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Rückblick auf die Futsal-WM: War da was?

Futsal-WM 2012 Futsal-WM 2012

Thailand vs Costa Rica
Bild: © thai-fussball.com

Der November war geprägt durch die Futsal-Weltmeisterschaft in Thailand. Wir haben uns das Ereignis nicht entgehen lassen und waren hautnah dabei. Wir blicken zurück, Fassen zusammen und Analysieren das Geschehen Rund um die WM.

Die 7. Ausgabe der Futsal-WM fand vor wenigen Wochen mit dem Finale zwischen Spanien und Brasilien seinen Abschluss, das Brasilien mit 3:2 in der Verlängerung für sich entscheiden konnte. Damit staubten die Männer vom Zuckerhut bereits zum 5. Mal den WM-Pokal ab. Aus unserer Sicht besonders interessant war natürlich das Abschneiden Thailands. Von vornherein war klar, dass sie mit der Ukraine, Paraguay und Costa Rica eine nicht gerade einfache, aber dennoch machbare Gruppe erwischt hatten.

Höhepunkt war sicherlich der 3:1-Auftaktsieg gegen die Costa-Ricaner. Aber auch die Stimmung zu Ende der Partie, bei der Aufholjagd gegen Paraguay, war nicht ohne. Der zweite Treffer gegen Costa Rica, erzielt von Suphawut Thueanklang, wurde nach der WM zum Tor des Turniers gewählt. Nachdem man die Gruppenphase als Dritter beendet hatte, gelangte man mit Schützenhilfe der Salomon Islands ins Achtelfinale. Da dort mit Spanien einer der beiden Top-Favoriten wartete, war das frühe Aus besiegelt.

Thailand hielt allerdings gut mit gegen die Nummer 1 der Welt und hatte selbst hochkarätige Chancen. Am Ende stand es zwar standesgemäß 1:7 für die Spanier, doch der Ehrentreffer der Thais sorgte für Gänsehaut. Er wurde bejubelt, als wäre die Mannschaft gerade Weltmeister geworden. Auch nach dem Schlusspfiff wurde die Mannschaft von den Fans mit Ovationen gebührend gefeiert und aus dem Turnier verabschiedet. Einzig Verbandsboss Worawi Makudi wurde vor dem Spiel mit Pfiffen bedacht.

Neben dem Überraschungssieg der Salomonen wird wohl speziell die Aufholjagd der Japaner gegen Portugal in Erinnerung bleiben, die ein 1:5 noch in ein 5:5-Unentschieden wandeln konnten. Auch der Vorstoß Kolumbiens bis ins Halbfinale war sicherlich eine große Überraschung. Für die Fans dürfte das größte Ereignis gewesen sein, dass sie den Brasilianer Falcao bewundern durften, der als der beste derzeit aktive Futsal-Spieler gilt.

Überschattet wurde aber das Sportliche durch das Thema Nr. 1: Das Hickhack um die extra für die WM gebaute Bangkok Futsal Arena, die trotz mehrerer Terminverschiebungen nicht rechtzeitig an die FIFA übergeben werden konnte. Für den Lacher schlechthin sorgte dann der für den Bau verantwortliche Gouverneur von Bangkok, Sukumbhand Paribatra, der die FIFA sogar verklagen wollte, weil diese die Halle u.a. wegen Sicherheitsmängeln nicht für Spiele zulassen wollte. Wer mit thailändischen Verhältnissen vertraut ist, wird hier gleich den Braten riechen: "facepalm". Wie aus FIFA-Kreisen zu hören war, war eines der Probleme auch, dass man die Übergabe nicht noch länger hinauszögern konnte, sondern endlich Gewissheit brauchte, weil für TV-Übertragungen noch viele Meter Kabel von den TV-Stationen verlegt werden müssen.

Um sich selbst noch zu überbieten (und vor aller Welt sein Gesicht zu wahren), ließ Sukhumbhand einige Tage nach dem endgültigen Aus mehrere Tausend Schüler und Studenten aus der Umgebung dort zwangsweise einem schnell organisierten Jugend-Futsal-Wettbewerb beiwohnen. Als ob einen internationalen Sportverband wie die FIFA die Befindlichkeiten eines Lokal-Politikers interessieren würden.

Korat

Stadtzentrum in Korat
Bild: © thai-fussball.com

Dabei hätte der Mann allen Grund gehabt, lieber zu schweigen, denn in Sachen Promotion war speziell Bangkok ganz schlecht aufgestellt. Irgendwie hatte man denn auch das Gefühl, dass viele Thais erst im letzten Gruppenspiel gegen Paraguay mitbekamen, dass die WM schon läuft, denn plötzlich zogen die Kartennachfragen rapide an. Bei sehr vielen Begegnungen waren oft viele Lücken in den Arenen zu sehen, obwohl ausverkauft gemeldet wurde. Gründe dafür lassen zum einen bei den Schwarzmarkthändlern finden - zum anderen wurden die Tickets immer für zwei Partien verkauft. 

Was die Stadien anbetrifft, so war wohl nur die Chatchai-Halle in Nakhon Ratchasima weltmeisterlich. Im Vorfeld wurden mehrere Millionen Baht in die Hand genommen, um die Halle zu renovieren. Auch den Rahmen betreffend Werbung oder die Bereitstellung von Shuttle-Bussen, empfanden wir dort als sehr positiv. Die Bedingungen für Journalisten waren hervorragend. Kein Wunder, ist doch der Chef des LOC, Suwat Liptapanlop, einer der bzw. der einflussreichste Politiker der Provinz im Esaan schlechthin.

Also viele der Dinge, die Bangkok als Metropole und Hauptspielort vermissen lies. Einige Aktionen und auch Werbung wirkten eher wie Alibiaktionen. Auch die Halle in Hua Mark und erst recht das Nimibutr-Gymnasium in Bangkok standen hinter der Halle in Korat zurück und waren nicht gerade die besten Aushängeschilder für eine WM. Die beiden Schauplätze wurden 1966 errichtet, und einzig die Arena in Hua Mark dürfte in den letzten Jahren mal ein "Facelifting" gesehen haben. Unbequeme Sitze mit kleinen Lehnen - die auch schon mal durchbrechen, schmutzig wirkende Treppenaufgänge, Security, die die Leute während des Spiels anweist, sich hinzusetzen, damit die Presse im hinteren Rang etwas sehen kann, da kam nicht immer WM-Feeling auf.

Für die Verpflegung der Zuschauer sorgten die beiden Hauptsponsoren. Eine Fast-Food-Kette und ein Limonadenhersteller. Bier gab es in den Arenen keines und dies wäre vermutlich noch gesünder gewesen. Die modernere Impact-Arena in Muang Thong Thani, die bei der Bewerbung als eine der möglichen Arenen eine Rolle spielte, aber laut thailändischen Medien vonseiten der FIFA abgelehnt wurde, hätte hier sicher ein besseres Bild abgegeben. Aus FIFA-Kreisen mussten wir am Rande der WM aber erfahren, dass der Weltverband von den Plänen mit der Impact-Arena nichts wusste. Immerhin hätte sie auch als mögliche Alternative für die Futsal-Arena herhalten können.

Die schwach organisierten Einlasskontrollen taten ein Übriges dazu, dass nicht wenige Besucher am Ende verärgert waren, denn während der Pausen durfte man die Hallen zwar in eine umgitterte Raucherzone verlassen, hatten aber Probleme trotz gültigem Ticket und Armstempel wieder hineingelassen zu werden, wenn man an den Doppelspieltagen mal ganz raus wollte. Dazu kam, dass man z.B. beim Nimibutr-Gymnasium nicht einmal in die Fan-Zone kam, wo gleichzeitig andere Spiele auf den Leinwänden übertragen wurden. In Hua Mark hatte man solche Bildschirme gleich ganz weggelassen.

Insgesamt erhielt der thailändische Verband von der FIFA 1.2 Millionen Dollar (ca. 45 Mio Baht) für die Austragung des Turniers. Doch wo ist das Geld geblieben? Eine Frage, die wir aktuell nicht beantworten können. Während des gesamten Turniers und auch bezüglich des Desasters mit der Bangkok Futsal Arena, hielt sich der Verband bedeckt und im Hintergrund. Sogar auf der eilends einberufenen Pressekonferenz mit Sepp Blatter, Suwat Liptapanlop und Worawi Makudi am Tag des Finals war kein Wort dazu zuvernehmen. Alle Parteien waren voll des Lobes füreinander.

Futsal-WM Pressekonferenz

FIFA dankt Suwat (LOC)
Bild: © thai-fussball.com

Das ganze Desaster um die zum Teil schlechte Organisation und der Nichtvollendung der Halle begann wohl bereits 2011, als Worawi Makudi nach den FAT-Präsidentschaftswahlen Mr. Futsal, Adisak Benjasiriwan, entließ. Gegenwind, und dann noch aus den eigenen Reihen, das kann Worawi nicht gebrauchen. Dabei hatten sich die Pläne Adisaks zur Werbung rund um die WM nicht nur für Futsal-Enthusisaten recht interessant angehört. Gerade für die hiesige Futsal-Liga, die nur von einigen Hundert Zuschauern live verfolgt wird, wäre die WM eine perfekte Reklame gewesen.

So wurde auch die Kampagne „Road to Futsal Worldcup“ völlig unter den Tisch gekehrt. Dort waren mehrere Spiele und Turniere der thailändischen Nationalmannschaft vorgesehen und auch ein Turnier für 1000 Teams aus allen Teilen Thailands sollte stattfinden. Viel Zeit ging denn auch noch einmal verloren, bis nach der Absetzung Adisaks ein neuer Organisationschef einberufen wurde, der bisher auch nicht gerade als Mann mit einem großen Herz für Futsal bekannt war. So wirkte die Idee Suwat Liptapanlops, umweltverpestende Tuk Tuks als Aushängeschild Thailands herzunehmen und 50 Stück dieser unsicheren Dreckschleudern mit einer Werbetafel geschmückt durch Bangkok fahren zu lassen auch eher peinlich. In den ganzen 11 Monaten ist mir (zum Glück) kein einziges dieser Vehikel in den Blick gekommen.

Thailand hat damit wieder einmal gezeigt, dass man nicht in der Lage ist, Aufgaben und Probleme gemeinsam und unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung der handelnden Personen anzugehen. Lässt man mal die allgegenwärtige Korruption beiseite, so ist es dennoch besonders bei langfristigen Zielstellungen wichtig, dass Programme bzw. Projekte unabhängig von der Person umgesetzt werden können, denn sonst fängt man jedes Mal wieder bei null an.

Dass die Bangkok Metropolitan Administration als erste Amtshandlung nach der WM die Bangkok Futsal Arena in „Bangkok Arena Nong Chok“ umbenannt hat, ist wohl das erste Anzeichen dafür, dass hier schnell vergessen werden soll. Zur neuerlichen Inspektion, zu der die BMA geladen hatte, erschienen denn auch nur Repräsentanten von 3 der eingeladenen 9 staatlichen Organisationen. Und wen wundert es, auch der Ausrichterverband der WM, die FAT, glänzte durch Abwesenheit.

Natürlich hat die WM Spaß gemacht. Dies steht außer Zweifel. Das Umfeld hat gestimmt und sieht man ab von den Tickets waren die Fans mehr als zufrieden. Doch hat Thailand hier eine Chance verpasst sich auf großer Bühne, auch groß zu präsentieren. Dies möchte Thailand gerne als Nächstes im Jahr 2023. Man plant eine Bewerbung für die Asienspiele. Vielleicht sehen wir dann endlich auch die Bangkok Futsal Arena in Aktion.  
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