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Money For Nothing - Das Trainingszentrum als Millionengrab

Abseits des Platzes - Report Zufahrtsschild nationales Fußball Trainingszentrum

Zufahrtsschild
Bild: © thai-fussball.com

Seitdem 1999 das Goal-Programm von FIFA-Präsident Sepp Blatter ins Leben gerufen wurde, hat es inzwischen die symbolische Marke von 500 erfolgreich durchgeführten Projekten überschritten. Eines davon entstand in Thailand, genauer gesagt in Nong Chok. Aber erfolgreich?

1999 von Sepp Blatter ins Leben gerufen, hilft das Goal-Programm FIFA Mitgliedsverbänden dabei Projekte zu realisieren mit deren Bau die Entwicklung des Fußballs im eigenen Land vorangetrieben werden soll. Ziel ist es, Zitat FIFA: "Verbandssitze, Trainingszentren, Kunst- oder Naturrasenplätze zu errichten und damit dem größten Wunsch von Präsident Blatter zu entsprechen: Benachteiligten Verbänden eine für einen ordnungsgemäßen Betrieb grundlegende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen."

Dem Antrag Thailands zur Aufnahme in das Entwicklungsprogramm wurde im Mai 2003 offiziell stattgegeben und nur ein Jahr später wurden die Mittel zum Bau eines Kunstrasenplatzes im Wert von 460.000 Dollar bewilligt. Später wurden weitere Gelder für den Bau eines Funktionsgebäudes mit Unterbringungsmöglichkeiten für Spieler und Betreuer bewilligt.

Obwohl nicht offizieller Bestandteil des Goal Programms, weilte Michel Platini, heute Präsident der UEFA, vor einigen Jahren der Zeremonie zur Grundsteinlegung des Nationalen Fußball Trainingszentrum (NFTZ) in Nong Chok bei. Weitere Offizielle aus Fußballkreisen waren der damalige FAT-Präsident Vijit Getkaew sowie sein damaliger General-Sekretär Worawi Makudi, der mittlerweile selber die Fußball-Geschäfte seines Landes leitet. Wissend, dass von dem Gelände seitens der Nationalmannschaften nicht gebrauch gemacht wird, interessierte es uns natürlich wie es dort derzeit aussieht.

Im Stadtbezirk Minburi gelegen, gehört Nong Chok zwar noch zu Bangkok, jedoch ist die Gegend sehr ländlich geprägt. So standen bei unserer Besichtigungstour dann auch eine Gruppe Störche auf dem schmalen, mit Schlaglöchern reichlich gesegneten Zufahrtsweg herum. Nur ein kleines Schild auf Thai, das bei einer zweiten Besichtigung kaputt war, zeigt den Weg zum Abbiegen kurz vorm ehemaligen Stadion von BEC Tero. Die Straßenlaternen, deren Lampenschirme als Fußbälle gestaltet sind, zeigten uns aber an, dass wir hier richtig sind.

Laut wird es um Nong Chok höchstens einmal wie 2011, als plötzlich aufgedeckt wurde, dass Worawi Makudi immer noch als Eigentümer dieser Ländereien beim Grundbuchamt geführt wird, obwohl er das Land hätte längst dem Fußballverband überschreiben müssen. Dies ist in der Regel eine Voraussetzung um Mittel von der FIFA zu erhalten. Eine Absichtserklärung Worawis, 25 Hektar seines Landes an den Verband zu überschreiben, ausgestellt am 27. September 2003, wurde erst im Oktober 2011 offiziell übergeben. Thailand lief Gefahr weitere finanzielle Mittel die vierte Stufe des Projektes, genehmigt im Oktober 2010, zu verlieren. Überschrieben ist sie mit: "Nutzungsoptimierung des technischen Zentrums". In Anbetracht der nach wie vor nicht vorhanden Nutzung des Objektes zum eigentlichen Zweck, ein ziemlicher Hohn. Wie dem auch sei, der Weltverband eröffnete kein Verfahren gegen Makudi und am Ende verlief sich auch diese Affäre im Sand des gut geschmierten FIFA-Getriebes.

Auf dem Trainingsgelände bleibt es dagegen meist ruhig, denn bis auf ein paar Wochen im Jahr, wenn die Amateure ihre Pokalrunden im B-, C- und D-Cup austragen, geschieht dort nichts in Sachen Fußball.

Dabei war zur Eröffnung getönt worden, dass man spätestens 2010 in Südafrika bei der WM dabei sein würde, denn man hätte ja bald ein Trainingszentrum. Worawi selbst sagte damals im Brustton der Überzeugung: in Zukunft würden dort alle Nationalteams Thailands von den Junioren bis zu den Herren trainieren und es wäre die Waffe schlechthin für die weitere Zukunft des Thai-Fussballs, um selbst irgendwann einmal im Finale einer WM zu stehen.

Thailands Nummer zwei im Tor, Sinthaweechai Hathairattanakool vom FC Chonburi, bejahte unsere Frage, ob er denn in seiner langen Nationalmannschaftskarriere schon einmal dort trainiert habe. Und tatsächlich erinnerten wir uns, dass unter Bryan Robson dort trainiert wurde.
Dies verwundert nicht weiter. Denn der Engländer Robson wurde fast zur gleichen Zeit als Trainer verpflichtet, zu der FIFA-Präsident Sepp Blatter zu Einweihung des gesamten Gebäudes in Thailand weilte.

Der derzeitige Nationaltrainer Winnie Schäfer war nur einmal kurz vor Ort, um sich die dortigen Bedingungen anzuschauen. Trainieren lässt er lieber in Bangkok oder Chiang Mai. Nachdem, was wir bei unserer Besichtigung vorfanden, ist das allerdings auch nicht weiter verwunderlich. Selbst die U-16 und die verschiedenen National-Teams der Damen haben sich letztes Jahr lieber im Sport-Komplex rings um das Rajamangala-Stadion vorbereitet, als im NFTZ. Böse Zungen mögen nun behaupten, dass Thailand es bisher nicht zur WM geschafft hätte, weil man das Trainingszentrum nicht nutzt.

Der Hauptgrund für die Nichtnutzung dürfte sicherlich die Abgeschiedenheit des Areals sein, dass gut 40 km außerhalb des Stadtzentrums liegt und nur schwer erreichbar ist. Vor gut 10 Jahren hätte sich wohl auch ein Ort zu Errichtung finden lassen, der näher am Zentrum Bangkoks gelegen ist. Nur hätte es dann eben nicht auf und um die Ländereien von Worawi entstehen können. Aber das hatten wir ja schon. Zudem sind im Rajamangala als Teil des Nationalen Sportzentrums (das der SAT gehört) auch die entsprechenden Einrichtungen und das Personal für eine sportwissenschaftliche Betreuung gegeben.

Schlafräume im Trainingszentrum

Schlafräume wie wir sie fanden
Bild: © thai-fussball.com

Das Gebäude in Nong Chok gleicht mit seinen ca. 50 Zimmern, darunter 4 Schlafsäle (geplant waren 120 Räume), eher einer Jugendherberge oder bestenfalls einem Internat. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass es mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben ist und sich niemand um die Instandhaltung zu kümmern scheint. Dabei hat Worawi Makudis Bruder sogar eine Baufirma, die schon mal den einen oder anderen Auftrag ohne öffentliche Ausschreibung erhielt.

Ist im Eingangsbereich nur ein Teil der Decke kaputt, so regnet es durchs Dach sogar rein, denn mehrere grüne Teile der Dachhaube liegen zerbrochen und lose auf der Dachkonstruktion herum. Bei einem ordentlichen Schauer zur Regenzeit läuft das Wasser dann mehrere Stockwerke über den Treppenaufgang nach unten und bleibt dort stehen bis es wegtrocknet. So ist es kaum verwunderlich, dass an einigen Stellen im Hause der Schimmel herrscht, wovon auch einige Gipskartondecken im Treppenhaus betroffen sind. Auch Vogelkot und tote Vögel liegen dort herum. Überhaupt ist die Architektur des Treppenhauses als angedeuteter Fussball recht misslungen und schadet dem baulichen Zustand des Gebäudes eher.

Beinahe fußballhistorischen Charakter haben dagegen die beiden Schaukästen mit verblassten Fotos und Zeitungsartikeln über den kaputten Sitzbänken im Eingang. Immerhin wurden die Fotos der geschassten Mitglieder des FAT-Vorstandes entfernt. Im rechten Schaukasten, überschrieben mit „Center of Excellence“ finden sich neben älteren Aufnahmen von Jugendteams auch reichlich Zeitungsartikel mit dem Konterfei Makudis sowie vom Besuch Sepp Blatters im Jahre 2009 bei der Einweihung. Klar, Personenkult muss sein.

Ein Teil des Geldes (60.000 Dollar) wurde damals von der FIFA auch für einen Kunstrasenplatz genehmigt. Zu Kunstrasen kann man stehen wie man will, aber wenn schon Platz für drei Naturrasenplätze ist und es sich überdies um das Nationale Trainigszentrum handelt, muss man sich natürlich fragen, warum diese allesamt uneben wie ein Kuhacker sind. Auf zwei dieser Plätze gelangt man außerdem nur per Sprung über einen kleinen, schlammigen Graben. Zur Regenzeit sind beide speziell am Rand auch recht matschig und der Rasenmäher hat auf dem weichen Boden deutliche Spurrinnen hinterlassen. Immerhin für einen Lacher sorgen die sogenannten Pappkameraden zum Freistoßüben, die aus Stahlgestänge zusammengeschweißt sind.

2006 erhielt der Verband weitere 400.000 $ für den Bau eines dreistöckigen Verwaltungsgebäudes, in dem die Verbandszentrale der FAT untergebracht werden sollte. Diese befindet sich aber nach wie vor am Supachalasai-Stadion. Es erfüllt zwar seinen Zweck, doch schaut man sich die Bilder von diversen Pressekonferenzen an, kann man die Enge der Räumlichkeiten erkennen. Ein Umzug nach Nong Chok wird wohl dennoch nicht in Frage kommen. Dafür sind, wie bereits erwähnt, die Wege für die Funktionäre und Angestellten viel zu weit.

Sicherlich kommt es bei der FIFA nicht auf die eine oder andere Million mehr oder weniger an. Dennoch muss sich der Weltverband fragen lassen, wieso dieses Geld so freizügig verschwendet wurde und warum die FIFA hier eigentlich keine weiteren Nachforschungen anstellt, wie mit den Mitteln langfristig umgegangen wird. Neben der Tatsache, dass das Gelände nicht oder kaum für die ursprünglichen Zwecke verwendet wird, kommt noch dazu, dass die FAT es dem Verfall preisgibt, weil es ja auch niemand nutzen will. Umso erstaunlicher war es, dass in einem der unteren Räume noch frisch verpackte Kartons mit neuen Waschmaschinen für die Spielerkleidung und Klimaanlagen herumstanden, also zumindest bei der technischen Ausstattung ein paar Erneuerungen vorgenommen werden.

Direkt neben dem alten BEC-Stadion, das nur wenige Meter vom Trainingszentrum entfernt ist, wird seit ca. 3 Jahren an einem Luxus-Gästehaus für FIFA-Mitarbeiter gewerkelt, mit acht äußerst großzügigen Zimmern und Kronleuchtern im Treppenaufgang. Ob dies ebenfalls von den genannten FIFA-Geldern gebaut wird, konnten wir nicht eruieren.

Von der immer wieder beschworenen Aufwertung der Ländereien Worawis rund um dieses Gelände kann man insgesamt wohl bisher nicht wirklich sprechen, denn Infrastruktur fehlt dort nach wie vor fast gänzlich. Was man dem Verband und Worawi aber vorwerfen kann: warum man sich nicht bemüht hat, ein geeigneteres Gelände zu finden, um die FIFA-Spende auch verantwortungsvoll für die Entwicklung des Fussballs in Thailand einzusetzen. Was am Ende bleibt ist ein Millionenbau der nicht genutzt wird, in das die FIFA weiter Gelder investiert, und das vor sich hin darbt. 

Für gewöhnlich fügen wir Bilder Artikeln bei um Entsprechende Abschnitte zu Dokumentieren. In diesem Fall jedoch sind 2-3 Bilder nicht genug. Nachfolgend daher eine Auswahl der Bilder die gegen Ende des letzten Jahres aufgenommen wurden und den Zustand dokumentieren wie wir ihn vorgefunden haben. Zum Vergrößern bitte auf Bild klicken.

Hauptgebäude

Hauptgebäude
Bild: © thai-fussball.com

Hauptgebäude in der Frontansicht

Hauptgebäude in der Frontansicht
Bild: © thai-fussball.com

Haupteingang

Haupteingang
Bild: © thai-fussball.com

Nebengbäude

Nebengbäude
Bild: © thai-fussball.com

Gästehaus

FIFA Gästehaus
Bild: © thai-fussball.com

Kunstrasenplatz

Der Kunstrasenplatz
Bild: © thai-fussball.com

Rasenplätze

Tiefe Spuren auf den Plätzen
Bild: © thai-fussball.com

Defekte Sitzbänke

Defekte Sitzbänke im Eingang
Bild: © thai-fussball.com

Zerbrochene Glasfassade

Glasfassade von der Rückseite
Bild: © thai-fussball.com

Toiletten des Trainingzentrums

Erbärmlicher Zustand der Toiletten
Bild: © thai-fussball.com

Zerbrochene Decke

Zerbrochene Decke
Bild: © thai-fussball.com

Gebrochene Verglasung

Gebrochene Verglasung aussen
Bild: © thai-fussball.com

Gebrochene Verglasung

Gebrochene Verglasung von innen
Bild: © thai-fussball.com

Übersichtskarte

Übersichtskarte
Bild: © thai-fussball.com

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