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Road to Canada - 7 Tore Fest für Holland und die Fans

Frauen Nationalmannschaft Niederlande - Thailand

Niederlande - Thailand
Bild: © thai-fussball.com

Mit 0:7 endete die historische erste Begegnung zwischen Gastgeber Niederlande und den Gästen aus Thailand. Trotz des Ergebnisses gab es am Ende strahlende Gesichter.

Ziemlich dunkel war es auf dem spärlich beleuchteten Parkplatz vor dem Polman-Stadion in Almelo. Dennoch waren gut eine Stunde nach Spielende im einen Pulk aus Spielerinnen und Fans strahlende Gesichter zu erkennen. Einige Stunden zuvor, als die Spielerinnen der thailändischen Frauennationalelf am Stadion ankamen und auf kürzestem Weg im inneren verschwanden, war die Anspannung noch in ihren Gesichtern zu lesen.

Das Spiel gegen die Niederlande war das erste während des vierwöchigen Trainingslagers in Europa. Die Mannschaft war gerade mal ein paar Tage da und ihre verkniffenen Gesichter erinnerten an die Bilder von den ersten Trainingseinheiten bei Temperaturen um die Null Grad. Nieselregen und ein leichter, aber kalter Wind bei Ankunft in Almelo waren auch nicht gerade dazu angetan thailändische Gemüter zu erwärmen.

Dies sollte sich jedoch spätestens mit dem Aufwärmen auf dem Platz ändern. Als die Spielerinnen mehr und mehr thailändische Fans und Fahnen im kleinen Rund des Polman-Stadion erblickten, huschte auch das eine oder andere Lächeln über ihre Gesichter. Gut 200 bis 300 Zuschauer, die es hauptsächlich mit Thailand hielten, aber auch mit den Niederlanden, fanden sich zu dem ersten offiziellen Länderspiel einer Nationalelf aus Thailand in Europa ein. Und trotz der späteren 0:7-Niederlage blieb die Stimmung unter ihnen bis zum Ende gut. Im Block auf der Gegengerade gab es zwar außer gelegentlichen "Thailand Su su" Rufen und Songs aus dem Isaan wenig abwechslungsreichen Support, stimmlich war es dennoch mehr als, was man sonst in der Heimat erfährt.

Doch hinein ins Spiel. Trainerin Sathongwien, die am Spielfeldrand in einem Schwarz-Weißen Bastkorb platz nehmen durfte, schickte ihre vermeintlich beste Elf auf den Platz. In einer 4-3-3-Formation. Von Offensivaktionen der Thais war über die gesamten 90 Minuten allerdings recht wenig zu sehen, und das Spiel verlief in etwa so, wie man es gewohnt ist, wenn Thailand gegen Japan (Nr. 4 der Welt) , Korea (17.), China (13.) oder Australien (10.) spielt. Die Holländerinnen, die sich ebenso wie Thailand erstmals für eine Frauen-WM qualifiziert haben, sind aktuell 11. der FIFA-Rangliste. Thailand ist auf 31 und zählt in Asien zu den 6 besten Mannschaften! Diese Zahlen sollen vor allem verdeutlichen, wie groß die sportliche Lücke eigentlich ist. Nämlich weitaus größer als nur die 20 Plätze die Thailand und die Niederlande im Frauenfußball trennen.

Warunee Phetwiset und Heiligenberg

Phetwiset und Heiligenberg
Bild: © thai-fussball.com

Was bei der Elftal von Bondscoach Roger Reijners von Beginn an auffiel: Die große technische Stärke, die taktische Disziplin und das halten des Balles in den eigenen Reihen. Gerne auch mal hintenrum. Ganz so, als würden da nicht die Damen, sondern die Herren des KNVB auf dem Platz stehen. Das war schon sehr beeindruckend. Das erste Tor für die Gastgeber fiel in der 14. Minute und resultierte aus einer Unordnung im 16er als gleich drei Spieler versuchten Kirsten van de Ven zu stellen und damit eine Lücke in der Mitte des Strafraums hinterließen. Mit van de Ven hatte die Mannschaft ohnehin ihre Schwierigkeiten auf der rechten Seite. Ihre Gegenspielerin Sunisa Srungthaisong war mit ihr völlig überfordert und die Holländerin war für sie einfach immer wieder zu schnell. Dies fiel besonders beim zweiten Treffer in der 26. Minute auf, als die doch recht große van de Ven mit Srungthaisong Katz und Maus spielte und erneut vorbereiten konnte.

Nichtsdestotrotz konnte sich der Rückstand von zwei Toren zur Halbzeit durchaus sehen lassen. Die beste Phase der Gäste kam nach der Halbzeit und dauerte knapp 15 Minuten an. In der 51. nutzte Kanjana einen Lapsus in der Abwehr und hätte fast den Anschlusstreffer erzielt. In der 57. War es zunächst Rattikarn Thongsombut die hätte Treffen müssen bevor nach der anschließenden Ecke Nisa Romyen Torfrau Geurts mit einem Hackentrick überraschte. Zwischen dem 3:0 in der 61. Minute und dem 4:0 in der 63. erfolgte die Einwechslung von Vivianne Miedema (FC Bayern Frauen), die danach maßgeblich am hohen Sieg ihrer Elftal beteiligt war. Ein Glück für Thailand dass die 18-jährige nicht von Beginn an auf dem Platz stand. Den Schlusspunkt setzte die bereits erwähnte ven de Ven mit dem 0:7 in der Nachspielzeit.

Alles in allem war es unter den gegeben Umständen keine schlechte Partie der Thailänderinnen, die bis zum Schluss ihr Bestes gaben und alles versuchten, um ein Tor zu schießen. Klar wurde aber das es vor allem an Kreativität im Mittelfeld mangelt. Chancen ergaben sich meist nur aus Zufallsaktionen und langen Bällen nach vorne. So unattraktiv dies sein mag, vielleicht sollte sich Trainerin Sathongwien eben genau auf diese Taktik gegen vermeintlich stärkere und hoch aufgerückte Mannschaften verlassen.

Die einzige Waffe gegen stärkere Teams scheint Kanjana Sungngoen zu sein. Sie stellte mit ihrer Schnelligkeit die Abwehr des Gastgebers immer wieder auf die Probe und würde sich sicher auch recht gut in einer der europäischen Top-Ligen machen. Waraporn Boonsing im Tor hat ihre stärken auf der Linie, und nicht in der Strafraumbeherrschung. Weshalb sie auch gegen Mannschaften die permanent den Strafraum bespielen eher schlecht aussieht. Alternativen gibt es aber kaum. Und woher auch. So ganz ohne Ligabetrieb.

Sinn der Reise ist es ohnehin sich zum einen auf Kunstrasen einzustellen, auf dem bei der WM in Kanada fast ausschließlich gespielt werden wird und zum anderen wertvolle Erfahrung gegen europäische und physisch stärkere Gegner zu sammeln. Hinsichtlich Letzterem darf aber an der Lernkurve gezweifelt werden. Gegen körperlich starke Spielerinnen tritt die Elf Thailands auch in Asien regelmäßig an. China, Australien sowie Nord und Südkorea. Abgesehen vom 2:2 im Testspiel gegen China im Herbst letzten Jahres, sind Fortschritte hinsichtlich der Endergebnisse bei Pflichtspielen in den letzten Jahren gegen solche Gegner nämlich keine erkennbar. Den Thais gelingt es nie gegen Mannschaften wie die eben genannten ein Tor zu erzielen und die Resultate schwanken immer zwischen einem 0:4 und einem 0:7. Gegen gleichwertige Gegner in Asien wie Vietnam und Myanmar oder noch tiefer stehenden Teams in der Weltrangliste zeigt Thailand, was es kann.

Während die gerade gespielte Partie unter den Journalisten noch ein Thema war, interressierte diese die Fans draußen vor dem Stadion herzlich wenig. Die Fans die noch da waren, wollten ihre Stars sehen. Vic Hermans wusste dies zu organisieren und so kam jeder noch zu seinen Bild und Autogramm. Ja sogar Essen wurde der Mannschaft noch mit auf den Weg gegeben. Der Bus fuhr ab. Ein letzter Gruß und die Fans verließen glücklich den Parkplatz.

Fußball ist manchmal auch mehr als nur das Ergebnis und eine Vorbereitung auf eine WM. Oder eine 43 Stunden währende 1520 Kilometer lange Reise für den Schreiberling.



Pikul Khueanpet

Pikul Khueanpet übt sich am Selfie
Bild: © thai-fussball.com

Mannschaft und Fans vereint zum Gruppenfoto

Mannschaft und Fans vereint zum Gruppenfoto
Bild: © thai-fussball.com

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