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Björn Lindemann über Jena, Thailand und die neue Lust am Fussball

Abseits des Platzes - Interview Björn Lindemann

Björn Lindemann (mitte)
Bild: courtesy Army United

Der Deutsche Björn Lindemann ist einer der Neuzugänge bei Army United  in der Thai Premier League und somit quasi der erste Profi aus Deutschland in der TPL. Kurz vor seiner Abreise nach Thailand hatten wir Gelegenheit mit Ihm zu sprechen.

Es ist nur wenige Wochen her, dass Björn Lindemann sich entschieden hat dem Fussball in Deutschland den Rücken zu kehren. Sein erster Auslandsaufenthalt führt Ihn nach Thailand, zum Armeesportverein Army United. Bekannt ist Lindemann den deutschen Fussballfans vor allem aus seiner Zeit beim SC Paderborn und VfL Osnabrück. In unserem Exklusiv Interview spricht er über seine Zeit in Jena und wie er in Thailand die Lust am Fussball wieder gewonnen hat. Schäfer, Brasas. Alles Interviews die wir in der jüngeren Vergangenheit geführt hatten. Lindemann? Das fühlte sich anders an. Lebemensch, Fanliebling in Osnabrück. Lindemann ist überraschend offen und erfrischend anders.

thai-fussball.com: Dein Agent hat dir vorgeschlagen es in Thailand zu versuchen. Wie war deine Reaktion darauf?

Björn Lindemann: Die erste Reaktion war Überraschung, denn unter Fussball in Thailand konnte man sich nicht so viel vorstellen. Wir haben das Ganze dann im Detail besprochen und am Ende wurde es immer Konkreter. Ich war sehr positiv überrascht nach dem ich das erste Mal da war.

thai-fussball.com: Wie lange warst du vor Ort und wie lange hast Du mit dem Verein trainiert? Eine Woche?

Björn Lindemann: Ja, eine Woche. Zunächst war geplant, dass ich mir das Ganze anschaue, Training und Umgebung. Nach absolviertem Medizincheck habe ich direkt das erste Freundschaftsspiel mitgemacht und auch mittrainiert. Insgesamt war ich 10 Tage da und habe noch den Saisonabschluss miterlebt.

thai-fussball.com: Mit Daniel Blanco wirst Du einen Mitspieler in deiner Mannschaft haben, der in Deutschland gespielt hat.

Björn Lindemann: Also ich habe ihn mal direkt darauf angesprochen und er hat gemeint es muss ein Fehler sein. Er hat nie in Deutschland gespielt, sondern nur in Italien, Argentinien und Zypern. Ich hatte natürlich auch auf transfermarkt.de nachgesehen, aber das muss wohl ein Fehler sein.

thai-fussball.com: Du bist quasi der erste deutsche Profi in der Thai Premier League. So etwas wie ein Wegbereiter. Freut dich so was, ist das ne coole Sache für dich und gehst Du entsprechend an die Sache ran?

Björn Lindemann: Natürlich. Es bereitet mir sehr viel Freude. Es kommen auch aus dem Bekanntenkreis viele Fragen dies bezüglich. Ich kann auch bislang nur Positives sagen. Der Klub hat sich super um mich gekümmert. Auch jeder Spieler, mit dem ich bis jetzt gesprochen habe, hatte nur Positives zu erzählen. Es ist auf jeden Fall ne tolle Alternative. Die Trainingsbedingungen sind super, wenn auch nicht wie in der Allianz Arena oder Vergleichbarem. Thailand ist absolut 'ne Sache, die man in Erwägung ziehen kann.

thai-fussball.com: Dein neuer Verein ist ja nun ein Armeesportverein, was in Deutschland eher verpönt ist und auf dem Gelände des Army Stadions wimmelt es von Soldaten. Du hast damit vermutlich überhaupt kein Problem oder Berührungsängste?

Björn Lindemann: Nein überhaupt nicht. Da war auch immer einer von den Bossen des des Vereins in Uniform dabei (Manager Gen. Adulyadej Inthapong, d. Red.) und hatte immer ein Trikot des Vereins an. Er war super nett. Wenn ich in das Stadion gegangen bin war immer einer da, der stillgestanden ist und mich gegrüßt hat. So was sieht man in Deutschland halt nicht. Das ist einfach cool und 'nen geiles Erlebnis.

"...als Heiko Weber noch da war, war die Situation eigentlich noch recht gut..."
thai-fussball.com: Laut den Medien in Thailand bist du der höchst bezahlteste Spieler in der Vereinsgeschichte, ohne hier eine Zahl nennen zu wollen. Bedeutet dies auch einen gewissen Druck für dich? Oder sagst Du einfach, ich bin das wert?

Björn Lindemann: Schwer zusagen. Aber als Spieler sagst du nicht man nimmt das Geld nicht an. Der Klub hat mir ein Angebot gemacht, da gab es nichts zu verhandeln. Und es ist ein Vertrag, den Du, vergleichbar mit Deutschland, nicht bekommen wirst. Ich habe dann auch mit meiner Freundin darüber gesprochen. Nach nur wenigen Tagen in Thailand ist ihr aufgefallen, dass ich glücklicher bin, als zuletzt in Jena und Sie hat mir geraten es zu machen.

thai-fussball.com: Apropos Jena. Du hast zuletzt in der 2. Mannschaft von Jena gespielt und Patrick Sander hat dir mitgeteilt, dass er nicht mehr mit dir plant. Zudem gab es diesen einen Vorfall in Jena, auf den wir jetzt nicht näher eingehen wollen. Aber wie bist du mit der Situation umgegangen? Hat es einfach nicht gepasst in Jena?

Björn Lindemann: Zunächst muss man sagen, dass mich meine Freundin sehr unterstützt hat in der Zeit in Jena und sie wird auch mit nach Thailand kommen. Zu der Zeit als Heiko Weber noch da war, war die Situation eigentlich noch recht gut. Ich war zwar meist auf der Bank, was aber damit zusammenhing, dass die Mannschaft schon in der Saison war. Ich habe dann im Training aufgeholt und war relativ fit. Vielleicht einfach zu fit. Dann kam der Trainerwechsel und es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich daran dachte, mit Fussball aufzuhören. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Es hat einfach nicht mehr gepasst und ich habe mich einfach nicht mehr wohlgefühlt.

Björn Lindemann

Lauftraining
Bild: courtesy Army United

Es war eine sehr sehr schwierige Zeit und ich habe mir gesagt bevor ich mit Fussball aufhöre möchte ich gerne noch mal ins Ausland gehen. Da kam mir Thailand ganz recht. Als ich dort war, hat mir auch alles wieder Spass gemacht. Aufstehen und zum Training gehen, Extraschichten zu schieben. Das hat mir noch mal neuen Schwung gegeben. Wer mich kennt, weiß das Ich immer 100% gebe, egal wo ich spiele. Ich hasse verlieren und will immer gewinnen. Darum macht es mir auch nichts aus ob ich jetzt in der Oberliga oder Kreisliga spiele.

thai-fussball.com: Das mit den Extraeinheiten ist interessant. In deutschen Medien liest man meist nur über den Lebemensch Lindemann. Insofern kann man dann ja positiv sagen dass du, dass Eine mit dem Anderen ausgleichst?

Björn Lindemann: Ja natürlich bin ich auch ein Lebemensch aber es ist ja nicht nur so. Deswegen habe ich auch keine große Lust mehr in Deutschland zu bleiben. Da hast du dann einfach mal deinen Ruf weg. Viele meiner Trainer können sicher bestätigen, dass ich immer 100% gegeben habe. Ich glaube es gab auch mal ein Interview vom Heiko Weber, wo er sagt; der Lindemann hat immer überragend trainiert aber es im Spiel leider nicht ummünzen können. Aber gut, wenn Jena unten steht, ist es natürlich auch immer schwer für jeden Einzelnen.
Aber nichtsdestotrotz, ich liebe diesen Sport. Ich habe ihn nicht umsonst gewählt. Mich hat niemand dazu gezwungen, Profi zu werden. Wenn ich auf dem Platz stehe, habe ich Spass. Klar stell ich mich manchmal auch blöd beim Lauftraining an, aber ich mache die Arbeit, weil es mein Job ist. Ich hatte in den vergangen 5 Jahren fast immer mit die besten Laktatwerte. Ich bin aber auch nicht der Typ der diskutiert oder streitet. So wie das auch bei Sander war, der mich in die 2. Mannschaft schickt. Da diskutier ich dann nicht so wie andere oder suche Streit. Da bin ich dann jemand der sich in den Dienst der Mannschaft stellt.

Warum soll ich dann Druck über die Presse machen. Wenn es die Entscheidung des Trainers ist oder des Vereins muss ich das akzeptieren. Sie haben das Recht dazu. Trotzdem find ich es immer schade, wenn die Zeitungen dann schreiben, wenn irgendwas nicht passt, dann ist halt dieses oder jenes Schuld. Aber keiner kommt zu mir und fragt mich: Herr Lindemann was ist denn da los? Den Spass an meinem Job habe ich in Deutschland zuletzt vermisst. Und in der 3. Liga herrscht sowieso ein Profigetue wie in der Bundesliga. Dabei ist es im Endeffekt so, dass du für ein paar Euro weniger in der Bezirksliga spielen kannst, 'nen regulären Job hast und auch weniger Stress.

thai-fussball.com: Nach meiner ersten Einschätzung kann ich Dir schon mal sagen, dass du dich mit Sicherheit sehr gut in die Community der ausländischen Spieler in Bangkok einfügen wirst. Ich persönlich kenn dich natürlich nur aus dem Fernsehen und den Pokalschlachten, die Du mit Osnabrück geschlagen hast...

Björn Lindemann:...die waren auf jeden Fall sensationell. Tobias Nickenig schickt mir heute noch Bilder von damals, weil es einfach eine geile Zeit war. Es geht nicht immer um das Geld. Es geht auch um das Menschliche und Teamgeist. Und das macht sehr viel aus.

"Wozu bin ich denn da, wenn ich nicht die Kultur und Leute kennenlernen will?"
thai-fussball.com: Zurück zu Army United. Wie bist Du von Verein und Trainer aufgenommen worden?

Björn Lindemann:Zu Anfang wollte der Trainer nichts von mir wissen oder konnte nichts mit mir anfangen. Was aber vollkommen legitim ist. Nach dem ersten Spiel haben wir uns dann unterhalten und alles war Gut. Es ist halt auch etwas anderes als in Deutschland das kann man nicht vergleichen. Es ist vieles Entspannter aber es sind trotzdem die gleichen Trainingseinheiten wie in Deutschland. Mit 2-3 Thailändern hatte ich schon Kontakt und mit den ausländischen Spielern sowieso. Wir haben uns super verstanden. Wir wohnten alle in dem gleichen Gebäude, da ist auch keiner, der irgendwie doof guckt oder so.

Es ist alles sehr relaxed, alle sind gut drauf. Es macht ja wirklich Spass da zum Training zu gehen. Es ist immer schönes Wetter, du hast Spass, gehst zum Training und hast 'nen Spiel am Wochenende. Nach dem Spiel sitzt jeder zusammen ist gut drauf und freut sich, ob gewonnen oder verloren. Army ist in der letzten Saison 13. geworden, aber der Präsident hat nach dem letzten Spiel gesprochen, als ob wir Deutscher Meister geworden sind. Das find ich überragend. Ich mag so was, wenn man ne gute Stimmung hat.

thai-fussball.com: Hast du vor Thai zu lernen?

Björn Lindemann: Ja natürlich. Das wird sich aber auch ergeben. Wenn ich irgendwo bin, möchte ich natürlich auch die Sprache und die Kultur kennenlernen. Ich habe auch schon Thaifood von Straßenküchen gegessen, was absolut lecker war. Ich habe noch nie so gut gegessen. Wozu bin ich denn da, wenn ich nicht die Kultur und Leute kennenlernen will? Da kann ich auch zuhause bleiben. Ich habe schon so scharf gegessen, dass ich einen Schluckauf hatte.

thai-fussball.com: Gehst Du gerne ins Fitnessstudio?

Björn Lindemann: Naja also ich brauche die Geräte nur ansehen dann nehm ich schon an Muskelmasse zu. Ansonsten, nicht unbedingt aber ich geh halt schon mal gerne, wer hat nicht einen schönen Körper?

thai-fussball.com: Dann kann ich Dir ja schon mal Stefan Brasas an Herz legen, der hat bestimmt den ein oder anderen Tipp für dich.

Björn Lindemann:...na der ist ja total verrückt.

thai-fussball.com: Vor der Geschichte mit Jena wolltest du nach China.

Björn Lindemann: Ja ich war da.

thai-fussball.com: Genau. Es ist aber nichts draus geworden.

Offizielle Begrüßung

Offizielle Begrüßung
Bild: courtesy Army United

Björn Lindemann: Eigentlich war schon alles geklärt und die haben mich halt mit Geld bedroht. Wie gesagt ich war auch da und am Ende schon überrascht, dass es nicht geklappt hat, weil Manager und Trainer mich unbedingt haben wollten. Es war aber nicht das gleiche wie Bangkok. Es war auch nicht so eine schöne, überragende Stadt. Du hast da auch keine Europäer oder auch mal Gleichgesinnte gesehen.

thai-fussball.com: War der Verein eventuell Shanghai Shenhua?

Björn Lindemann: Nein es war Jiangsu Sainty.

thai-fussball.com: Wenn Du gerade nicht selber spielst oder trainierst, schaust Du Dir dann auch gerne Spiele live im Stadion an?

Björn Lindemann: Absolut gerne. Ich schau mir auch ab und zu meinen Dorfverein an, welcher in der Bezirksliga spielt. Da sieht man auch immer wieder nette Sachen.

thai-fussball.com: Du hast eingangs erwähnt, dass Du Daniel Gunkel beim Probetraining beobachten konntest. Hattest Du auch Gelegenheit mit ihm zu sprechen?

Björn Lindemann: Ja wir haben uns auch abends noch getroffen. Er hat dann auch gesagt, dass wenn man diese Möglichkeit mit Thailand hat, muss man das machen. Aber er selbst wusste es noch nicht so richtig. Er hat noch Vertrag in Offenbach und eine Familie mit Kind. Daniel Gunkel hat auch gesagt, dass er sehr überrascht war, was hier für Möglichkeiten gibt und das Fussball in Thailand etwas ist das man völlig unterschätzt.

thai-fussball.com: Wer war für dich, unabhängig von etwaigen Disziplinproblemen, dein bester Trainer?

Björn Lindemann: Ich muss immer noch sagen der beste Trainer für mich war Ralf Rangnick (bei Hannover 96, d. Red.), er hat mir wirklich am meisten beigebracht was Taktik und Spielverständnis angeht und mich sehr gefördert. Trotzdem bin ich aber auch noch mit vielen anderen Trainern befreundet, ob es ein Pavel Dotchev ist oder ein Karsten Baumann. Vielleicht gibt es einen von dem Ich etwas enttäuscht war, das war in Paderborn.

thai-fussball.com: Deine Freundin kommt mit nach Thailand?

Björn Lindemann: Die ist auf jeden Fall dabei, sie muss aber im Sommer noch mal zurück, wegen Ihrem Studium. Sie ist natürlich auch neugierig.

thai-fussball.com: Das heißt, Du warst vorher noch nie in Thailand auch nicht auf Urlaub?

Björn Lindemann: Nein bisher war ich noch nie groß im Ausland. Es ist unsere Station und ich freu mich richtig drauf. Ich habe mich auch die ganze Zeit hier zu Hause bei meinem Heimatverein fit gehalten und ich kann das erste Spiel kaum erwarten. Am liebsten können wir morgen loslegen.

thai-fussball.com: Björn, vielen lieben Dank für Deine Zeit und wir freuen uns darauf dich in der Liga endlich spielen zu sehen.

Wer Björn Lindemann noch vor Ligastart sehen möchte hat vom 2. bis 3. März Gelegenheit dazu. Army United wird dann neben Pattaya United und Osotspa Saraburi an einem Turnier des FC PTT Rayong teilnehmen.

*Wir weisen darauf hin das ein Teil bzw eine komplette Veröffentlichung an anderer Stelle ohne unsere Gehnemigung untersagt ist. Sollte Interesse bestehen das gesamte Interview oder einen Großteil veröffentlichen zu wollen, Print oder Onlinemedien, wenden Sie sich bitte an info [at] thai-fussball.com. Das Interview selbst darf jedoch gerne verlinkt werden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.*
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