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Die heiligen Hallen des thailändischen Fußballs

Abseits des Platzes - Report Fußballmuseum Thailand

Das Museumsgebäude
Bild: © thai-fussball.com

England hat es, Japan hat es und sogar Thailand hat bereits, was Deutschland erst ab 2014 haben wird: Ein nationales Fußballmuseum. So verblüffend es sein mag, dass der DFB erst ab dem nächsten Jahr ein solches sein eigen nennen wird, umso überraschter waren wir, dass es so etwas in Thailand schon gibt und statteten dem Ort einen Besuch ab.

Sicher ist das "Museum of Siam Football Team" wie es sich nennt, nicht mit denen in England, Japan oder dem kommenden in Deutschland zu vergleichen. Es ist dennoch, zusammen mit dem Areal, auf dem es sich befindet, einen Tagesausflug wert. Anders als zu vermuten, befindet sich das historische Zentrum des thailändischen Fußballs nicht in Bangkok, wo der Verband vor 97 Jahren gegründet wurde. Auch nicht in unseren Büros, wo die Zahl an Sammlerstücken stetig steigt. Sondern eine gute Autostunde westlich der Metropole im beschaulichen Nakhon Pathom, das eher für den höchsten buddhistischen Tempel der Welt bekannt ist.

Die Anreise

Von Bangkok aus ist die Stadt am leichtesten mit einem Mini-Van zu erreichen, sofern man ein Gefährt nicht sein eigen nennt. Für 60 Baht lässt man sich dann vom Victory Monument im Herzen Bangkoks zum BIG C in Nakhon Pathom fahren. Angekommen, warten dort bereits die notorischen Mopedtaxis auf Kundschaft und sind uns sehr willkommen. Das Museum befindet sich auf dem Gelände des Sanam Chandra Palastes der von König Vajiravudh, Rama VI, errichtet und als Residenz genutzt wurde. Die Wahl des Ortes kommt nicht von ungefähr. Denn es war Vajiravudh, der in Oxford studierte und 1916 den thailändischen Fußballverband gründete.

Also einmal kurz auf den Rücksitz geschwungen und nach einer Fahrt von gut 10-15 Minuten mitten durch die Stadt, vorbei am Phra Pathom Chedi, ist man auch schon da. Der Eintritt auf das Gelände beträgt 60 Baht für Ausländer und beinhaltet auch den Besuch des Museums. Dieses findet sich gleich linker Hand hinter dem Eingang. Wer aber erst einmal ein paar Meter weiter läuft wird von der Schönheit der Anlage und der zu sehenden Gebäude erfasst. Ein schöner grüner Park tut sich vor einem auf, mit einem im westlichen Stil erbauten und einem Schloss ähnelnden Bauwerk. Spätestens jetzt sieht man, dass sich ein Besuch nicht nur wegen des Fußballmuseums lohnt.

Das Museum

Die Idee zu einer Heimat für den thailändischen Fußball wurde 2002 am Rande einer Ausstellung zu Ehren Rama VI. geboren. Der "Verband für Fußballgeschichte" hat eine große Anzahl an Mitgliedern, darunter viele Fans und auch ehemalige Nationalspieler. Diese äußerten den Wunsch eine geeignete Stätte zu finden, wo diverse Erinnerungsstücke aufbewahrt und ausgestellt werden könnten. Der Verband fragte daraufhin um Erlaubnis ein Grundstück auf dem Gelände des Palastes nutzen zu können. Doch erst 5 Jahre später, zum 100-Jährigen Jubiläum der Anlage in Nakhon Pathom, öffnete das Museum zum ersten Mal seine Pforten.

Thai-Fußballteam 1915

1915: König Rama VI in der Mitte

Untergebracht im Gebäude Namens "Tap Kaew" ist das Museum hauptsächlich in zwei Sektionen unterteilt. Eine besteht aus Bildern, die König Vajiravudh selbst machte und später dem Fußballteam der Suankularb-Wittayalai-Schule überließ. Das Überlassen der Bilder führte übrigens dazu, dass eine ganze Reihe von Schulen begann, Fußball-Mannschaften zu gründen. Auf ironische Weise könnte dies einer der Gründe für die fehlende Vereinskultur in Thailand, wie wir sie aus Europa kennen, der damit einhergehenden Verwurzelung in der Gesellschaft und das Fehlen einer Jugendliga sein. Letzteres wird behindert durch Schulen, die nach Wettbewerb untereinander streben.

Doch auch am Hofe des Königs rollte der Ball, gerne auch zur Unterhaltung des Monarchen selbst. So verwundert es nicht weiter, dass sich bis in die 90er Jahre hinein das Königliche Haushaltsbüro als Mannschaft in den Liga-Annalen finden lässt. Die angesprochene Suankularb-Wittayalai-Schule übrigens, wurde 2mal thailändischer Meister: 1928 und 1929. Ebenfalls dokumentiert finden sich im Museum die Namen der ersten Nationalspieler in der Ära unter König Vajiravudh.

Auch Pelé ist hier

Der interessanteste Teil des Museums findet sich ohne Zweifel in der anderen Sektion. Beim Betreten des Gebäudes trifft man auf diese auch als erstes. Hier lassen sich etliche Vitrinen mit allerlei Devotionalien finden - Trikots, Eintrittskarten, Medaillen sowie Programmhefte und Bilder von diversen nationalen Fußballhelden. Besonders imposant ist ohne Zweifel die Trikotsammlung die von den Anfangsjahren der Nationalelf bis hin zur heutigen Zeit reicht. Beim Anblick der Trikots mit  dem Sparkassen-S und dem Logo des 1. FC Saarbrücken sollte man sich nicht am falschen Platz wähnen. Diese sind Leihgaben von Witthaya Loahakul, dem Trainer von Chonburi. Ende der 80er schnürte er seine Töppen für die Hertha und den FCS. Einige Museumsstücke, darunter auch die Trikots von Heang, wurden auch bei der Thailand Fussball Expo Anfang 2011 gezeigt.

Und wer weiß schon, dass Thailand bisher 2-mal an olympischen Fußballturnieren teilgenommen hat? 1956 und 1968 war dies letztmals der Fall. Zwar fuhr man jeweils ohne Punkterfolg wieder nach Hause, doch die Helden finden sich hier verewigt. Im oberen Stockwerk findet man außerdem in einem Glasschrank einen alten Spielball, der die Unterschrift Pelés trägt. 1972 weilte nämlich der FC Santos zu einem Freundschaftsspiel in Thailand und trat gegen den heutigen Drittligisten Raj-Pracha FC an in dessen Reihen damals gleich acht thailändische Nationalspieler standen.

Thai-Fußballteam 1915

Blick in das Museum
Bild: © thai-fussball.com

Insgesamt macht das Museum einen etwas hausbackenen Eindruck und hat an einigen Stellen eher den Touch eines angestaubten Heimatmuseums, wo Häkelmuster gezeigt werden. Studierte Museologen hätten hier aber eine dankbare Aufgabe vor sich. Das Museum kommt auch eher als "Museum der Nationalmannschaft" daher und die Geschichte der Thai-Liga sowie der von Jugendteams und auch dem Futsal wird fast komplett ausgeblendet. Dabei wären Bilder von früheren Meisterteams oder einstigen Erfolgen in der Championsleague sicherlich auch sehr interessant. Außerdem war Thailand in den 90er Jahren auch 2-mal bei einer U-17 WM dabei.

Dafür werden vom Museum aber regelmäßig thaisprachige Magazine herausgegeben, in denen auch zum Teil auf das Geschehen in der Liga eingegangen wird. Diese kann man am Eingang erwerben und da der Besucherandrang nicht allzu groß ist, sollten sich nach wie vor einige der frühen Ausgaben ergattern lassen.

Die Amtssprache im Museum ist natürlich nicht Englisch. Nur wenige ausländische Touristen dürften sich nach Sanam Chandra verlaufen (wir haben an dem Tag jedenfalls keine Sichten können) und noch weniger dem Ort einen Besuch nur wegen des Fußballs abstatten. Dies ist umso bedauerlicher, als dass Leiter Chirat Chanthasane einem Unmengen an Geschichten zu den ausgestellten Stücken erzählen könnte und stundenlanges Fachsimpeln angesagt wäre.

Der Sanam Chandra Palast hat jeden Tag von 9:00 bis 16:00 geöffnet. Ganz wichtig: Die Eintrittskarte sollte jeder bis zum Ende bei sich behalten. Sie muss bei Betreten jedes Gebäudes, das sich auf dem Gelände befindet vorgezeigt werden und wird auf der Rückseite abgestempelt.

Der Chedi und Live-Fußball

Für Fußballfans oder Groundhopper die eine Interesse an weniger überlaufen Touristenorten haben, sich für Architektur und die Geschichte Thailands begeistern können und interessieren, ist ein Ausflug nach Nakhon Pathom schon fast Pflicht. Auch weil auf 90 Minuten Live-Fußball nicht verzichtet werden muss, eine gute Planung vorausgesetzt.

Nach Besichtigung des Palastes, für den man gut drei Stunden einplanen sollte, will man alle Gebäude ausführlich in Augenschein nehmen, plus eine weitere Stunde für das Fußballmuseum, kann man sich in Richtung Big Chedi aufmachen. Kurz ein Bild gemacht fürs Festplatten-Erinnerungsalbum und weiter geht es zum Stadion von Nakhon Pathom United. Dazu nimmt man den gleichen Weg zurück, fast bis bis zum Big C, an dem man angekommen ist. Und von da aus sind es noch einmal 10 Minuten bis zum Stadion. Spielt das Wetter noch mit, hat man einen fantastischen Tag vollbracht.

Für diejenigen, die generell an Sportmuseen Interesse haben, denen sei an dieser Stelle noch eine Ausstellung in Bangkok empfohlen. Im Inneren des Rajamangala-Nationalstadion befindet sich das Museum des nationalen Sportverbandes (SAT) der sich mit Erfolgen und der Geschichte des Sports in Thailand im Allgemeinen beschäftigt.

Ball mit Unterschrift Pele's

Der Ball mit der Unterschrift Pele's
Bild: © thai-fussball.com

Videoraum

Sogar einen Videoraum gibt es
Bild: © thai-fussball.com

Sanam Chandra Palace

Blick in den Park des Geländes
Bild: © thai-fussball.com

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