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Jose Maria Mendez, Trainer der Futsal-Nationalmannschaft im Interview

Abseits des Platzes - Interview

A. Benjasiriwan (li) & Mendez (re)
© thai-fussball.de

Wie bereits gemeldet, weilte unter den Gästen zum Abschluss der Thai Women Futsal League auch der Nationaltrainer der Herren, Jose Maria Pazos Méndez, ein gebürtiger Spanier, der auch unter dem Namen Pulpis bekannt ist. Nach verschiedenen Trainerstationen in Spanien, wo er u.a. 2007 mit Autos Lobelle de Santiago den Europapokal der Pokalsieger gewinnen konnte, wurde er kurz vor der Futsal-WM 2008 in Brasilien als neuer Trainer von Thailand verpflichtet.

Außerdem leitete der 36jährige im letzten Jahr das Training der Damen-Auswahl, bevor diese an der inoffiziellen WM in Spanien teilnahmen. Nach der Siegerehrung in der Damen Futsal League nutzten wir die Gelegenheit, ein Gespräch mit ihm über die Damen-Liga und zum Stand der Vorbereitungen auf die WM 2012 im eigenen Land zu führen.

thai-fussball.de:
Wenn man sich die Spiele der Damen anschaut, gibt es die beiden Top-Teams und weit dahinter den Rest der Liga. Wie kann man den Abstand dazwischen kleiner machen?
Jose Maria Méndez: Ja, das ist eines der größten Probleme in der Liga, auch bei den Männern. Letzten Endes haben die Top-Teams nur wenige schwere Spiele im Jahr. Damit die Teams insgesamt besser werden, ist es aber wichtig, dass es mehr Spiele gibt, in denen sie wirklich gefordert sind, am besten jedes Wochenende. Aber gut, es ist das erste Jahr für die Damen-Liga, nachdem es zwei Jahre gar keine Liga-Spiele gab. Wenn die Liga fortgesetzt wird, bin ich sicher, dass sich die Teams nach und nach weiterentwickeln werden. Für die Nationalmannschaften ist es natürlich wichtig, dass die Ligen stärker werden.

thai-fussball.de: Haben sie beim National-Team der Damen schon gewisse Fortschritte gesehen?
Jose Maria Méndez: Das größte Problem, dass sie haben ist, sie können sich nicht die ganzen 40 Minuten über konzentrieren. Das sind sie aus der Liga nicht gewöhnt. Wenn sie dann außerhalb Thailands gegen andere Mannschaften spielen, wird es schwierig.

thai-fussball.de: Wie ist das mit den Trainern in der Liga? Haben die denn alle eine Lizenz?
Jose Maria Méndez: Im Moment nicht. Wir wollen in Zukunft für jedes Jahr zwei, drei Lehrgänge für die Trainer einrichten, so wie wir das letztes Jahr bereits gemacht haben, auch wenn das nicht offiziell anerkannt wird. Sie wollen lernen, das haben wir bei dem Lehrgang gemerkt, den wir vor Beginn der Damen-Liga durchgeführt haben.


" Wir wollen wenigstens den 8. Platz erreichen"
Mendez über die Zielsetzung für die Futsal-WM


thai-fussball.de: Sie haben vor dem Damen Weltcup das thailändische Team trainiert, sind aber jetzt nur noch Trainer der Herren-Nationalmannschaft…
Jose Maria Méndez: Nicht ganz, ich versuche nach wie vor Einfluss auf das Damen-Team zu nehmen. Ich will aber nicht beide trainieren, das wäre nicht gut. Deshalb werden die Damen von einem meiner Assistenten trainiert (Rakphol Sainetngam). Wir versuchen, bei beiden Teams ein einheitliches System zu verinnerlichen. Das fängt bereits bei den Nachwuchsteams an.

thai-fussball.de: Gibt es einen Unterschied im Training zwischen den Männern und den Frauen?
Jose Maria Méndez: Wenn man mit den Männern trainiert, sieht man, dass sie schon jahrelang auf einem gewissen Level trainiert und gespielt haben. Die Frauen haben auch gute Qualitäten, aber man merkt, sie spielen zu wenig außerhalb von Thailand. Sie sollten auch mehr gegen nichtasiatische Mannschaften spielen, wenn sie vorankommen wollen. Ich denke, es wird vielleicht noch 10 Jahre dauern, bis sie auf einem ähnlichen Level wie die Männer spielen.

thai-fussball.de: Was wissen Sie über die Vorbereitungen Thailands für den Futsal World Cup 2012?
Jose Maria Méndez: Ich habe die Pläne gesehen vom neuen Stadion in Nong Chok, es sieht sehr gut aus. Ich selber konzentriere mich aber mehr auf das Team. Wir wollen wenigstens den 8. Platz erreichen. Wir wissen, das wird sehr schwer werden, aber zu Hause mit den Fans im Rücken sollte das möglich sein. Dementsprechend hart wird auch die Vorbereitung sein.

thai-fussball.de: Wieso spielt eigentlich RBAC bei den Männern bei diesem Klub Weltcup in Spanien mit?
Jose Maria Méndez: Normalerweise nehmen 6 Teams am Interkontinental-Cup teil. Diese Jahr wird aber nur mit 4 Teams gespielt. Ein Team davon sollte aus Asien sein, aber beim letztenmal gab es Probleme mit dem Team aus dem Iran, das kurz vorher die Teilnahme absagte. Als zweites sollte der japanische Meister teilnehmen, aber das Team hat keine Zeit und so blieb als dritte Variante RBAC übrig.

thai-fussball.de: Manchmal hat man das Gefühl, dass die Medien in Thailand sehr darauf fokussiert sind, dass ihr Team mal gegen Brasilien spielt.
Jose Maria Méndez: Also wir haben jetzt 3 Jahre nicht gegen Brasilien gespielt, was auch daran liegt, dass ich eben mehr Kontakte nach Spanien habe. Wir haben aber ein paar Optionen, dieses Jahr gegen Brasilien zu spielen. Wir können evtl. im Mai hier in Bangkok gegen sie spielen. Außerdem haben wir eine Einladung zu einem Turnier in Brasilien für Oktober erhalten. Daneben wollen wir im September hier in Bangkok selber ein 6-Nationen-Turnier austragen. Die Gegner sollen Spanien, Italien, Argentinien, Portugal und Japan sein. Diese Teams stehen alle über uns, aber wir wollen uns beweisen und sehen, wo wir stehen. Wenn man besser werden will, muss man gegen stärkere Teams antreten. Allerdings hat bisher nur Italien fest zugesagt. Außerdem haben wir eine Einladung zu einem Turnier in Italien erhalten und im Juni wollen wir an einem 6-Nationen-Turnier in China teilnehmen. Wir müssen auch mit dem Budget kalkulieren, das uns zur Verfügung steht. Im Moment wissen wir noch nicht, wieviel das genau bis zur WM sein wird.


" Futsal hilft ihnen, Fussball mit hoher Geschwindigkeit auf kleinem Raum zu spielen "


thai-fussball.de: Wo sehen Sie die größten Probleme beim Herren-Team?
Jose Maria Méndez: Sie müssen mehr von sich überzeugt sein, dass sie auch die großen Mannschaften schlagen können. Letztes Jahr waren wir 2 Wochen in Spanien und haben mit ein paar Klubs dort mittrainiert. Das Niveau der Spieler ist ungefähr gleich. 6 oder 7 unserer Spieler könnten auch in der spanischen Liga mithalten. Sie sind schnell und kreativ, haben eine gute Technik. Bei den Top-Teams kommt es aber nicht mehr so sehr auf die Technik oder die Taktik, sondern auch auf die Mentalität an. Da muss Thailand erst noch hinkommen. Wenn sie diese Sieger-Mentalität verinnerlichen, ihren Tagesablauf professioneller gestalten, wird auch das Spiel hier professioneller werden.
Die spanischen Spieler geben jeden Tag das Maximum, auch im Training. Bei den Thais läuft der eine Tag mal so, der andere so. Das ist halt ihre Mentalität. Wenn sie das alles professioneller angehen, können sie ganz oben mitspielen.

thai-fussball.de: Nochmal zurück zu den Damen. Denken sie, dass es ein Problem ist, dass die Damen mehr oder weniger alles Fussball-Spielerinnen sind?
Jose Maria Méndez: Nein, das sehe ich nicht so. Selbst die Futsal-Männer hier spielen oft auch Fussball. Genauso ist es auch in Spanien. Die Nationalmanschaft und auch Barcelona spielen oft Futsal und sie übernehmen das auch in den Fussball. Futsal hilft ihnen, Fussball mit hoher Geschwindigkeit auf kleinem Raum zu spielen. Aber mit 15,16 Jahren sollte man sich für eine der beiden Sportarten entscheiden, denn die Taktik unterscheidet sich dann schon sehr voneinander. Bei den Thais ist es allerdings auch ein Problem, dass sie Futsal eher als Hobby ansehen, nicht als Möglichkeit Geld zu verdienen, wobei dies bei den Damen auch nicht möglich ist. Bei den Herren gibt es aber schon ein paar Spieler, die ganz gut verdienen.

thai-fussball.de: Vielen Dank für das Gespräch.

autor: esgede
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