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Milovan Rajevac neuer Nationaltrainer Thailands

Thai Nationalmannschaft

Bild: © thai-fussball.com

Die Ära Kiatisuk Senumang bei der thailändischen Nationalelf ist nun, vorerst, offiziell beendet. Vor wenigen Tagen wurde mit dem Serben Milovan Rajevac sein Nachfolger offiziell der Presse vorgestellt.

Aus einer Reihe an Bewerbern, und nach einem Marathon an Gesprächen der über fast zwei Wochen ging, trat Rajevac am Ende als Sieger hervor. Neben ihm bewarben sich unter anderem Winfried Schäfer, René Meulensteen, Muang Thong Uniteds Ex-Trainer Dragan Talajić und Alain Perrin um den Job. In einer bisher nicht gekannten Transparenzoffensive war mehr oder weniger täglich bekannt, wer sich da gerade um den Posten bewarb und bei dem thailändischen Verband vorstellig wurde.

Über die Art und Weise kann man natürlich geteilter Meinung sein. Nachdem aber die Öffentlichkeit in den Jahren unter der Worawi-Administration kaum etwas über den Auswahlprozess und eventuelle Bewerber erfuhr, kann man dies auch getrost unter dem Attribut Fortschritt verbuchen.

Nun also Milovan Rajevac, der das durchaus schwere Erbe von Kiatisuk Senamuang antreten darf. Rajevac, geboren im, damals noch, jugoslawischen Čajetina ist 63 Jahre alt. Die Liste seiner Erfolge als Trainer (und auch die als Spieler) tendiert fast gegen null. Eine der Anforderungen des Verbandes an den Neuen war es, dass dieser in der Vergangenheit schon mal eine Nationalef zu einer WM geführt hatte oder eine solche Elf zumindest schon einmal während eines solchen Turniers betreut hat. Denn, das ist das erklärte Ziel. Dass sich die Herrenmannschaft Thailands endlich mal für eine WM qualifizieren möge. Wenn möglich für 2022. Bei einer WM mit 48 Teams ab 2026, wie es FIFA-Chef Infantino will, wäre Thailand wohl ohnehin dabei.

Rajevac größter Erfolg war das Erreichen des Viertelfinals der WM 2010 mit Ghana. Und wer sich erinnert, in der Gruppenphase ging es gegen Deutschland. Damals im Kader von Rajevac ein Spieler, der heute sein Geld in Thailand verdient. Dominic Adiyiah vom FC Nakhon Ratchasima. Im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland wurde er in der Nachspielzeit eingewechselt.

Wie dem auch sei, nach der WM 2010 verblasste der Stern von Rajevac zusehends. Zuletzt war er als Nationaltrainer Algeriens im Amt. Das aber nur für vier Monate und zwei Pflichtspiele. Für sein kurzes Intermezzo verantwortlich waren hauptsächlich zwei Spieler: Riyad Mahrez und Islam Slimani. Beide, ironischerweise, angestellt bei Leicester City. Welches sich ja bekanntermaßen über die King-Power-Gruppe, in thailändischem Besitz befindet. Grund für die Revolte, die Spieler waren sowohl mit dem Training als auch der Taktik von Milovan Rajevac nicht einverstanden und wurden beim algerischen Verband vorstellig.

Denn, der Serbe bevorzugt einen eher defensiven Spielstil. Etwas, dass den algerischen Spielern wohl wenig im Blut lag. Und auch der offensiven Spielweise der Thais unter Senamuang eher entgegenspricht. Aber vielleicht ist es eben genau das, was Thailands Nationalelf braucht: defensive Stabilität. Dass man offensiven Tiki-Taka-Fußball spielen kann, hat man in den letzten Jahren oft genug gezeigt. Defensiv machte die Elf viel über Einsatz und Kampf wett. Ein wirkliches defensives, taktisches System lies sie unter Senamuang jedoch meist vermissen. Bekommt man etwas Senamuang aus den Köpfen der Spieler raus, und etwas Rajevac rein, könnte dies durchaus interessant werden.

Rajevac hat inzwischen schon einige Spieler in der Liga beobachtet und kundgetan, dass er auf vielseitige Spieler setzt. Den Kern der Nationalelf, bestehend aus Spielern von Muang Thong United, wird er dabei sicher nicht anfassen. Sportlich gäbe es dafür eh keinen Grund. Andererseits dürfte dafür Klubbesitzer Siam Sport sowieso eine zu starke Hausmacht haben. Interessant wird es da eher bei den Ergänzungsspielern und denjenigen, die nicht als Säule der Nationalelf gelten.

Auch wenn Milovan Rajevac nicht der große Name ist, und auch keine Zukunft verspricht, so wie es sich er Verband eigentlich wünscht, gehen beide Seiten kein großes Risiko ein. Bis zum Winter 2018/19 steht für die Thais, nämlich nichts auf dem Spiel. Die WM 2018 ist außer Reichweite, und der Kings Cup im Sommer ohnehin nur mit peripherer Bedeutung. Was als Nächstes zählt, ist der AFF-Cup im Dezember 2018 und die Asienmeisterschaft im Januar 2019.

Ausgestattet mit einem Vertrag für ein Jahr plus der Option auf ein weiteres, hat der Neue am Ruder nun Zeit sich zu beweisen. Sollte das Unternehmen Milovan Rajevac nach einem Jahr scheitern, würde also nicht viel Porzellan zerschlagen, und man hat Zeit sich neu zu orientieren. Oder man holt Kiatisuk Senamung zurück. Der nämlich hat ein späteres und weiteres Arrangement nicht ausgeschlossen. Oder man bekommt doch noch seinen Wunschtrainer. Muang Thongs Tawan Sriphan. 

Milovan Rajevac neuer Nationaltrainer Thailands

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