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Big in Japan und Pommes in Belgien

Thai League 1 Teerasil Dangda

Teerasil Dangda (mitte)
Bild: © thai-fussball.com

Als Chanathip Songkrasin im Sommer nach Japan in die J-League zum Aufsteiger Consadole Sapporo wechselte, waren die Hoffnungen in ihn zwar groß. Doch selbst die größten Experten trauten ihm nicht mehr als ein paar Einsätze zu. Es kam alles anders und ausgerechnet der Kleinste, ist nun "Big in Japan". Jetzt folgen ihm zwei Mannschaftskollegen in das Land der aufgehenden Sonne und versuchen es ihm gleichzutun.

Juni 2017. Es ist Halbzeit im KINCHO Stadion zu Osaka und die Gäste aus Sapporo gehen mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine. Dort trifft Consadoles Trainer Yomoda, eine für die Saison, folgenschwere Entscheidung. Er schickt seinen Neuzugang aus Thailand, der gerade mal wenige Wochen in Japan ist, direkt nach der Halbzeit ins Spiel. Songkrasin, der nichts zu verlieren hat, sieht seine Chance gekommen und tut das, was er am besten kann. Nämlich laufen, laufen, dribbeln, dribbeln und natürlich, passen.

Der um 10 Zentimeter kürzere "Messi" konnte zwar die Niederlage im Ligapokal auch nicht verhindern, doch war er nach seinen ersten 45 Minuten im Dress von Consadole Sapporo, nicht mehr wegzudenken. Schon im kommenden Ligaspiel stand "Jay" Chanathip in der Anfangsaufstellung. Einen Platz, den er bis Saisonende, er fehlte, nur einmal erkrankungsbedingt, auch nicht mehr hergab. Mit seinem Spiel und seinen Leistungen hatte er großen Anteil am Klassenerhalt des Aufsteigers und ist aktuell aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Übrigens ebenso, wie Namensvetter Jay Bothroyd, der 10 Tore zum Erhalt der Klasse beisteuerte und 2014 bei Muang Thong unter Vertrag stand.

Man mag sich bei Consadole sicher einiges dabei gedacht haben, als man Songkrasin von Muang Thong auf Leihbasis für 1,5 Jahre loseiste. Sicher aber nicht, dass der Nationalspieler, im wahrsten Sinne des Wortes, so einschlagen würde. Das Risikopaket für Consadole war und ist gering und Marketingaspekte seitens der Japaner mögen durchaus eine Rolle gespielt haben. Denn, für Spieler aus Südostasien gibt es in den japanischen Ligen, eine Sonderregelung. Sie fallen nicht dem beschränkten Ausländerkontingent zum Opfer und zählen somit nicht als Spieler aus dem Ausland. Zudem hat die J-League mit vielen Verbänden in Südostasien ein, nun, nennen wir es, Entwicklungsabkommen. Und Spieler aus Südostasien, welche in Japan unter Vertrag stehen, ziehen natürlich auch die Aufmerksamkeit der Fans auf sich. Machen Teams und Liga in dieser, fußballverrückten Region, populärer.

So trat Songkrasin bei Consadole Sapporo in die Fußstapfen des indonesischen Nationalspielers Irfan Bachdim und Vietnam-Legende Lê Công Vinh. Im Gegensatz zum kleinen, quirligen Mittelfeldspieler aus Nakhon Pathom, vermochten sich beide aber nicht durchzusetzen.
Mit seinen Leistungen und seinem Auftreten hat Chanathip, der sich unbedingt im Ausland beweisen wollte, nicht nur sich selbst und seiner Mannschaft einen Gefallen getan. Vielmehr hat er es damit auch geschafft, die Tür für weitere Landsleute zu öffnen.

Denn mit den beiden thailändischen Nationalmannschaftskpaitänen Teerasil Dangda und Theerathon Bunmathan stehen jetzt zwei weitere Wechsel in die J-League fest.

Teerasil, aktuell Thailands bester Stürmer, wird mit seinem Wechsel zu Sanfrecce Hiroshima, sein bereits drittes Auslandsabenteuer antreten. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und so wird der inzwischen 29-Jährige darauf hoffen, endlich seinen Durchbruch im Ausland schaffen zu können. Vor 10 Jahren wurde er, zusammen mit Suree Sukha und Kiatprawut Saiwaeo nach England zu Manchester City gelockt. Freilich ohne jede wirkliche Chance. Doch darauf kam es dem damaligen Besitzer der Citizen, Thaksin Shinawatra, wohl auch nicht wirklich an. Oder er war schlicht unwissend. Oder hatte keine Ahnung, was die Voraussetzungen für den Erhalt einer Arbeitserlaubnis für Spieler aus dem Ausland ist.

2014 folgte der Wechsel nach Spanien zu Almeria. Ebenfalls ein Wechsel, den viele als Marketingstunt gesehen haben. Dangda brachte es auf insgesamt sechs kurze Einsätze und wurde nie wirklich glücklich. Wie er kürzlich in einem Nachklapp auch zugab. Kulturell und menschlich sollte es für Teerasil in Japan, während seiner ein Jahr dauernden Leihe sicher besser laufen. Sportlich bleibt es abzuwarten. Wann er allerdings zu seinen neuen Mannschaftskollegen von Hiroshima stoßen wird, ist aktuell noch nicht klar. Sein Arrangement ist an das Abschneiden von Muang Thong in der Qualifikation zur Champions League geknüpft.

Aktuell ebenfalls noch unklar ist, wann genau sein Kollege Theerathon Bunmathan nach Japan wechseln wird. Klar ist bisher nur eines, einer der besten Linksverteidiger Asiens wird demnächst keinem geringeren als Lukas Podolski auflegen dürfen. Theerathon ist zwar das, was man gemeinhin als "Arschlochspieler" bezeichnet, seine spielerischen Qualitäten und seine Freistöße jedoch sind über jeden Zweifel erhaben. Für den 27 Jahre alten Nationalspieler wird es die erste Station im Ausland sein. Bereits vor seinem Wechsel von Buriram zu Muang Thong wollte er nach Korea, China oder Japan wechseln, fand aber keinen Verein.

Der erstklassigen Abgänge bei Muang Thong nicht genug, wird nun auch Thailands Nummer 1 im Kasten, Kawin Thamsatchanan den Verein verlassen. Anders als seine drei Kollegen, Chanathip, Teerasil und Theerathon, wird er jedoch nicht nach Japan wechseln, sondern nach Europa.
"Flying Kawin", wie er genannt wird, wird nach Belgien zu Zweitligist Oud-Heverlee Leuven wechseln. Un anders als seine drei Kollegen wechselt Kawin nicht auf Leihbasis, sondern für eine feste Ablöse. Dieses soll dem Vernehmen nach, 1,25 Millionen Euro betragen. Die Zahl entstammt der Hauspostille Muang Thongs und ist daher zunächst mit Vorsicht zu geniesen.

Parallelen zu früheren Wechseln thailändischer Spieler lassen sich nicht von der Hand weisen und deuten eher darauf hin, dass Kawin schon bald wieder in die Wärme der Heimat zurückkehren könnte. Ebenso wie bei Teerasil, ist es Kawins großer Wunsch in Europa zu spielen. Ebenso wie damals Manchester City, ist Oud-Heverlee Leuven in thailändischer Hand.

Der Verein gehört niemand anderem als der King Power Group um Vichai Srivaddhanaprabha und gehört damit auch zu Leicester City. Wie es sich für einen englischen Verein gehört, ist Oud-Heverlee Leuven so etwas wie das Farmteam, bei dem man einfach bei Gelegenheit, Spieler parken kann. Und dann ist da noch Teeratep "Leesaw" Winothai. Das begnadete Talent, das selbst in Thailand nie richtig den Durchbruch schaffte und mehr Weltbürger ist, als Kawin es vermutlich je sein wird, kehrte nach nur wenigen Monaten bei Lierse SK in Belgien, nach Thailand zurück.

Zudem ist die zweite Liga in Belgien sicher auch keine Offenbarung. Und ein Keeper vom Kaliber eines Kawin hat sicher Besseres verdient. Ein Wechsel ebenfalls nach Japan, oder in die A-League nach Australien, hätten ihm besser zu Gesicht gestanden. Interessant aber, dass ausgerechnet die Australier, immerhin Mitglied des südostasiatischen Verbandes, offenbar kein Interesse an einem der Top-Spieler haben. Dabei hatte man in der Vergangenheit mit Surat Sukha (2009-11) und Sutee Suksomkit (2009), durchaus gute Erfahrungen gemacht.
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