 (Building National Goodwill) gilt dem öffentlich geförderten, thailandweiten Aufbau von Strukturen in allen Bereichen, angefangen von der Nachwuchsausbildung über Schiedsrichterausbildung bis hin zu Stadionbauten. Dabei soll auch ein breites Netzwerk unter den Fans entstehen. Ziel dieser Phase ist es, sich international auf Augenhöhe mit asiatischen Teams wie Iran und Irak oder Ländern wie der Türkei und Nigeria messen zu können. Dazu soll die Nationalmannschaft Spiele gegen Teams wie Russland, die USA oder Mexiko austragen.
Die 3. Phase umfasst die Jahre von 2018-2022 (Boosting and Sustaining) und beinhaltet die Fortführung und den weiteren Ausbau der geschaffenen Strukturen. Das Nationalteam soll dann mit den Topteams Asiens mithalten können und an den FIFA-Spieltagen gegen Mannschaften wie Deutschland, Spanien, Argentinien, oder Brasilien spielen.
Weitere Schlagworte, die sich in dem Papier finden: eine Hall of Fame in Zusammenarbeit mit dem Verein für Fußballgeschichte Thailand, eine engere Zusammenarbeit mit und mit den Medien aller couleur, Förderprogramm für besonders talentierte Spieler, Basisarbeit im Bereich der Jugendlichen von 6-12 Jahren, Akademien für 13-16 jährige und 17-22 jährige.
In Sachen Zielsetzungen mag das Papier zwar an manchen Stellen etwas illusorisch klingen, aber immerhin sind diese Ziele mit Ideen untermauert, wie sie vielleicht auch erreicht werden können. Dort hat man von Verbandschef Worawi bisher immer nur gehört, wann Thailand im AFC-Finale stehen wird, wann man zu Olympia fährt und wann man an der WM teilnimmt, ohne dass er auch nur im Geringsten erwähnte, wie man denn solche Träumereien als derzeit 136. der FIFA-Weltrangliste umsetzen will.
Nach der Vorstellung des Papiers hatten wir noch Gelegenheit uns kurz mit Khun Pinit zu unterhalten, der uns erzählte, dass er sich auch schon vor einiger Zeit mit Worawi Makudi getroffen hätte, um solche Sachen zu diskutieren. Nach seiner Meinung sei jedoch mittlerweile die Zeit abgelaufen, dass die FAT dieses Programm übernehmen könnte. Dafür hat sich auf Verbandsseite einfach zu wenig in der Vergangenheit getan. Er selbst ist sich übrigens sicher, dass er gute Chancen hat, die Wahlen in Februar zu gewinnen.
Aller ehren wert ist das Vorhaben von Pinit Ngarmpring allemal und dürfte in der Welt vermutlich seines gleichen Suchen. Ein Supporter, ein Fan der sich selbst aufstellt, um für die Präsidentschaft seines Verbandes zu kandidieren. Geht es nur um die Sache auf nationaler Ebene, wäre es sicher grandios, ihn gewinnen zu sehen. Doch wirft man einen Blick auf das internationale (politische) Parkett der FIFA und der AFC - mit seinen Ränkespielen, der Korruptheit und all den Funktionären - wäre ein damit vertrauter, erfahrener Fahrensmann der Khun Pinit's Visionen teilt und vertritt, die vermutlich bessere Lösung.
Wer möchte kann die Gruppe um Khun Pinit auf Facebook mit einem Like unterstützen und auf dem neuesten Stand bleiben. Das 57-Seiten-Programm gibt es hier bei uns zum Download (PDF - öffnet sich in neuem Fenster. Größe 1.5 MB).




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