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FIFA-Ethikkommission sperrt Makudi kurz vor FAT-Wahl

Thailändischer Verband Worawi Makudi

Worawi Makudi (2012)
Bild: © thai-fussball.com

Das kam etwas überraschend. Nach den beiden Schwergewichten im Weltfußball, Sepp Blatter und Michael Platini, hat die FIFA nun auch Thailands Verbandspräsidenten Makudi für 90 Tage gesperrt. Und das kurz vor der neuen Verbandswahl.

Im Frühjahr verlor Worawi Makudi seinen langjährigen Posten im FIFA-ExCo-Komitee. Im Juli wurde er vom Bangkok Criminal Court für schuldig befunden Dokumente für die Verbandswahl 2013 gefälscht zu haben und bekam 16 Monaten auf Bewährung (Einspruch läuft noch; d. Red). Im August wollte er sich auf der Tagung der AFF zum Chef des regionalen Verbandes wählen lassen. Zog am Vorabend aber überraschend seine Kandidatur zurück.

Kein wirklich gutes Jahr für den Mann der 18 Jahre lang Ex-Co-Mitglied bei der FIFA war. Dem man schon mehrfach Korruption und Veruntreuung von Geldern vorgeworfen hat, der sich aber immer wieder rauswinden konnte. Das brachte ihm nicht zuletzt den Spitznamen Teflon-Worawi ein.

Nun also die Suspendierung durch die FIFA. Die Entscheidung wurde entsprechend Artikel 83; § 1 des FIFA-Ethikcode getroffen, nachdem es Grund zur Annahme gibt, dass der Ethikcode von Worawi Makudi gebrochen worden sein könnte. Das Ethikkomitee ermittelt nun und ein Grund für die Suspendierung will die Kommission erst nach Abschluss der Untersuchungen und eines möglichen Urteils verkünden.

Im Kern der Untersuchung durch die Kammer unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert steht aber wohl die Vergabe der beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Die 90-tägige Sperre des Komitees der FIFA tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Noch am gleichen Abend gab es ein kurzes Statement von Worawi Makudi: "Ich bin nicht schuldig. Ich werde dagegen Einspruch erheben. Was ich getan habe, war absolut legal." so der 63-Jährige gegenüber der französischen Presseagentur AFP.

Aktenkundig ist bereits der allseits bekannte Versuch des Thai FA Bosses, England zu einem Länderspiel in Thailand zubewegen, und im Gegenzug für seine Stimme für die WM-Bewerbung des Mutterlands des Fußballs, die TV-Rechte an der Partie zu erhalten. Übrigens: 2004 fand in Bangkok das bisher letzte Länderspiel einer deutschen Elf gegen Thailand statt. Das tat der DFB damals sicher nicht aus Nächstenliebe und wegen der guten Beziehungen zum Land des Lächelns. So kurz vor der WM im eigenen Land. Untersuchungen zur WM-Vergabe 2006 würden sicherlich wenig erfeuliches für den DFB zutage fördern.

Makudi und Blatter 2012

Makudi & Blatter (2012)
Bild: © thai-fussball.com

Das eigentlich Pikante an der Sperre von jeglichen Aktivitäten im Fußball, international wie national: Für den 17. Oktober 2015 ist die Wahl zum Verbandspräsidenten in Thailand angesetzt. Hier wollte er sich für eine fünfte Amtsperiode zur Wahl stellen. Und diesmal geht es erstmals um eine Amtszeit von vier Jahren, nachdem diese an die von der FIFA vorgegebenen Standards angepasst wurde. Bisher sah die nationale Regelung der SAT (Sport Authotity of Thailand) und des Sportministeriums nur eine Amtszeit von 2 Jahren vor. Was im Vorfeld der Wahlen 2013 zu heftigen Debatten führte.

Makudi hat 2015 zwei Gegenkanditen, die ihm gegenüber aber fast chancenlos sein dürften. Der eine ist Thavatchai Sajakul. Er war Teammanager des Dream-Team in den 90ern, allen voran mit dem heutigen Nationaltrainer Kiatisuk Senamuang als damaligen Kapitän und Spieler.

Auf einer vorbereitenden Sitzung zur Wahl 2015 im September hat Thavatchai Sajakul seinem Makudi erneuten Betrug und Vorteilsnahme hinsichtlich Stimmberechtiger Mitglieder vorgeworfen. Sein Gegenspieler hat ihn daraufhin, wie üblich, mit einer Verleumdungsklage überzogen. In Höhe von 20 Millionen Baht.

Pisan Jundilok, der dritte Kandidat im Rennen, ist ein regionaler Polizeichef. Das Bild der thailändischen Polizei ist in der Öffentlichkeit bekanntlich ohnehin kein Gutes, zudem fehlt ihm jeglicher Stallgeruch.

Für seine Wiederwahl hat Makudi, abgesehen von etwaigen Allianzen mit den 72 Stimmberechtigten (Fußball) Vereinen, zuletzt durchaus Argumente sammeln können. Oberflächlich gesehen. Denn was zählt sind die Ergebnisse und die werden aktuell geliefert. Alle verfügbaren Titel Südostasiens sind in der Hand Thailands. Von den Senioren der Herren und Frauen über die Jugendmannschaften bis hinab zur U-16 und im Futsal sowieso. Dazu fällt die erste Teilnahme einer Elf an einer WM in seine Amtszeit, die Frauen 2015, und das - noch - gute Dastehen der Herrenmannschaft in der aktuellen Qualifikation zur WM 2018 und der Asienmeisterschaft 2019, die sich anschickt, erstmals seit 2007 wieder bei einem Asian Cup dabei zu sein.

Den dicksten Brocken hat er aber vor 2 Wochen ins Rennen geworfen. Wie schon 2013 kurz vor der Wahl wurde auch 2015 ein neuer TV-Vertrag mit True Visions über die TPL Ltd. für die TPL und in Zusammenarbeit mit Siam Sport, abgeschlossen. Mit 1,8 Milliarden Baht. Diesmal erneut eine Rekordsumme.

Würde die Wahl tatsächlich wie geplant am 17., aber ohne Worawi Makudi, über die gehen, könnten dies nachhaltig so einiges im thailändischen Fußball verändern. Aufgrund der kurzen Zeit bis zur Wahl wäre zum Beispiel Buriram United Präsident Newin Chidchob nicht in der Lage einem ihm wohlgesonnen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Wenn er es denn wöllte. Gleichzeitig gibt es in Thailand das inzwischen schon fast geflügelte Wort: Muang Thong ist die Thai FA. Der dreimaligen Meister wurde einst von Makudi gegründet und ist im Besitz des größten Sportmedienkonzerns des Landes, Siamsport. Die Firma ist eng verbunden mit Makudi. Sollte Siamsport aufgrund einer Nichtwiederwahl von Makudi aus der Vermarktung des Thai Fußballs aussteigen, wäre das ein herber Schlag.

Und noch was: zusammen mit TPL-Präsident Ong-art, ebenfalls auf Bewährung verurteilt, hält er 70% der Anteile an der Thai Premier League Ltd.

Doch offensichtlich denkt der bei den Fans überhaupt nicht beliebte Präsident, mit keiner Minute daran, dass die Wahl ohne ihn stattfinden könnte. AFP teilte er mit, dass er seine Kandidatur aufrechterhalten werde und die Wahl geht. Ein anderes Szenario wäre die Verschiebung der Wahl um 90 Tage. Wie "Matichon-Online" berichtete, sei eine Verschiebung der Wahl sehr wahrscheinlich.

Sehr gut möglich also, dass hinter den Kulissen in den kommenden Tagen noch einmal heftigst Strippen gezogen und alle Hebel der jeweiligen Seiten in Bewegung gesetzt werden.

FIFA-Ethikkommission sperrt Makudi kurz vor FAT-Wahl

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