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Hagen Hübner macht Phuket fit für den Aufstieg

Abseits des Platzes - Interview Hagen Hübner

Phukets neuer Fitnesstrainer
Bild: courtesy Phuket FC / Hübner

Der FC Phuket verfolgt Große Ziele. Wieder einmal. 2013 soll nichts weniger als der Aufstieg zur Thai Premier League her. Mittendrin, ein Deutscher.

In der Saison 2011 stand der FC Phuket kurz vor dem Aus. Kein Geld, und irgendwie sollte die Saison einfach nur heil über die Bühne gehen. Nur keine Strafe von der Liga kassieren. Lieber geordnet absteigen. Oder wenigstens irgendwie die Klasse halten. Dann stieg zu Mitte der Saison Pamuke Achariyachai, der Besitzer der Kata Hotel Gruppe, als Mäzen ein. Wie schon einige Jahre zuvor, nach dem Aufstieg in die 2. Liga, soll nun endlich der Aufstieg in die TPL folgen.

Neben dem früheren Army United Trainer Paniphon Kerdyam wurde auch der Deutsche Hagen Hübner verpflichtet. Er soll die Spieler für den Aufstieg fit machen. Vor Beginn der Saison sprachen wir mit dem Deutschen über die Vorbereitung des Vereins aus der Sicht eines Fitnesstrainers.

thai-fussball.com: Hagen, wir haben uns im letzten Jahr vor dem Pokalfinale das erste Mal persönlich kennengelernt. Inzwischen bist Du der Fitnesstrainer beim FC Phuket. Was hast Du bisher gemacht und wie bist Du zu dem Job auf Phuket gekommen?

Hagen Hübner: Ich fahre schon seit über 20 Jahren nach Thailand und bin mit einer Thai verheiratet. Irgendwann bin ich aus familiären Gründen nach Bangkok übergesiedelt und habe dort für die "Bangkok Soccer School" gearbeitet. Die Größte in Bangkok mit über 700 Kindern. Vorher war ich beim DFB beschäftigt und ich bin im Besitz einer DFB B-Trainer-Lizenz. Ich habe zusätzlich noch eine Ausbildung zum Fitnesstrainer gemacht, um mich weiterzubilden. Und die ganzen Qualifikationen haben mich dann irgendwann nach Phuket geführt. Ich kenne Björn Lindemann ganz gut habe viele Trainingseinheiten bei Army United besucht. Darüber habe ich auch seinen [damaligen] Trainer kennengelernt. Phuket suchte dann einen Fitnesstrainer und da hat er mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte.

thai-fussball.com: Das ist sehr interessant. Denn wir erhalten auch immer wieder Anfragen von Personen, die gerne im thailändischen Fußball arbeiten möchten. Sei es als Trainer oder Mitarbeiter eines Trainerstabes. Wie man aber auch an dir sieht: man muss vor Ort sein.

Hagen Hübner: Diese Erfahrung habe ich gemacht. Man muss vor Ort sein. Wie gesagt habe ich viele Trainings von Army besucht und dann kommt man halt auch mit der Zeit zwangsläufig ins Gespräch. Natürlich hatte ich auch Glück, dass Phuket einen Fitnesstrainer suchte, denn im letzten Jahr gab es dort keinen.

"Man darf nicht den Fehler machen und Thailand mit Europa vergleichen..."
thai-fussball.com: Es gibt ja nun diverse Touristenziele in Thailand und Phuket ist eines davon. Pattaya ein anderes. Und beide könnten gegensätzlicher kaum sein. Auch was aktuell den Fußball betrifft.

Hagen Hübner: Also ich habe natürlich den neuen Präsidenten Pamuke Achariyachai kennenlernen dürfen. Er ist sehr Phuket verbunden. Und wie Du schon sagtest Phuket war letztes Jahr schon kurz vor dem Aus. Mit ihm hat sich vieles geändert. Das sieht man ja auch daran, welche Spieler verpflichtet worden sind, auch der Trainer. Und natürlich das es jetzt auch einen Fitnesstrainer gibt. Er hat sich auch einfach gesagt: Diese Region muss einfach 1. Liga spielen. Es kann nicht sein, dass Phuket da irgendwo in der Regionalliga spielt.

thai-fussball.com: Kurz vor der Saison habt ihr noch zwei neue Spieler verpflichtet und zwei andere mussten trotz bestehenden Vertrages wieder gehen. Normal für Thailand, ungewöhnlich für westliche Verhältnisse.

Hagen Hübner: Da bin ich bei dir. Man darf aber nicht den Fehler machen und Thailand mit Europa vergleichen, so wie ich es am Anfang auch getan habe. Das kann man hier überhaupt nicht. Meistens sind ja hier nicht mal die Trainer in der Zusammenstellung der Kader involviert. Das macht entweder ein Manager oder ein Präsident. Der sieht dann nach 4-5 Wochen, das sind dann doch nicht die Spieler, die wir wollten und dann werden sie mal schnell ausgeliehen. In Deutschland sichtet man Spieler, bevor man sie verpflichtet. Der Trainer hier muss dann das Beste daraus machen und das macht es für den Trainer natürlich nicht ganz einfach.

Da ist natürlich auch noch Nachholbedarf. Denn es ist natürlich auch Geld, was da ausgegeben wird und das man sparen oder anderweitig einsetzen könnte, wenn man das vernünftiger angeht.

thai-fussball.com: Kommen wir zu Saison. Das Ziel des FC Phuket ist der Aufstieg. Richtig?

Hagen Hübner: Das ist korrekt. Und daran werden auch der Trainer und ich gemessen.

thai-fussball.com: Wie lief die Vorbereitung, war sie zufriedenstellend und wart ihr im Trainingslager. Was habt ihr gemacht?

Hagen Hübner: Wenn man in Phuket ist, hat man das Glück nicht in ein Trainingslager zu müssen. Man hat einen Strand und Berge hier zum trainieren - was für mich ideal ist. Also alles, was man braucht. In 7 Wochen Saisonvorbereitung haben wir gut 65 Trainingseinheiten absolviert. Aus meiner Sicht bin ich sehr zufrieden. Die Kommunikation und Absprache mit dem Trainer ist sehr gut, was ja in Thailand nicht immer selbstverständlich ist. Er hat mir als Fitnesstrainer freie Hand gelassen. Über die Hälfte der Einheiten waren Fitnesseinheiten, der Rest fußballerischer und taktischer Natur. Er hat mich dann bei seinen Einheiten auch immer wieder hinzugezogen und um Rat gefragt. Das alles hat mich doch sehr positiv überrascht.

thai-fussball.com: Wie wurden denn deine Fitness und Trainingsmethoden von den Spielern aufgenommen?

Hagen Hübner: Am Anfang hatte ich etwas bedenken. Denn es gibt ja auch die sprachliche Barriere. Alle sprechen nicht Englisch und mein Thai ist nicht so gut. Ich rechnete daher auch mit größeren Problemen. Aber nach ein paar Wochen hatte sich das eingespielt. Aber das dauert halt. Sie müssen meine Kultur verstehen und ich ihre. So war zum Beispiel die erste Trainingseinheit um 16:00 angesetzt. Ein Deutscher Spieler wäre um 20 vor vier oder um halb vier auf dem Trainingsplatz gewesen. Es war nach vier und es war immer noch kein Spieler da.

Darauf musste ich mich natürlich auch umstellen. Wenn in Thailand gemeint ist, dass um vier Uhr Training ist, dass es erst um halb fünf anfängt. Aber das ist kein Problem für mich. Ich bin jetzt auch immer erst um Viertel nach vier da obwohl 4 gesagt ist.

thai-fussball.com: Verglichen mit dem was Du als Fitnesstrainer gelernt hast, was muss man in Thailand anders machen. Worauf muss man achten. Stichwort Ernährung und Hitze?

Hagen Hübner: Fitness fängt bei Ernährung und beim Schlafen an. Die Spieler tranken immer ganz gern eine Cola zu jedem Essen, das haben wir umgestellt. Ab und zu dürfen sie noch, aber nicht mehr so oft. Es gab beim Training auch immer einen Saft der war so zuckerhaltig, den haben wir komplett vom Plan gestrichen. Die Spieler haben dann auch einen Ernährungsplan von mir bekommen. Und in der Küche vom Camp wird jetzt auch weniger fetthaltig gekocht. Die Jungs habe ich dann natürlich auch selbst in die Verantwortung genommen. Ich kann ja nicht ständig überprüfen, ob sie zu Hause eine Cola trinken.

Bei Auswärtsspielen wurde in der Regel um 12 Uhr mittags gegessen. Pünktlich zum Spiel hatten all wieder Hunger. Jetzt essen wir um 14:00. Dann gab es auch immer Süßigkeiten in der Kabine das wurde jetzt durch Obst ersetzt. Aber das alles passierte natürlich "Step by step". Denn du kannst hier nicht einfach nach Phuket kommen und denken du könntest die Welt verändern.

Was auch ein Riesenproblem gewesen ist: die Spieler waren es gewöhnt sich vor und nach dem Spiel ständig zu dehnen. Das ist auch so ein Streitpunkt in Deutschland. Soll man oder nicht. Aber wir haben uns auf 5-10 Minuten nach dem Spiel geeinigt. Wenn ein Spieler sich jahrelang nach einem Spiel gedehnt hat, soll er dies auch weiterhin tun.

thai-fussball.com: Wie schaut es auf Phuket aus mit Räumlichkeiten für Fitness?

Hagen Hübner: Wir haben hier auf Phuket ein Camp, wo auch manche Spieler schlafen. Auch mir und jedem Trainer steht dort ein Zimmer zur Verfügung. Das ist ganz angenehm, falls man nach dem Training nicht mehr nach Hause fahren möchte. Als ich den ersten Tag dahin kam, war ich auch überrascht. Denn ich kenne auch den Fitnessraum von Thai Port. Aber hier gibt es einen Raum von ca 40-50 qm mit relativ neuen Geräten, mit denen man auch arbeiten kann. Klar kann man da nicht mit dem ganzen Kader reingehen. Aber wir haben da meist drei Gruppen und mit 8 Mann kann man immer angenehm in dem Fitnessraum arbeiten. Sollte es doch mal das ganze Team sein, dann haben wir die Möglichkeit einen Raum im Thanyapura anzumieten.

thai-fussball.com: Wer sind für dich neben Phuket mit dem Ziel Aufstieg, die erklärten Favoriten?

Hagen Hübner: Man sagt ja die Absteiger gehören normalerweise dazu. In Thailand ist das natürlich nicht ganz so einfach vorauszusagen. Weil es ist ja auch in Phuket so das jetzt 15-20 neue Spieler da sind. Das ist natürlich eine große Herausforderung für jeden Trainer da wieder ein Team zu formen. Was man halt auch meistens unterschätzt, die meisten Spieler erhalten 1-Jahresverträge. Die wenigsten erhalten längere Verträge. Das gibt es vielleicht bei Bangkok Glass, bei Muang Thong und Chonburi. In Deutschland verpflichtest du halt 5 neue und das ist schon viel. Bei 15-20 muss es dann hier schon gleich der Aufstieg sein. Ansonsten aber PTT Rayong, BBCU und Sriracha würde ich sagen.

thai-fussball.com: Hast du eine Erklärung für die vielen 1-Jahresverträge?

Hagen Hübner: Das ist eine gute Frage, die ich aber im Moment nicht beantworten kann. Denn es geht ja auch um die Zukunft eines Spielers, da hängen ja auch Familien dran. Meine Erfahrung die ich gemacht habe hier in Thailand, das der schnelle Erfolg an Erster stelle steht und nicht der langfristige. Das ist in Deutschland natürlich anders. Aber wie ich schon sagte, Thailand und Deutschland sind zwei paar Schuhe und man sollte dies auch nicht vergleichen. Und bis Thailand soweit ist wie Europa, das wird noch etliche Jahre dauern.

thai-fussball.com: Plane nie weiter als einen Tag im voraus.

Hagen Hübner: Ja und so war es bei uns dann auch. Ich habe meine Vorbereitung geplant, aber ich weiß nicht wie oft ich meinen Trainingsplan umschreiben musste, weil wir am nächsten Tag zu Schulen gegangen sind, um uns da sehen zu lassen und Werbung zu machen. Das war dann natürlich auch schwierig. Aber ich dich denke das haben wir trotz allem ganz gut hin bekommen.

"Ich hatte in den zwei Monaten Vorbereitung kaum einen Tag wo ich mal raus bin, Freizeit hatte..."
thai-fussball.com: Weil du gerade die Promotion angesprochen hast. Es gibt also Bestrebungen seitens des Vereins mehr Leute ins Stadion zu holen?

Hagen Hübner: Auf jeden Fall. Da gibt es zum Beispiel auch Bestrebungen, dass die Mannschaft nach einem Spiel auch in das Lokal geht, wo die Fans sind und ihnen für 2-3 Stunden zur Verfügung steht. Prinzipiell ist aber viel Luft nach oben und wir haben auch viele Promotion-Termine wahrgenommen. Und wir waren ganz speziell in vielen Schulen.

thai-fussball.com: Weißt du denn aktuell, wie es beim FC Phuket ausschaut mit dem Nachwuchs?

Hagen Hübner: Also wir haben schon ein paar junge Kicker da. Ein junger Spieler, er wird vermutlich dann auch im Kader sein, war auch schon für zwei Wochen auf Schalke. Ein richtig guter Kicker. Er hat die Vorbereitung mitgemacht und er muss halt jetzt den Spagat schaffen zwischen Schule und Training. Er ist schon sehr europäisch in seiner Einstellung. Er ist immer pünktlich, er ist diszipliniert. Man merkt schon auch, dass er in Deutschland war, wo er auch bei Jens Keller übernachten durfte.

Hinter unserem Platz gibt es Kinder die trainieren, aber von Akademie kann man nicht sprechen. Da gibt es auf Phuket wie bei ganz vielen anderen Vereinen sehr viel Nachholbedarf in den nächsten paar Jahren. Denn in Deutschland ist es ja auch so, ohne Talente geht es nicht. Du kannst ja nicht laufend Spieler kaufen.

thai-fussball.com: Fitnesstrainer bei einem Fußballverein auf Phuket hört sich traumhaft an. Wie viel Freizeit hattest Du bisher?

Hagen Hübner: Ich hatte in den zwei Monaten Vorbereitung kaum einen Tag wo ich mal raus bin, Freizeit hatte und Phuket kennenlernen konnte. Ich kenne nur den Sportplatz und das Camp, wo ich meist wohne. Aber wenn die Saison mal läuft, hoffe ich auch mal in das ein oder andere deutsche Restaurant gehen zu können um ein wenig die Werbetrommel für den Verein zu rühren.

thai-fussball.com: Hagen, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

Wie Eingangs erwähnt, wurde das Gespräch kurz vor Saisonbeginn aufgezeichnet.
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