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Futsal-WM: Eröffnung auf der Baustelle?

Futsal-WM 2012 Model der Bangkok Futsal Arena

Model der Bangkok Futsal Arena
Bild: © thai-fussball.com

Die Schatten welche die Futsal-WM 2012 wirft werden immer kürzer. Noch 50 Tage verbleiben bis zu dem geplanten Eröffnungsspiel in der Bangkok Futsal Arena. Dem einzigen Neubau für die WM statteten wir einen Besuch ab, und waren ernüchtert.

Mit heutigem Stand sind es noch genau 50 Tage bis zur Eröffnung der Futsal-Weltmeisterschaft in Thailand. Aus diesem Anlass wird im Osten Bangkoks eine neue Mehrzweck-Halle gebaut, in der unter anderem die Eröffnungspartie und auch das Finale stattfinden sollen. Veranschlagt wurden für das ganze Projekt inklusive Infrastruktur 1,3 Mrd. Baht (ca. 32.5 Mio Euro). Begonnen wurde mit der Errichtung des Gebäudes, das ca. 12.000 Zuschauern Platz bieten soll, im Januar dieses Jahres.

Beim gestrigen Besuch der Baustelle musste von uns allerdings festgestellt werden, dass es selbst bei aller Liebe illusorisch ist, dass dort bereits im November Spiele ausgetragen werden können. Das ganze Gebäude befindet sich derzeit noch im Rohbau. Es gibt noch kein Dach, die Außentreppen, über die man die einzelnen Ebenen erreicht, sind noch nicht fertig und auch das Spielfeld wurde noch nicht angelegt.

Davon abgesehen nimmt bekanntlich vor allem der Innenausbau mit den Medienanschlüssen und der Stromverkabelung viel Zeit in Anspruch. Obwohl rund um die Uhr in Schichten gearbeitet wird, muss man kein Experte sein um festzustellen, dass eine Fertigstellung vor Beginn der WM nicht in Frage kommt. Des Weiteren ist das ganze Gelände um die Halle derzeit voller Schlammberge und Baumaterialien.

Zwar hat man beim neuen Stadion von Chiang Rai United gesehen, dass Thais recht unpragmatisch sein können. Da wird zur Not auch über Bauschutt geklettert und man setzt sich statt auf Plastiksitze auch auf Zementsäcke, Zeitung drunter, geht schon. Bei der WM sind aber nicht nur Thais anwesend und Thailand als solches möchte sich gerne in ein Schaufenster stellen. Natürlich sitzen auch Thais lieber auf sauberen Sitzen.

Nur, wie will man die ausländischen Gäste über den Schlamm jagen? Von den Sicherheitsaspekten mal ganz abgesehen. Für ein internationales Sportereignis sollte das ganze doch auch etwas schick sein, mit Begrünung und gepflasterten Wegen, schließlich will man auch mal mit dem einen oder anderen Besucher ins Gespräch kommen.

Auch die FIFA trägt Mitschuld

Bei unserer Besichtigung, wo es wie üblich in Thailand völlig unkompliziert war, als Fremder auf das Gelände zu gelangen (einer fragte sogar, ob wir von der FIFA sind), konnten wir uns kurz mit einem der Ingenieure unterhalten. Irgendwie schien er leicht konsterniert zu sein, man spürte aber auch, dass ein Aufgeben für keinen der Beteiligten in Frage kommt. Man will bis zur letzten Sekunde alles geben, um vielleicht doch noch ein Wunder zu vollbringen.


Bangkok Futsal Arena, September 2012

Die Bangkok Futsal Arena im Bau
Bild: © thai-fussball.com

Der Ingenieur meinte: man brauche als Zuschauer zur Eröffnungsfeier zwar keinen Farbeimer mit bringen, solle sich aber nicht an die Wände anlehnen... Für ihn liegt die Verzögerung weniger an der Flut letztes Jahr, sondern an unfähigen Politikern. Immerhin kann man hier nicht den Thais allein die Schuld geben, sondern muss den Schwarzen Peter wohl zu großen Teilen der FIFA zuschieben. Diese hat vor der WM-Vergabe im Juli 2010 offenbar den Standort Thailand nicht ausreichend auf Machbarkeit untersucht.

Thailand wollte einige Spiele in der bereits vorhandenen Impact Arena austragen, die ebenfalls mindestens 10.000 Zuschauer fasst. Von der FIFA wurde dies ein paar Monate nach der WM-Vergabe abgelehnt, da sie die Halle als nicht zuschauerfreundlich genug empfand. Bei allen Dingen, die in Sachen Schlendrian über Thais gerne gesagt werden, muss man dennoch feststellen, dass es eine Leistung ist, dass die Halle so zügig geplant und in Angriff genommen wurde und auch die Gelder relativ zügig freigegeben wurden. Auch in Deutschland dürfte so ein Projekt kaum schneller ausgeführt worden sein.

Plan B?

Für eine von der Größe her vergleichbare Arena, wie die SAP-Arena in Mannheim wurden 3 Jahre Bauzeit benötigt. Die Errichtung der Basketball-Arena zu den Olympischen Spielen in London, die jedoch wieder abgebaut werden kann, dauerte 15 Monate. An der olympischen Handball-Halle „Copper-Box“ wurde knapp 2 Jahre gewerkelt. Da Thais bekanntlich Weltmeister im Improvisieren sind, darf man gespannt sein, ob es einen Plan B gibt und wie der aussieht.

Neben den beiden anderen Austragungsorten in Bangkok, dem Nimibutr-Gymnasium und der Indoorhalle Hua Mark, könnte nun auch wieder die Impact Arena auf die Agenda kommen, wo regelmäßig die "Thailand Open" ausgetragen werden oder aber die etwa 3.000 Zuschauer fassende Halle im Thai-Japanese-Stadion.

Bei der Werbung, die das Nationale Organisationskomitee um Suwat Liptapanlop derzeit macht, reicht am Ende diese weitaus kleinere Halle vielleicht sogar aus. Die Promotion für die WM beschränkt sich in Bangkok nämlich nach wie vor auf 50 Tuk Tuks, die mit dem WM-Logo durch die Millionen-Metropole fahren, Aufkleber im Innenraum des Skytrain über den Türen, zwei Überdimensionale Bälle (einer in Bangkok und einer in Nakhon Ratchasima aufgestellt), sowie auf die beiden Spiele Thailands gegen Spanien im Rahmen der WM-Auslosung vor 3 Wochen.

Gespannt sein darf man auch, wie es mit den Tickets geregelt wird, wenn man nicht in der neuen Futsal-Arena spielt. Vielleicht hat man ja nicht ohne Grund noch nicht alle Plätze im Vorverkauf freigegeben.

Bangkok Futsal Arena, September 2012

Bild: © thai-fussball.com

Bangkok Futsal Arena, September 2012

Bild: © thai-fussball.com

Bangkok Futsal Arena, September 2012

Bild: © thai-fussball.com

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