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Heldinnen für die Ewigkeit - Thailand fährt zur WM

Frauen Nationalmannschaft Kanjana

Heldinnen!

Mit dem Schlusspfiff bei der Asienmeisterschaft am 21. Mai, nach der Partie gegen Vietnam, schrieb Thailands Frauennationalmannschaft Geschichte. Erstmals hat sich eine Fußball-Nationalmannschaft Thailands für eine Weltmeisterschaft qualifizieren können und wird 2015 erstmals Südostasien bei einer Frauen-WM vertreten.

Knapp zwei Wochen ist der Triumph der thailändischen Frauenelf nun schon alt. Doch selbst mit diesem zeitlichen Abstand fühlt er sich immer noch unwirklich an. Thailand fährt zur einer Fußball-WM. In echt und nicht im Traum. In diesem und nicht im nächsten Leben. Dass es die Frauen, und nicht die Männer sind, denen dieser historische Meilenstein als Erstes gelang, grenzt dabei schon fast Ironie.

Im Gegensatz zu den Herren der Schöpfung wird man vom Verband eher stiefmütterlich behandelt. Die fußballbegeisterten Damen müssen ohne regulären Ligabetrieb auskommen. Nachwuchsarbeit gibt es wenn, dann nur an den diversen Universitäten und Colleges, und auch dies eher schlecht als recht und nicht strukturiert vom Verband gefördert. Prämien für die Spielerinnen bleiben schon mal aus, Trainingslager reiht sich an Trainingslager und ernsthafte Testspiele gibt es kaum. Es sei denn, es geht um ein großes Ziel, wie die Teilnahme an einer WM. Dann lässt auch der Verband schon mal ein Trainingslager in Japan springen.

Trotz all dieser Voraussetzungen, merkt man den Frauen aber an, dass sie jedes Spiel mit Herzblut bestreiten, kämpfen. Auch wenn es noch so aussichtslos erscheinen mag. Tugenden, die man bei den Herren viel zu oft vermisst, und sich einem gelegentlich die Frage stellt, ob sie es überhaupt verdient haben, den Elefanten auf ihrer Brust, zu tragen. Tugenden welche, die Frauen bei ihrem Gewinn der SEA-Games im Dezember zeigten, und auch während der gerade abgelaufenen Asienmeisterschaft, an deren Ende die erfolgreiche Qualifikation zur WM 2015 stand, nicht vermissen ließen.

Natürlich wurden der Erfolg und das Erreichen des Ziels WM, durch die Abwesenheit Nordkoreas, das für Weltmeisterschaft im nächsten Jahr wegen Dopings gesperrt ist, und die Aufstockung der Startplätze für Asien auf fünf, begünstigt. Die Leistung soll es aber keineswegs schmälern. Immerhin konnte man die Siege vom Dezember wiederholen und bezwang damals wie jetzt jeweils den Gastgeber!

Der Dezember wiederholt sich

Die Asienmeisterschaft begann wie erwartet mit 2 Niederlagen. Das 0:7 gegen China fiel am Ende vielleicht um 2 Tore zu hoch aus denn so schlecht war man eigentlich gar nicht. Auch wenn spielerisch noch nicht all zu viel lief. Schnelle Spielerinnen wie Kanjana waren völlig verschenkt und zur Halbzeit hatte man schon drei Mal Wechseln müssen. So musste zum Beispiel Naphat Seesraum verletzt vom Platz und war erst zur Partie gegen Vietnam wieder einsatzbereit. Waraporn Boonsing im Tor war ein Unsicherheitsfaktor und war für mindestens einen der Gegentreffer verantwortlich. Der 24-Jährigen muss man aber zugutehalten, dass sie sich im Laufe des Turniers immer mehr steigerte, tolle Paraden zeigte und auch ihre Strafraumbeherrschung besser in den Griff bekam.

Im zweiten Gruppenspiel gegen die Koreanerinnen ging es vornehmlich darum nicht höher zu verlieren als Myanmar dies zuvor tat (0:12), um im letzten Gruppenspiel gegen den nördlichen Nachbarn die bessere Ausgangslage zu haben. Was mit 0:4 am Ende auch gelang. Der größere Druck lastete somit auf Myanmar. Denn Thailand hätte aufgrund des besseren Torverhältnisses schon ein Unentschieden gereicht, um in das Spiel um Platz 5 zu gelangen, an dessen Ende dem Gewinner ein Ticket zur WM winken sollte.

Das Aufeinandertreffen der beiden Nachbarn zeigte dann auch leichte Züge und Parallelen des dramatischen Halbfinales vom Dezember bei den SEA-Games. Wie vor 5 Monaten ging Thailand durch Kanjana Sung-Ngoen in Führung und Yee Yee Oo glich aus. Nach knapp einer Stunde brachte Sritala Duangnapa die Thais auf die Siegerstraße. Myanmar blieb diesmal allerdings der Ausgleich verwehrt und es wartete nun Vietnam im Spiel um Platz 5. Mit einem Sieg über den Libanon am ersten Spieltag hatten sich die Vietnamesinnen schon frühzeitig für das entscheidende Spiel qualifizieren können.

Mit 2:1 behielt Thailand, wie schon im Finale der SEA-Games am Ende die Oberhand, es war aber bei Weitem weniger dramatisch. Thailand kontrollierte das Geschehen weitestgehend. Die erste Hälfte plätscherte vor sich hin ehe Kanjana Sungngoen in der zweiten Halbzeit, in einer Mannschaft, die über das gesamte Turnier vor Teamgeist strotze, zur Heldin avancierte. In der 48. Minute setzte sich die ehemalige Japan-Legionärin an der Strafraumgrenze gegen drei Vietnamesinnen durch und traf flach ins lange Eck. Nach gut 60 Minuten erhöhte sie auf 2:0. War es eine Flanke, war es ein Torschuss? Man weis es nicht. Das krumme Ding jedenfalls landete unter freundlicher Mithilfe der Torhüterin, hinter der Linie. Vietnam gelang in der 86. Minute durch Dung noch den Anschlusstreffer, doch wirkten die Gastgeber vor 18.000 Zuschauern eher müde und Thailand gewann am Ende völlig verdient.

Der Weg bis zur WM

Zurück aus Vietnam, wurden die Heldinnen gleich von einem ganzen Schwarm an Presse begrüßt und es folgte ein bis jetzt Andauerende Tour zu diversen TV-Stationen. Leider wird der historische Triumph von den, aktuell, politischen Ereignissen überschattet und findet so nicht ganz die Beachtung und Anerkennung, die er verdient hätte. Sollte sich die Lage in Thailand aber wieder beruhigen und zur Normalität zurückkehren, dürfte mit dem Nahen der Auslosung und der WM selbst, das Fieber und auch die Aufmerksamkeit steigen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg und viel Wasser wird den Chao Phraya hinunterfließen.

Denn, mit der Asienmeisterschaft stehen zwar die ersten fünf Teilnehmer, neben Kanada als Gastgeber, für die WM fest. Mit der Auslosung zur Endrunde ist jedoch nicht vor November zu rechnen. Noch im Oktober werden in Nordamerika und Afrika die letzten Tickets für Kanada 2015 vergeben werden.

Am Montag dieser Woche hat die Frauennationalmannschaft aber erst mal ihren verdienten Scheck in Höhe von 10 Millionen Baht (~220.000 Euro) entgegengenommen. Im Vorfeld und am Rande der feierlichen Übergabe wurden erste Details bekannt, wie es bis zur WM weiter gehen soll.

Trainern Nuengruethai Sathongwien wird im Amt bleiben und die Frauen auch bei der WM betreuen. Sie schrieb gleich doppelt Geschichte. Nicht nur dass sie die Elf zur WM führte, ist sie, seit wenigen Wochen erst im Amt, die erste Frau in der Verantwortung bei der Nationalelf.

Als Nächstes stehen die Asienspiele im September auf dem Programm. Diese sollen eingerahmt sein von, man lese und staune, der Frauenliga. Sie soll 2-3 Monate vor den Spielen beginnen, und nach diesen noch drei weitere Monate andauern. So Verbandsboss Makudi. Eine Einladung Chinas zu einem Testspiel möchte man gerne annehmen, um sich auf die Asienspiele vorzubereiten.

Mit Beginn des neuen Jahres soll der Fokus voll auf die WM gelegt werden. Freundschaftsspiele gegen Nationalmannschaften oder Vereinsmannschaften und Trainingslager in Europa - mit Deutschland, England, Frankreich und Holland sind in der Planung - ehe es abschließend in die USA gehen soll, von wo aus man nach Kanada reisen will. Für das Projekt WM 2015 veranschlagt der Verband immherin rund 600.000 Euro.

Als Ziel für die WM hat man sich das überstehen der Gruppenphase gesetzt. Dieses entspricht wohl eher Wunschdenken denn der Realität. Am Ende kann man nur hoffen, dass die Damen wenigstens ein Tor erzielen und die Tordifferenz im erträglichen Rahem bleibt. Andererseits hat Äquatorialguinea 2011 auch erstmals an einer WM teilgenommen und fuhr mit einem Torverhältnis von 2:7 nach Hause.

Egal wie die Weltmeisterschaft für Thailand ausgehen wird, im Moment überwiegt die pure Freude über das Erreichte. Bleibt jetzt nur zu hoffen, dass der Verband seinen Vorhaben mit Liga, Freundschaftsspielen und Trainingslagern auch Taten folgen lässt, und nicht im nächsten Jahr wieder einknickt. Wenn der Fokus sich zugunsten der Qualifikation der Herren für die WM 2018 verschiebt. Wie schon so oft in der Vergangenheit geschehen. Stiefmütterlich halt.
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