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Irfan Bachdim Teil 2: Über Trainer, Kopfhörer und Kartoffelsalat

Abseits des Platzes - Interview Irfan Bachdim

Irfan Bachdim
Bild: © thai-fussball.com

Chonburi FC und Sriracha FC. Das waren die Stationen von Irfan Bachdim im Jahr 2013. Im Oktober trafen wir uns mit dem indonesischen Nationalspieler zu einem ausführlichen Interview.

Irfan Bachdim spielte 2013 erstmals in Thailand. Wie der indonesische Nationalspieler, aufgewachsen in Holland, über Ajax Amsterdam und Indonesien nach Thailand kam, darüber sprachen wir im ersten Teil des Interviews. In dem heute folgenden zweiten Teil sprechen wir hauptsächlich über den FC Sriracha. Er vergleicht Thailand und Indonesien sowie seine Trainer für uns. Spricht über mangelnde Konzentration und er erklärt uns, warum Fußballspieler Kopfhörer einer bestimmten Marke tragen müssen. Der Leser sei gewarnt, auch so, werden wir diesmal reichlich boulevardesk. Interessant ist es dennoch.

thai-fussball.com: Srirachas Trainer Daeng (Trongyod Klinsrisook) schafft es immer wieder aufs Neue junge Spieler in die Mannschaft einzubinden, zu fördern und zu entwickeln. Zur neuen Saison muss er sie meist wieder abgeben. Was denkst du über seine Arbeit mit den jungen Spielern?

Irfan: Ich denke Coach Daeng ist ein sehr guter Trainer. Er hat nicht die beste Mannschaft der Liga. Aber was er mit den jungen Spielern erreicht und das Selbstvertrauen, das er einem gibt, besonders den jungen, das ist eine sehr positive Sache für mich. Er ist noch ein sehr junger Trainer und mit noch mehr Erfahrung wird er ein noch besserer Trainer werden. Ich denke er kann noch viel erreichen.

Aber er könnte etwas strenger sein. Ich mag Trainer die wissen, ich steh hier und die Spieler stehen hier (öffnet seine Hände; red.). Ich habe das Gefühl, das er zu nett ist und die Spieler zu nah an sich heran lässt. Einerseits ist das natürlich eine gute Sache, aber gleichzeitig kann es sich auch negativ auswirken. Manchmal denke ich mir das eine harte Hand hilft, mehr aus den Spielern herauszukitzeln. Ich hoffe er kann in Zukunft noch mehr Talente hervorbringen. Das ist es, was ich am meisten mag. Trainer, die an Talente glauben und fördern.

thai-fussball.com: Magst du die Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt? Zu Hause spielt ihr auf Kunstrasen, was natürlich förderlich für ein schnelles Passspiel ist. Bevorzugst du diese Art des Spiels?

Irfan: Das ist sicher etwas das Ich bevorzuge. Bedingt durch meine Größe ist das physische Spiel nicht meins. Ich mag das Spiel mit schnellen Pässen und Bewegungen. Leider fehlt uns manchmal das Selbstvertrauen gerade gegen größere Teams. Wir spielen lange Bälle, obwohl wir gut darin sind, den Ball flach und kurz zu spielen. Im Training tun wir das und es klappt sehr gut. Aber gegen PTT oder Bangkok FC haben wir einfach zu viele lange Bälle gespielt.

Können wir den Ball Flach halten, ist es das beste Spiel für uns. Außer Boskovic, und Diego in der Abwehr natürlich, haben wir auch keine großen Spieler in der Mannschaft. Unsere Spieler sind schnell, haben gute Fähigkeiten zu dribbeln und können den Gegner unter Druck setzen. Aber es ist auch am Trainer den Spielern dahin gehend mehr Selbstvertrauen zu geben so zu spielen.

"Jeder fürchtete ihn und deswegen arbeitete auch jeder sehr hart." - über Alfred Riedl
thai-fussball.com: Du hast jetzt in der TPL und in der Division One gespielt. Wenn Du beide Ligen vergleichst, wie groß ist der Unterschied?

Irfan: Das Spiel in der Division One ist physischer und geprägt von langen Bällen. Sie ist nur ein klein wenig langsamer als die TPL. Dort ist insbesondere Chonburi ist ein großartiges Passing-Team. Sie machen aber viel zu wenig aus ihren Mitteln.

thai-fussball.com: Warum wäre Simon Mcmenemy deiner Meinung nach der perfekte Trainer für Chonburi?

Irfan: Warum? Ich mag Trainer die an Talente glauben und die Effizienz haben Fußball so spielen lassen, wie er gespielt werden sollte. Flaches Passspiel, Bewegungen und jeder hat seine Position. Wenn Tempo hochgehalten werden muss und wann man Tempo rausnehmen muss. Und nicht zu vergessen was er mit den Philippinen und Bandung (Pelita Bandung Raya) erreicht hat, mit vielen jungen Spielern.

thai-fussball.com: Du hattest mit Timo einen Deutsch-Indonesier als Trainer. Einen Österreicher mit Alfred und zuletzt zwei thailändische Trainer. Wie würdest du sie vergleichen und wer war der bessere für dich?

Irfan: Das ist schwierig zu sagen. Alfred Riedl und Timo (Scheunemann) teilen sich den ersten Platz. Coach Timo, weil er an mich glaubte und das Beste aus seinen Spielern herausholte. Er hat es geschafft, dass ich Dinge auf dem Platz getan habe, von denen ich nicht glaubte, sie zu können. Er hat so viel Vertrauen ich mich gesetzt....Er hat mir fast Flügel verliehen.

Und Alfred Riedl seine Stärken liegen in den Trainingseinheiten. Im taktischen Training und der Taktik für das Spiel. Aber man selbst muss sehr stark sein mit einem Trainer wie ihm. Riedl war hier und die Spieler waren da, ganz weit unten. Nicht mal annährend nah an ihm. Jeder fürchtete ihn und deswegen arbeitete auch jeder sehr hart.

Ich denke, wenn ich am Anfang Coach Timo nicht gehabt hätte, der mir so viel Selbstvertrauen gegeben hat, es wäre für mich wesentlich schwieriger geworden, mich an einen Trainer wie Riedl anzupassen. Es wäre also nicht fair von mir einen über den anderen zu stellen. Ich bin beiden sehr dankbar für das was sie für mich getan haben.

Zwischen Coach Daeng und Haeng.....Für mich ist Daeng der bessere Trainer wegen seinen Trainingseinheiten. Mit Heng (Withaya Laohakul; red.) wurde ich nie warm.

thai-fussball.com: Weil wir grad dabei sind, hat Heng jemals mit dir gesprochen und dir erklärt, warum du nicht spielst?

Irfan: Nein.Irfan Bachdim

Kühlschrank mit Bachdim Konterfei
Bild: © thai-fussball.com



thai-fussball.com: Wenn ich mich recht erinnere, hat Timo Scheunemann zu uns gesagt Du kannst erfolgreich sein, wenn du der "der fokussierte Irfan" bist. Würdest du dem zustimmen und siehst du das als etwas an, woran du arbeiten musst?

Irfan: Ich stimme ihm hundertprozentig zu. Wäre ich mit 16 fokussierter gewesen, würde ich heute nicht in Sriracha spielen. In dem Alter konnte ich für mich noch keine Entscheidung darüber treffen, was für mich das Beste ist. Anstatt früh ins Bett zu gehen, wenn am nächsten Tag Training war, hing ich bis spät in die Nacht mit Freunden ab. Ich denke das war mein größter Fehler in meinen jungen Jahren. Auch heute spüre ich manchmal noch, wie ich die Konzentration verliere, weil die Liebe für die Menschen die mir wichtig sind, einfach zu groß ist. Meine Tochter. Jennifer. Es schmerzt mir, sie für einen Monat verlassen zu müssen. Aber das ist mein Job. Und daran muss ich arbeiten: Konzentrierter zu bleiben.

thai-fussball.com: Wo ist der Unterschied zwischen dem Fußball in Thailand und in Indonesien?

Irfan: Bei der Qualität der Spieler gibt es keinen großen Unterschied. Aber im Management und wenn es darum geht, ein professioneller Verein zu sein, ist Thailand viel viel weiter als Indonesien. Schau dir allein Chonburi an wie viele Sponsoren sie haben. Die großen Klubs in Indonesien haben fast keine.

thai-fussball.com: Und die Qualität des Spiels?

Irfan: Hier in Thailand ist das Spiel taktischer. Durch die vielen Trainer aus dem Ausland, gibt es auch mehr Einfluss von aussen.

thai-fussball.com: Lass uns zu etwas komplett anderem kommen. Wie verabredet man sich mit einem Model?

Irfan: Ich weiß es nicht (lacht). Ehrlich. Ich habe Jennifer am Rande der Charity-Games getroffen. Wie verabredet man sich mit einem Model? Ich habe nichts Spezielles gemacht. Es ist einfach passiert.

thai-fussball.com: Jennifers ist in Deutschland geboren aber ihre Wurzeln liegen in Indonesien und China. Ihr beide musstet notgedrungen in Deutschland heiraten. Warum?

Irfan: Das Gesetz in Indonesien sieht vor, dass bei einer Heirat beide Partner der gleichen Religion angehören müssen. Ich bin als Muslim aufgewachsen. Sie als Christ. Ich hätte also zum Christentum konvertieren müssen. Aber so fühle ich nicht. Oder sie hätte Muslimin werden müssen, womit sie sich wiederum nicht identifizieren kann. Darum haben wir in Deutschland geheiratet.

thai-fussball.com: In Indonesien seid ihr beide ein berühmtes Paar und Stars. Fast wie David Beckham und Victoria, so scheint es. Jetzt bist du zwar ein Fußballer, aber einer der plötzlich im Focus der Medien und Öffentlichkeit stand.

Irfan: Zuerst war es befremdlich. Am Anfang habe ich fragte warum tut ihr das? Ich bin ein normaler Kerl wie jeder andere auch. Ab dem Moment als ich mit Jennifer zusammen war wurde der Hype größer. Jennifer modelte auch in Deutschland, und ich war ein aufstrebender Fußballspieler in Indonesien. Dort sind Fußballspieler so etwas wie Helden. Dazu noch eine gut aussehende Frau, die auch oft im TV zu sehen ist. Ich denke dies alles waren auch Gründe, warum es so wahnwitzig wurde. Für meinen Geschmack ein wenig zu viel.

"Ich liebe den Kartoffelsalat, den Jennifer macht."
thai-fussball.com: Du hast auch sehr viele Webeverträge und trittst in Werbespots auf. Ich vermute mal das Geld war eine zusätzlich willkommene Einnahmequelle.

Irfan: Wie ich schon sagte, alles begann mit der Nationalmannschaft. Für mich war das alles eine tolle Sache. Ich wusste ich würde mit Jennifer eine Zukunft haben und so war dies natürlich auch eine willkommene Investition in die Zukunft. Aber alle Marken, für die ich werbe, haben etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun. Ich hätte auch für einen Wursthersteller Werbung machen können und hätte vielleicht mehr Geld dafür bekommen. Aber was hat das mit Fußball zu tun.

thai-fussball.com: Heutzutage sieht man Fußballspieler fast nur noch mit den Kopfhörern der Marke Beats von Dr. Dre herumlaufen. Warum? Und warum müssen es diese sein?

Irfan: Es sind ja nicht nur die Kopfhörer. Es ist ja auch die Musik die man hört, und der Sound, der aus den Hörern kommt. Und wenn man ehrlich ist, für die meisten Spieler sehen die Beats einfach toll aus und die Qualität ist einfach gut. Sie helfen dir auch dabei, dich in eine Komfortzone zu begeben. Du hörst nicht mehr, was um dich herum geschieht. Du lauschst der Musik und konzentrierst dich auf deine Aufgaben im Spiel.

thai-fussball.com: Vermisst du Frikandel?

Irfan: Oh ja und wie. Jennifer vermisst sie auch.

thai-fussball.com: ....Aber sie ist Deutsche...

Irfan: ...Ja sie ist Deutsch. Aber sie hat Frikandel probiert, als wir in Holland waren.

thai-fussball.com: Warst du bisher nur in Deutschland wegen eurer Hochzeit? Gibt es ein deutsches Gericht, welches Dir besonders schmeckt?

Irfan: Ich war auch schon auf Urlaub in Deutschland. Und ich liebe den Kartoffelsalat, den Jennifer macht. Aber auch Spätzle und Sauerkraut mit einer guten Bratwurst mag ich sehr.

thai-fussball.com: Magst du den Kartoffelsalat lieber mit Mayonnaise oder Essig und Öl?

Irfan: Mit Essig und Öl.

thai-fussball.com: Ist Jennifer eine gute Köchin?

Irfan: Ja das ist sie. Und dank ihr esse ich auch gut und gesund. Ich kenne mich. Wenn ich Single wäre, würde ich die meiste Zeit Pizza essen.

thai-fussball.com: Abschließende Frage. Es ist das Jahr 2034. Indonesien ist Gastgeber der WM und bestreitet das Eröffnungsspiel gegen die Niederlande. Wer wird das Spiel gewinnen.

Irfan: Das ist zu weit in der Zukunft. Aber ich hoffe Indonesien gewinnt. Auch wenn ich in Holland aufgewachsen bin, ich bin einfach zu Stolz auf meine indonesischen Wurzeln. Es war auch immer mein Traum für Indonesien zu spielen und Indonesien wachsen zu sehen.

thai-fussball.com: Irfan, vielen Dank für das Gespräch.
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